Ohne Abo lesbar : Was Sie über das Coronavirus in Mecklenburg-Vorpommern wissen müssen

Das Coronavirus breitet sich auch in MV weiter aus. Hier gibt es die wichtigsten Infos stets aktualisiert im Überblick.

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31. März 2020, 10:45 Uhr

Im Rahmen der Corona-Pandemie gibt es einen weiteren Sterbefall in Mecklenburg-Vorpommern. Ein 86-jähriger Mann aus dem Landkreis Rostock mit verschiedenen schwersten Vorerkrankungen ist Mittwoch Abend im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben. Bislang gab es somit vier Sterbefälle in Mecklenburg-Vorpommern.

Seit Mittwoch wurden dem LAGuS 23 neue Corona-Infektionen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten gemeldet. Insgesamt wurden bislang 468 Menschen in MV positiv auf das Virus getestet. 62 Personen mussten/müssen im Krankenhaus behandelt werden, neun davon auf einer Intensivstation.

Gemeldet wurde aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen auch eine erste bestätigte Infektion eines Patienten in einer Reha-Klinik. Das Gesundheitsamt des Landkreises hat alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen.

Im Landkreis Rostock gibt es in einer Einrichtung des betreuten Wohnens mehrere bestätigte Fälle. Auch hier hat das Gesundheitsamt alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen.

In sechs Laboren in MV, die auch alle Corona-Tests aus den Abstrichzentren in den Landkreisen und kreisfreien Städte auswerten, wurden insgesamt bislang fast 17.400 Corona-Tests analysiert.

 Eine aktuelle Karte finden Sie hier.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Ab dem 22.03. bis voraussichtlich dem 20.04. gilt ein Kontaktverbot, Ansammlungen von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum sind verboten
  • Zu Ostern sind die Reisebeschränkungen auch für Einheimische verschärft. So sind über die Feiertage Tagesausflüge zu beliebten Badeorten an der Küste oder in der Seenplatte allen und nicht nur Auswärtigen untersagt.
  • Bei Verstößen gegen die Verbote zur Eindämmung des grassierenden Coronavirus gilt in Mecklenburg-Vorpommern künftig ein Bußgeldkatalog.
  • keine schriftliche Abschlussprüfungen an den Schulen im März und April – weder Abiturprüfungen noch Prüfungen zur Mittleren Reife
  • Alle Schulen und Kindertagesstätten sind geschlossen
  • Diese Geschäfte haben noch geöffnet: Supermärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen, Großhandel, sowie jede medizinisch-notwendige Behandlung in entsprechenden Einrichtungen (z.B. bei Physiotherapeuten).
  • Inseln der Nord-und Ostsee für Touristen gesperrt
  • Keine öffentlichen Veranstaltungen
  • Ab Samstag den 21.03. 18 Uhr sind alle Gaststätten und Restaurants geschlossen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts müsse mit weiteren Fällen innerhalb der Bundesgrenzen gerechnet werden. Und nach dem Sommer steht eine zweite Welle an. Christian Drosten, Chef-Virologe an der Berliner Charité, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Im Herbst wird es dann kritisch, das ist klar."

svz.de stellt Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Informationen über die Krankheit, die Verbreitung und die Konsequenzen in Mecklenburg-Vorpommern kostenlos zur Verfügung. Teilen Sie diesen Artikel auch gerne mit Freunden, Ihrer Familie und Kollegen in sozialen Netzwerken.

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus finden Sie im Liveticker.

Maßnahmenpaket der Landesregierung im Überblick

  • Das Lkw-Sonntagsfahrverbot im Land ist bis zum 30. Juni aufgehoben
  • An allen Schulen im Land werden die geplanten Abschlussprüfungen (Abitur und Mittlere Reife) im März und April verschoben.
  • In Kitas und Schulen im Land soll es eine beschränkte Alternativ-Betreuung der Kinder von Eltern geben, die in besonders kritischen Infrastrukturen arbeiten und keine andere Betreuung organisieren können.
  • Bei Verstößen gegen die Verbote zur Eindämmung des grassierenden Coronavirus gilt in Mecklenburg-Vorpommern künftig ein Bußgeldkatalog. Die Höhe der Bußgelder reiche bis zu 5000 Euro.
  • Reiserückkehrern aus Risikogebieten und allen laut RKI besonders betroffenen Gebieten ist der Zutritt zu öffentlichen Einrichtungen bis auf Weiteres untersagt. Auch Rückkehrern aus alpinen Skigebieten wird dieses Verhalten dringend empfohlen.
  • An den Kliniken im Land herrscht ein vorläufiges Besuchsverbot, planbare Aufnahmen sollen verschoben werden, um Kapazitäten für Covid-19-Patienten bereitzuhalten.
  • Die norddeutschen Küstenländer haben ab Montag den Zugang für Touristen zu den Inseln in der Nord- und Ostsee gesperrt. Von den Zugangsbeschränkungen ausgenommen werden lediglich Personen, die ihren Wohnsitz in MV haben oder zur Arbeit auf die Insel müssen bzw. von der Arbeit auf dem Festland zurückkehren. Die Versorgung der Inseln mit Gütern des täglichen Bedarfs wird weiterhin sichergestellt.
  • Zur Eindämmung der Corona-Infektionen verschärft Mecklenburg-Vorpommern zu Ostern die Reisebeschränkungen auch für Einheimische. So sind über die Feiertage Tagesausflüge zu beliebten Badeorten an der Küste oder in der Seenplatte allen und nicht nur Auswärtigen untersagt.
  • Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist zudem nur noch alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Familie gestattet.
  • Um den Unternehmen in MV durch die Corona-Krise zu helfen, legt die Landesregierung einen Schutzfonds im Umfang von 1,1 Milliarden Euro auf.

