Gesundheit : Apotheken in MV in Gefahr - das Internet ist nicht das Problem

Internet-Apotheken gelten vielen als große Bedrohung für die lokalen Apotheken. In Mecklenburg-Vorpommern liegt das Hauptproblem laut Apothekerverband bislang woanders.

nnn.de von
11. Februar 2019, 05:00 Uhr

Der Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern hat vor Versorgungslücken auf dem Land gewarnt. „Es gibt Zonen in unserem Land, wo die Wege zur nächsten Apotheke schon jetzt sehr lang sind, etwa im Südosten“, sagte Verbandsvorstand Thomas Müller der Deutschen Presse-Agentur. Gründe seien Personalmangel und Schwierigkeiten bei der Suche nach Nachfolgern für Apotheker, die sich zur Ruhe setzen.

Pharmazie-Ingenieure aus DDR-Zeiten fallen weg

In den knapp 400 Apotheken im Nordosten arbeiten nach Müllers Worten rund 900 approbierte Apotheker und 400 Pharmazie-Ingenieure, die eine ostdeutsche Besonderheit seien. Sie dürften den Apotheker bis zu vier Wochen im Jahr vertreten, so dass in kleineren Häusern der oftmals einzige Apotheker auch mal Urlaub machen könne. „Doch die Pharmazieingenieure werden seit dem Ende der DDR nicht mehr ausgebildet und sind meist über 50 Jahre alt“, sagte Müller.

Wenn sie in Rente gingen, gebe es ein großes Problem. „Wenn die Pharmazieingenieure weg sind, sitzen viele Kollegen ohne Urlaub da.“ Denn eine Apotheke dürfe nur öffnen, wenn ein approbierter Apotheker anwesend ist - oder eben ein Pharmazieingenieur. In kleinen Apotheken sei der Inhaber aber oft der einzige mit Approbation. „Ich kenne genug Kollegen, die suchen verzweifelt einen zweiten oder dritten Apotheker“, sagte Müller.

Apotheker auf dem Land dringend gesucht

Ob es gelingt, genügend junge Menschen zur Übernahme von Land-Apotheken mit oft nicht allzu üppigem Umsatz zu überzeugen, steht nach seinen Worten in den Sternen. Ein Kredit in Höhe von mehreren hunderttausend Euro müsse für eine Übernahme in der Regel aufgenommen werden. „Selbst bei einer kleinen Apotheke ist schon das Warenlager mindestens 70 000 Euro wert.“ Und dann warteten 50- bis 60-Stunden-Wochen auf den Übernehmer. Auch dazu sei nicht jeder junge Mensch bereit.

Noch gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nach Müllers Worten 397 Apotheken - vor fünf Jahren seien es noch 412 gewesen. Statistisch gesehen komme eine Apotheke auf 4000 Menschen. Bundesweit betrage dieses Verhältnis eins zu 4166. „Da sind wir gut“, sagte Müller. Doch es gebe Unterschiede zwischen Stadt und Land. Es gebe einen Richtwert für die maximale Entfernung einer Notdienst-Apotheke vom Wohnort eines Patienten: 20 bis 25 Straßenkilometer. „In einigen Gegenden ist das ein echtes Problem.“ Müller bedauert, dass es bei den Werbekampagnen um Nachwuchs im Gesundheitsbereich nur um Ärzte gehe, nicht aber um Apotheker.

Bislang keine Lücken bei Versorgung mit Medikamenten

Bislang gebe es auch keine Vorschrift für eine flächendeckende Versorgung mit Apotheken. „Obwohl es jeder haben will, hat sich noch niemand einen Kopf darum gemacht.“ Das Gesundheitsministerium in Schwerin sieht bei Versorgungsengpässen zunächst den Bundesgesetzgeber in der Pflicht, die Notwendigkeit einer stärkeren Reglementierung zu prüfen, teilte die Pressestelle von Minister Harry Glawe (CDU) mit. Allerdings: Auch wenn die Zahl der Apotheken leicht rückläufig sei, habe das Ministerium bislang keine Meldungen erhalten, dass es Lücken bei der Versorgung mit Arzneimitteln im Land gebe.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Sebastian Ehlers, befürchtet im Moment keine Versorgungslücke. „Allerdings schleicht sich mit dem Apotheken-Versandhandel ein Konkurrent mit deutlichen Zuwachsraten nach oben.“ Damit wachse insbesondere der Druck auf Apotheken im ländlichen Raum. Ihre Wettbewerbsfähigkeit müsse deswegen vor allem gegenüber dem Versand aus dem Ausland gestärkt werden, forderte der Politiker.

Internet-Apotheken in MV keine Konkurrenz

Da gibt Verbandsvorstand Müller wiederum vorläufige Entwarnung. Die Internet-Apotheken hätten sich in Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht als wirkliche Konkurrenz erwiesen. „Viele unserer Kunden, oft sind es ja Ältere, sind daran interessiert, sich schnell etwas zu holen und sich auch einmal zu unterhalten. Die Sozialkontakte sind nicht zu unterschätzen.“ Das sieht auch der SPD-Gesundheitspolitiker Jörg Heydorn so: „Die Apotheken im Land versorgen die Menschen nicht nur mit lebensnotwendigen Medikamenten, sondern auch mit hervorragender Beratung und Unterstützung.“ Gerade im ländlichen Raum seien das wichtige Anlaufstellen für die Menschen. Dieses gut funktionierende Apothekennetz gelte es flächendeckend zu erhalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen