Verhöhnung eines toten Polizisten : DFB ermittelt wegen Fan-Banner gegen Hansa Rostock

von 19. Oktober 2021, 16:01 Uhr

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Dieses Banner zeigten Hansa-Fans in der Partei gegen den SV Sandhausen
Dieses Banner zeigten Hansa-Fans in der Partei gegen den SV Sandhausen

Ein pietätloses Banner im Ostseestadion in Rostock hat Folgen. Laut Deutschem Fußballbund besteht der Verdacht eines sportwidrigen Verhaltens.

Rostock | Die Präsentation eines Fan-Banners mit einer abwertende Äußerung über einen toten Polizisten hat für den FC Hansa Rostock ein Nachspiel: Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Zweitligisten eingeleitet, wie der Verband am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Es bestehe derzeit der Verdacht eines sportwidrigen Verhaltens, erklärte der DFB dazu. Weiterlesen: Hansa-Hooligans sorgen mit Banner für Empörung Hansa Rostock soll die Täter identifizieren Der DFB-Kontrollausschuss habe Hansa Rostock im ersten Schritt angeschrieben und eine Stellungnahme zu dem Vorfall angefordert, heißt es in der Mitteilung des Fußballbundes weiter. Zudem wurde der Klub aus Rostock laut DFB angehalten, die Täter zu identifizieren und die diesbezüglichen Aufklärungsbemühungen darzustellen. Das Banner mit der Aufschrift "Einer weniger. ACAB!" (All cops are bastards/Alle Bullen sind Schweine) war am Sonntag in der Heimpartie gegen den SV Sandhausen von Hansa-Anhängern in der Südkurve präsentiert worden und bezog sich nach einhelliger Meinung auf den Tod eines Bereitschaftspolizisten aus Hamburg. Der Beamte war bei einem Lehrgang in Mecklenburg-Vorpommern nach einer nächtlichen Belastungsübung im Alter von 24 Jahren gestorben. Die Südkurve ist der Fanblock der sogenannten Ultra-Gruppierungen. Weiterlesen: Bereitschaftspolizist aus Hamburg stirbt nach Übung in MV DFB wartet auf Stellungnahme des Zweitligisten Die Vereinsführung hatte sich von der Aktion der Ultras umgehend distanziert und "diese Pietätlosigkeit aufs Schärfste verurteilt." Innenminister Torsten Renz zeigte sich fassungslos über den Vorfall: "Das, was dort gezeigt wurde, ist schlichtweg unfassbar, pietätlos und menschenverachtend." Es könne nicht sein, dass bei Heimspielen des FC Hansa Rostock wiederholt Banner gezeigt würden, mit denen man verstorbene Polizisten verunglimpfe und trauernden Familien zusätzlichen Schmerz zufüge. In den sozialen Netzwerken hatten auch Anhänger des Zweitligisten ihren Unmut über die Aktion zum Ausdruck gebracht. Der verstorbene Beamte hatte an einem speziellen Training für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) der Bereitschaftspolizei teilgenommen. Diese spezialisierten Polizeikräfte werden häufig bei Hochrisiko-Fußball-Spielen eingesetzt. In einigen Ultra-Gruppierungen würden daher insbesondere die BFEn als Feindbild betrachtet, heißt es dazu aus Polizeikreisen. Der Verein hatte nach dem Vorfall eine Auswertungsrunde mit den Einsatzkräften angekündigt. Zudem soll es eine Aufarbeitung innerhalb der Fanszene geben. "Das ist ein Thema. Wir stehen mit den Fans in Kontakt", erklärte ein Fanbeauftragter des Clubs. Nähere Angaben dazu machte er nicht. Weiterlesen: Polizei und Minister erwarten von Hansa Rostock mehr als eine Entschuldigung Über den weiteren Fortgang des Verfahrens will der DFB nach Vorliegen und Auswerten der Stellungnahme des FC Hansa entscheiden. Weitere Auskünfte können während eines laufenden Verfahrens nicht erteilten werden, teilte der Verband weiter mit. Hansa-Fan soll Soldatin bespuckt haben Wie die Bundespolizei gestern mitteilte, gab es vor der Partei am Sonntag auch einen Zwischenfall auf dem Rostocker Hauptbahnhof. Demnach soll ein Mann aus einer größeren Gruppe Hansa-Fans heraus am Vormittag eine Bundeswehrangehörige attackiert haben. Der unbekannte Täter sei bedrohlich auf die uniformierte Frau zugekommen, habe sie beleidigt und ihr anschließend ins Gesicht gespuckt, teilte ein Sprecher der Bundespolizei in Rostock am Dienstagnachmittag mit. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Beleidigung. Nach Angaben der Bundespolizei war die Soldatin auf einer Reise zu ihrer Kaserne. ...

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