Antragsformular Soforthilfen als PDF runterladbar  

Zahlreiche Veranstaltungen abgesagt

  • Alle öffentlichen Veranstaltungen werden bis 19. April untersagt, die Regierung empfiehlt darüber hinaus den Verzicht auf private Veranstaltungen. Von dem Verbot sind Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Kino und Museen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Saunen und Angebote der Volkshochschulen, Musikschulen und andere öffentliche und private Bildungseinrichtungen betroffen.
  • Restaurants und Hotels sollen geöffnet bleiben dürfen, allerdings auch nur unter Auflagen. Restaurants und Speisegaststätten dürfen demnach frühestens ab sechs Uhr morgens aufmachen und müssen spätestens um 18 Uhr wieder schließen. Zudem soll durch eine Abstandsregelung für Tische sowie einer Reglementierung der Besucherzahl die Ansteckungsgefahr verringert werden.
  • Verboten sind auch Zusammenkünfte in Spielhallen sowie das Prostitutionsgewerbe.
  • Auch Spielplätze sollen gesperrt werden.
  • Übernachtungsangebote in Hotels und Pensionen im Inland dürfen nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden.

Diese Geschäfte bleiben geöffnet

Zahlreiche Geschäfte bleiben geschlossen. Ausdrücklich nicht geschlossen werden sollen Supermärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen – aber auch Poststellen oder der Großhandel. Für diese Bereiche soll vielmehr die Sonntagsverkaufsverbote bis auf weiteres grundsätzlich ausgesetzt werden. Damit soll die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Hier sollen aber Hygiene- und Zugangsauflagen erlassen werden, also etwa was Warteschlangen und die Zahl der Kunden im Markt angeht.

Unterstützung für Unternehmen

Kurzarbeitergeld soll die kurzfristigen Ausfälle in der Wirtschaft überbrücken. Die Voraussetzungen wurden erleichtert. Bisher mussten mindestens 30 Prozent der Arbeitnehmer von einem Lohnausfall von jeweils mehr als zehn Prozent ihres monatlichen Bruttolohns betroffen sein. Ab 1. März reichen nun 10 Prozent der Beschäftigten. Die anfallenden Sozialversicherungsbeiträge für die ausgefallenen Arbeitszeiten übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. Die mögliche Bezugsdauer liegt bei 12 Monaten, kann aber unter Umständen auf 24 Monate ausgedehnt werden.

Weil den ersten Unternehmen das Geld auszugehen droht, mehren sich bei Banken, Sparkassen und Bürgschaftsbank  die Anfragen besorgter Firmenchefs. Die Banken setzten alles daran, den Bedarf zu decken – mit Zwischenfinanzierungen, Überbrückungskrediten oder verlängerten Rückzahlungsfristen. Dabei sollen den Firmen keine zusätzlichen Kosten entstehen, sicherte Rüdiger Grahn zu, Firmenkundenchef der HypoVereinsbank in Rostock.

Was Sie über die Krankheit wissen müssen:

Was sind die Symptome?

Das Coronavirus kommt bei den Symptomen einer Erkältung nahe. Teilweise haben Infizierte auch keine Symptome bemerkt. Außerdem sind Fieber, Husten und Atemprobleme möglich, die auch bei einer echten Grippe auftreten können. Bei schwereren Verläufen kann das Coronavirus zu einer Lungenentzündung führen. Gefährlich ist das Virus vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Vorerkrankungen und alte Menschen.

Wie kann ich mich vor dem Coronavirus schützen?

