Mecklenburg-Vorpommern : Deutlich weniger Asylbewerber

In der Flüchtlingsunterkunft Stern Buchholz ist noch ein Flüchtling in Quarantäne
In der Flüchtlingsunterkunft Stern Buchholz ist noch ein Flüchtling in Quarantäne

Die Zahl der Asylanträge sank in den ersten vier Monaten um 38,5 Prozent. Ein Grund dürften die Einreiseverbote und verschärften Grenzkontrollen gewesen sein. Eine Prognose wagen die Behörden nicht.

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22. Mai 2020, 13:09 Uhr

In der Corona-Krise mit ihren Reisebeschränkungen hat der Zustrom von Asylsuchenden nach Mecklenburg-Vorpommern stark abgenommen. Von Januar bis April wurden 553 neue Asylbewerber registriert, wie das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag erklärte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es 900 gewesen. Dies entspricht einem Rückgang um 38,5 Prozent.

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Behörden wagen noch keine Prognose

Mit jedem Monat kamen weniger Flüchtlinge an: Im Januar waren es laut Ministerium 181, im Februar 156, im März 119 und im April nur noch 57. Eine Prognose für die nächsten Monate könne nicht abgegeben werden, hieß es. „Die Entwicklung der Pandemielage, der Situation an den Grenzen sowie der Migrationsströme kann nicht eingeschätzt werden“, sagte Ministeriumssprecherin Marion Schlender.

Die zuständigen Behörden sind angesichts der Corona-Krise froh über den geringen Zustrom. „Die monatlichen Zugangszahlen sind mit den vorhandenen Kapazitäten gut handhabbar, auch insbesondere vor dem Hintergrund der coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln“, erklärte Schlender. Die beiden Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes in Nostorf/Horst im Landkreis Ludwigslust-Parchim und im Schweriner Stadtteil Stern Buchholz verfügen zusammen über 1250 Plätze. Um Abstandsregeln einhalten zu können, werden die Zimmer nicht voll belegt.

Infektionswelle abgeflacht

Im März und April hatte es eine zweistellige Zahl von Infizierten in den Erstaufnahmen gegeben. Auch einige Mitarbeiter steckten sich an.

Betroffene Flüchtlinge und ihre Angehörigen wurden in eine Unterkunft in Parchim gebracht. Inzwischen ist die Infektionswelle abgeflacht.

Am vergangenen Mittwoch habe sich nur noch eine infizierte Person in Parchim befunden, hieß es. Kontaktpersonen kämen für die Zeit der Quarantäne in eine Rehaklinik in Rerik.„Wir haben gemeinsam mit dem Betreiber große Anstrengungen unternommen, um die Geflüchteten vor Infektionen zu schützen und für die Einhaltung der Regeln zu sorgen“, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der eingeschlagenen Weg richtig war.“ So würden Neuzugänge verdachtsunabhängig auf Covid-19 getestet.

Obwohl keine Maskenpflicht für die Einrichtungen bestehe, seien Schutzmasken in großer Menge durch die Bewohner für den Eigengebrauch selbst angefertigt worden. Auf den Fluren und in den Kantinen gebe es Desinfektionsmittel-Spender. Der Großteil der Bewohner verhalte sich vorbildlich und zeige Verständnis für die gegenwärtige Situation, schätzt das Ministerium ein.

Kritik an Asyl-Quarantäne wies Innenministerium zurück

Der Landesflüchtlingsrat und die Initiative Pro Bleiberecht hatten die Zustände in den Asylbewerber-Erstaufnahmen kritisiert. Es fehle an Möglichkeiten zur sozialen Distanz, hieß es mit Blick auf Gemeinschaftsbäder und Gemeinschaftsverpflegung. Außerdem würden Corona-Hygienestandards nicht eingehalten. Das Innenministerium hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Mehr zum Thema: Flüchtlingsinitiative klagt im Eilverfahren vor Verwaltungsgericht                

 Bereits im vergangenen Jahr waren weniger neue Asylbewerber nach MV gekommen. Die Zahl der Erstanträge sank um mehr als ein Viertel: 2019 beantragten nach Ministeriumsangaben 2548 Menschen im Nordosten Asyl, 730 weniger als 2018. Die meisten Asylbewerber kamen erneut aus Syrien, Afghanistan und Iran. Europaweit gab es in diesem März einen deutlichen Rückgang an Asylanträgen. In der Europäischen Union sowie in Norwegen, Island, Liechtenstein und in der Schweiz wurden 34 737 Anträge registriert, 43 Prozent weniger als im Februar. Als Hintergrund des Rückgangs nannte die EU-Asylagentur Easo die Einreiseverbote und die verschärften Grenzkontrollen wegen des Coronavirus.                 

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