Ehrenamtsstiftung MV : Engagement für Engagierte

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Die Ehrenamtsstiftung des Landes besteht seit fünf Jahren – ihre Vorstandsvorsitzende Hannelore Kohl zieht eine positive Bilanz.

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02. Juni 2020, 05:00 Uhr

Gestern hat die Ehrenamtsstiftung des Landes ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. Ihre Vorstandsvorsitzende ist von Anfang an die Greifswalder Juristin Hannelore Kohl. Karin Koslik sprach vor dem Jubiläum mit ihr.

Frau Kohl, fünf Jahre Ehrenamtsstiftung: Können Sie in fünf Sätzen eine Bilanz ziehen?
Die Bilanz ist auf jeden Fall positiv. Es ist uns gelungen, die anfänglich doch an der einen oder anderen Stelle vorhandenen Vorbehalte und die Kritik an der Errichtung der Stiftung durch unsere Praxis zu widerlegen. Wir haben inzwischen, und das ging insgesamt sehr schnell, ganz viele Ehrenamtliche im Land mit unseren Unterstützungsleistungen erreicht. Das betrifft sowohl Vereine als auch Einzelpersonen. Deshalb sage ich: Wir, die Stiftung, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, können auf erfolgreiche fünf Jahre zurückblicken.

Sie selbst haben von Startschwierigkeiten gesprochen. Wie ist es der Stiftung gelungen, dennoch sehr schnell zu der Akzeptanz zu kommen, die sie heute genießt?
Ein Grund ist sicher, dass es gelungen ist, Jan Holze als Geschäftsführer zu gewinnen. Er verfügt selbst über große Erfahrungen in ehrenamtlicher Arbeit und kannte über den Sport (Jan Holze ist u.a. Vorsitzender der Deutschen Sportjugend und Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes – die Redaktion), die er für die Stiftung gewinnbringend eingebracht hat. Mit ihm zusammen ist es gelungen, sehr schnell die organisatorischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir arbeitsfähig wurden. Wir haben ja wirklich bei Null angefangen und mussten, nachdem diese erste Personalentscheidung gefallen war, das Büro in Güstrow beziehen – mit allem, was an einem solchen Neuaufbau hängt. Gleichzeitig wollten wir schnell ein unbürokratisches und einfaches Förderverfahren für das Ehrenamt in Gang bringen und zügig ein Beratungs- und Veranstaltungsangebot aufbauen. Dass das so gut gelungen ist, hängt letztlich mit Jan Holzes Person zusammen, ist aber auch allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken, weil sie wirklich alle sehr engagiert bei der Sache waren und sind.

Die Ehrenamtsstiftung unterstützt Vereine auf der einen Seite finanziell, auf der anderen aber auch mit praktischem Know-how und juristischer Beratung. Welcher Aspekt ist Ihrer Meinung nach der wichtigste?
Da eine Gewichtung vorzunehmen, ist schwer. Es muss alles parallel laufen. Unsere Besonderheit ist ja, dass wir alles an Unterstützungsleistungen für das Ehrenamt aus einer Hand anbieten. Zahlenmäßig erreichen wir sicher durch die finanzielle Förderung und unsere Austausch- und Weiterbildungsveranstaltungen die meisten Engagierten. Aber im Einzelfall ist auch sachkundige juristische Beratung, etwa bei der Vereinsgründung oder bei Satzungsänderungen, genauso wichtig.

Sie haben den finanziellen Aspekt angesprochen: Wie viel Geld konnte die Stiftung in den fünf Jahren Ihres Bestehens ausreichen und wie viele Vereine und/oder Initiativen haben davon profitiert?
Die Ehrenamtsstiftung hat seit ihrem Bestehen 2,6 Millionen Euro für mehr als 2700 Vorhaben an 1700 gemeinnützige Organisationen in ganz Mecklenburg-Vorpommern ausgereicht. Ich möchte den vielen Engagierten im Land danken, die all diese tollen und vielgestaltigen Projekte für uns alle in Mecklenburg-Vorpommern angepackt und umgesetzt haben. Ich freue mich darüber, dass wir dabei ein Stück weit helfen konnten.

Die Corona-Krise hat viele Vereine in große Schwierigkeiten gebracht. Wie kann ihnen geholfen werden?
Vereine geraten durch Corona in existenzielle Not. Die Einnahmen aus abgesagten Veranstaltungen oder Kursen brechen weg und trotzdem laufen die Kosten weiter. Das Land hat deshalb auch die Mittel für ein zusätzliches Soforthilfeprogramm für das Ehrenamt bereitgestellt, die wir als Stiftung vergeben können. Auch die Anträge können über die Stiftung gestellt werden. Näheres ist auf unserer Website www.ehrenamtsstiftung-mv.de zu finden.

Wie wird dieses Angebot genutzt?
Seit Anfang April sind von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen schon 400 Anträge eingegangen mit einem Antragsvolumen von rund 600 000 Euro. Bereits einen Tag nach Veröffentlichung des Programms haben wir die ersten Auszahlungen veranlasst.

Ein Thema, das Corona bedingt in den letzten Wochen etwas in den Hintergrund geraten ist, ist die Ehrenamtskarte. Bei ihrer Einführung spielt die Stiftung eine große Rolle. Wie ist der momentane Stand?
Die Ehrenamtskarte ist ein Anerkennungsformat für herausragendes Engagement. Sie wird an besonders Engagierte vergeben, die sich mindestens fünf Stunden pro Woche für das Gemeinwohl einsetzen. Mittlerweile ist sie rund 200 Mal bei uns oder über die Mitmachzentralen in den Landkreisen und kreisfreien Städten beantragt worden. Es konnten zudem inzwischen bereits 30 Einrichtungen gewonnen werden, die sich als Kooperationspartner mit attraktiven Dankesangeboten zur Verfügung gestellt haben. Das alles basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und den Mitmachzentralen. Da aber viele Einrichtungen momentan geschlossen und Angebote nicht verfügbar sind, ist die praktische Umsetzung gerade gebremst.

Sind denn schon Ehrenamtskarten ausgegeben worden?
Nein. Die Karte einfach nur in einem Brief zu verschicken, ist nicht die Idee dahinter. Diese Anerkennung soll ja auch nach außen sichtbar gemacht werden. Entsprechende Veranstaltungen sind jedoch unter den aktuellen Bedingungen leider nicht möglich. Ich freue mich aber schon darauf, wenn die ersten Karten überreicht werden und wir die vielfältigen tollen Engagements in unserem Land auch in dieser Weise angemessen würdigen können.

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