Viele Regionen betroffen : Gewerkschaft legt Nahverkehr lahm: Ist der Streik unangebracht?

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Die Gewerkschaft Verdi hat für diesen Donnerstag rund 1500 Beschäftigte der Verkehrsbetriebe in MV aufgefordert, ihre Arbeit niederzulegen.

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22. Januar 2020, 16:38 Uhr

Der Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr in MV spitzt sich zu: In weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns ging am Morgen nichts mehr. Wegen eines neuerlichen Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr schafften es Kinder und Jugendliche nicht in die Schule. Arbeitnehmer mussten aufs Auto umsteigen - die Folge waren lange Staus.

Seit 3 Uhr wird gestreikt

Bus- und Straßenbahnfahrer der kommunalen Verkehrsgesellschaften sind an diesem Donnerstag um 3 Uhr morgens erneut in den Streik getreten. Dieser solle noch bis zum Ende des Betriebstages erfolgen und könne daher in einigen Fällen bis in die frühen Morgenstunden am Freitag dauern, wie der Landesstreikleiter von Verdi am Donnerstagmorgen sagte.

Am Standort Grevesmühlen hat Verdi die Beschäftigten aus Wismar und Gadebusch zusammengezogen. Sie verschaffen ihren Forderungen nach einem höheren Stundenlohn und Sonderzahlungen Nachdruck.

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Volker Bohlmann

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Einschränkungen für Schüler und Eltern

Betroffen seien die 1500 Beschäftigten aller kommunalen Nahverkehrsgesellschaften wie die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Nahbus Nordwestmecklenburg, aber auch Rebus Regionalbus Rostock und die Rostocker Straßenbahn AG, nicht aber der Nahverkehr Schwerin.

Vom Warnstreik waren hauptsächlich Schüler betroffen. Wie in der vergangenen Woche waren laut Bildungsministerium Schüler, die nicht in die Schule kommen konnten, entschuldigt. Auch auf den Linien der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) falle der gesamte Schülerverkehr aus. Nicht bestreikt würden Sonderfahrten und der Werksverkehr. Auch bestellte Fahrten des Rufbus würden durchgeführt, teilte die LVP mit.

Lange Staus in Rostock

In Rostock kam es am Morgen zu langen Staus auf den Zufahrtsstraßen. Da keine Verkehrsunfälle gemeldet wurden, ging die Polizei davon aus, dass die Störungen auf den Streik und das Umsteigen vieler Menschen aufs Auto zurückzuführen waren. Nach Angaben der Rostocker Straßenbahn AG mussten sich rund 45.000 Menschen um eine Alternative zu Bussen und Bahnen kümmern.

Das sind die Forderungen von Verdi

Die Busfahrer waren nach bislang ergebnislosen Lohnverhandlungen bereits in der vergangenen Woche in einen mehrstündigen Warnstreik getreten. Bislang hätten die Arbeitgeber „einen ernsthaften Abschlusswillen“ für höhere Tarife nicht erkennen lassen, begründete am Mittwoch Verdi-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete den Streik. Er zeigt sich sehr zufrieden mit der Streikbereitschaft der Bus- und Bahnfahrer.

 

Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber, Gabriele Axmann, kritisierte das Vorgehen von Verdi: „Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Gewerkschaft ihre Forderungen auf dem Rücken der Fahrgäste durchsetzen will.“

Verdi fordert eine Erhöhung des Stundenlohns um 2,06 Euro auf etwa 15,50 Euro für Berufseinsteiger ab dem 1. Januar 2020 und eine Angleichung der Löhne in MV um 100 Euro an das Niveau in Schleswig-Holstein. Dort würden noch 250 Euro mehr bezahlt.

Die Arbeitgeber hatten die Forderungen als „wirtschaftlich nicht tragbar“ zurückgewiesen. Angaben des Kommunalen Arbeitgeberverbandes MV (KAV) zufolge hatten die Unternehmen rund 6 Prozent mehr in den kommenden drei Jahren angeboten. Die Mehrheit der Fahrer würde damit einen monatlichen Gehaltszuwachs von derzeit 2675 auf 2832 Euro erhalten.

Rebus: Busstreik „unverhältnismäßig und unangebracht“

Als „unverhältnismäßig und unangebracht“, kritisiert Thomas Nienkerk, Geschäftsführer der Regionalbus Rostock (Rebus), den erneuten Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Rostock.  „Wir konnten keine Leistungen auf die Straße bringen. Wir hatten einfach nicht ausreichend Fahrer zur Verfügung“, so Nienkerk. Allein im Schülerverkehr konnten kreisweit zirka 12 500 Schüler nicht befördert werden.

Außer der Verwaltung und dem Werkstattpersonal arbeitete am Donnerstag niemand in der Rebus-Zentrale in Güstrow. „Für mich steht die Unzufriedenheit der Fahrgäste wegen der Ausfälle im Vordergrund. Das ist schlimm“, sagt Nienkerk. Die Arbeitgeber seien durchaus bereit, über Lohnanpassungen für die Busfahrer zu verhandeln, aber nicht in dem von der Gewerkschaft Verdi geforderten Umfang, schiebt er hinterher. Die Forderung von Verdi lehnt der Rebus-Geschäftsführer „als wirtschaftlich nicht tragbar“ ab.

Nienkerk selbst ist bei der nächsten Tarifverhandlungsrunde kommenden Dienstag in Rostock dabei. „Auch ich bin daran interessiert, eine vernünftige Lösung für unsere Mitarbeiter zu finden“, sagt er und hofft auf eine Einigung schon in der nächsten Woche. „Vor allem hoffe ich für die Fahrgäste, dass es nicht wieder zu Streiks kommt“, so Nienkerk.
 

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