Eine Coronavirus-Imfpung gibt es derzeit nicht und wird noch viele Monate auf sich warten lassen. Um die Ausbreitung der Krankheit auszubremsen, raten Experten zu den gewöhnlichen Hygienemaßnahmen, die Menschen in Zeiten der Grippewelle ohnehin beachten sollten. Dazu zählen unter anderem:

  • regelmäßiges, häufiges und sorgfältiges Händewaschen – mindestens 20 Sekunden mit Seife bis zum Handgelenk
  • Desinfektionsmittel verwenden
  • nur mit gewaschenen Händen ins Gesicht fassen.

Personen über 60 Jahre und Personen mit chronischen Grunderkrankungen sollten den Impfschutz auf Pneumokokken überprüfen und gegebenenfalls diese von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Standardimpfung nachholen. Ein Impfschutz gegen Pneumokokken wirkt zwar nicht gegen das Coronavirus, aber er kann potenziell schweren Krankheitsverläufen durch Doppelinfektionen vorbeugen. Denn eine bereits befallene Lunge kann zusätzlich noch von anderen Erregern angegriffen werden. Von Pneumokokken ist bekannt, dass sie sich bevorzugt auf virale Infektionen „aufsetzen“ können.

Auch für Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit gelten, wie bei älteren Menschen, zusätzliche Impfempfehlungen (Indikationsimpfungen). Für sie wird ebenfalls von der STIKO u.a. eine Pneumokokken-Impfungen empfohlen. Die Pneumokokken-Impfung ist außerdem für Personen mit beruflicher Exposition gegenüber Metallrauch (z.B. Schweißer) empfohlen.

Wer ist vom Coronavirus besonders gefährdet?

Das Coronavirus ist besonders gefährlich für:

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Menschen mit Vorerkrankungen
  • alte Menschen
  • Männer

Wie bei der Grippe sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährdet, vor allem alte und kranke Menschen. Das legt eine Auswertung der chinesischen Gesundheitsbehörden nahe. Bei den Todesfällen durch Covid-19 berichteten Ärzte, dass die Verstorbenen unter Vorerkrankungen gelitten hatten, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck.

Die Gefahr steigt vor allem mit dem Alter und für Menschen ab 50 Jahre. In der Altersgruppe der Menschen ab 80 Jahren liegt die Sterblichkeit bei 14,8. Das überrascht nicht, denn ältere Menschen bringen oft Vorerkrankungen mit. Außerdem sind Männer mit einer Sterblichkeit von 2,8 Prozent eher gefährdet als Frauen (1,7 Prozent) – eine genaue Erklärung dafür gibt es noch nicht.

Was mache ich, wenn ich befürchte, mich infiziert zu haben?

Wichtig: Wer Sorge hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben und Symptome aufweist, sollte nicht zum Arzt gehen. Dort besteht die Gefahr, das Virus an andere zu übertragen.

Das Kieler Gesundheitsministerium rät, zunächst seinen Hausarzt oder seine Hausärztin anzurufen und telefonisch das weitere Vorgehen zu besprechen.

Darüber hinaus können Patientinnen und Patienten sich an das ab dem 1. Januar deutlich ausgebaute Angebot unter der Nummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinung wenden. Diese ist auch außerhalb der Sprechzeiten erreichbar und leistet Hilfestellung bei der Entscheidung über weitere Schritte. Damit sollen Patientinnen und Patienten dahin weitervermittelt werden, wo sie am besten aufgehoben sind.

Wo bekomme ich telefonisch noch weitere Hilfe?

Neben der Notrufnummer 116 117, über die der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen rund um die Uhr ärztliche Hilfe vermittelt, gibt es noch weitere Hotlines.

Allgemeines Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministerium
+49 30-346 465 100

Bürgertelefon des Landesgesundheitsministeriums:
431-7970001 (werktäglich von 8-18 Uhr)

Bürgertelefon:
0385-588 5888

Informationstelefon für Unternehmer in MV:
0385-588 5588

Was sind Risikogebiete?

Risikogebiete sind Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch ("ongoing community transmission") vermutet werden kann. Um dies festzulegen, verwendet das Robert Koch-Institut verschiedene Kriterien (u.a. Erkrankungshäufigkeit, Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen, Maßnahmen (z.B. Quarantäne ganzer Städte oder Gebiete), exportierte Fälle in andere Länder/Regionen). Die Situation wird jeden Tag neu bewertet, bei Bedarf werden die Risikogebiete angepasst.

Welche Orte aktuell als Risikogebiete gelten, finden Sie hier.

Wieviel bestätige Corona-Fälle gibt es deutschlandweit?

 

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Das Robert-Koch-Institut stellt aktuelle Informationen, Krisenpläne und Fallzahl-Meldungen hier zur Verfügung.

Das Gesundheitsministerium informiert auf seiner Homepage regelmäßig über neue Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier geht es zu der Seite.

Über die Entwicklungen vor Ort berichten auch die einzelnen Kreise auf ihren Webseiten.

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