Fischerei MV : Magere Quote und Nachwuchssorgen: Durchwachsenes Jahr für Fischer

Ein Fischer fährt mit vollen Netzen mit Hering über den Greifswalder-Bodden. /Archiv
Ein Fischer fährt mit vollen Netzen mit Hering über den Greifswalder-Bodden. /Archiv

Der Heringsschleppnetzfischerei in der Ostsee ging das MSC-Siegel verloren. Die Quoten sinken seit Jahren. Doch die Dorschfänge machen Hoffnung.

nnn.de von
15. Dezember 2018, 15:11 Uhr

Die Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern bilanzieren für 2018 ein durchwachsenes Jahr. Die Quoten für Dorsch und Hering seien abgefischt worden, sagte die Vorsitzende des Landesverbands der Kutter- und Küstenfischer, Ilona Schreiber. Ende Oktober/Anfang November habe es sogar so viel Dorsch gegeben, dass beispielsweise für die Fischereigenossenschaft Wismarbucht eine zehnprozentige Überfischung beantragt worden sei.

Für den in diesem Zeitraum gefangenen Dorsch seien auf Auktionen in den Niederlanden gute Preise erzielt worden. Allerdings bewege sich die Fischerei weiter in einem äußerst schwierigen Umfeld mit seit Jahren anhaltenden Quotenkürzungen, sagte Schreiber.

Fischerei rentiert sich kaum noch

Die Heringsquote sank von 16 119 Tonnen im Jahr 2002 auf 2990 Tonnen für 2019. Die Dorschquote habe sich im selben Zeitraum von 3817 auf 1038 Tonnen reduziert, sagte Schreiber. Immer weniger Fischer könnten von der Fischerei leben. Hinzu komme ein akutes Nachwuchsproblem. Der Großteil der Fischer gehe in den nächsten Jahren in Rente. Nur 20 Prozent der 230 Haupterwerbs- und 132 Nebenerwerbsfischer seien jünger als 40 Jahre. „Wenn man den Beruf des Fischers nicht wieder lukrativer macht, wird es die Kutter- und Küstenfischerei in zehn Jahren nicht mehr geben.“ Das Land hatte den Fischern nach Verbandsangaben für 2018 rund 2,6 Millionen Euro an sogenannten Stilliegeprämien gezahlt, auch 2019 sollen Gelder in gleicher Größenordnung ausgezahlt werden.

Fehlende Förderung für Kleinunternehmer

Verbandschefin Schreiber kritisierte, dass nur ein Teil der Fischer davon profitiere. Kollegen mit Kuttern unter 8 Meter Länge - und damit mehr als die Hälfte des Berufsstandes - fielen aus der Förderung heraus.

Auch würden Fischer nicht gefördert, die nicht nachweisen könnten, dass sie mindestens 60 Prozent ihres Einkommens aus der Fischerei erzielten. Agrarminister Till Backhaus (SPD) habe die Fischer vor Jahren aufgefordert, sich ein zweites Standbein zu suchen, sagte Schreiber. „Diesen Fischern, die dem Backhaus-Ratschlag gefolgt seien, fällt die 60:40-Regelung nun auf die Füße.“ Die Heringsschleppnetzfischerei in der Ostsee verlor in diesem Jahr das MSC-Siegel für Nachhaltigkeit. Grund dafür sind die klimabedingten und wissenschaftlich nachgewiesenen Nachwuchsprobleme des Herings in der Ostsee.

Dennoch will das EuroBalticFischwerk auch im kommenden Jahr nicht zertifizierten Ostseehering annehmen, wie Firmenchef Uwe Richter ankündigte. Dies sei ein gutes Signal, sagte Schreiber.„Wir hoffen, dass sich die Bedingungen für die Zertifizierung bald wieder verbessern. Die Fischerei ist nicht die Ursache für den Rückgang des Heringsbestands in der Ostsee.“ Schreiber sieht für 2019 aber auch einen Lichtblick: Es deute sich an, dass die Preise für Dorsch und Hering steigen werden. „Fisch wird offenbar zunehmend als Qualitätsprodukt vom Markt wahrgenommen.“

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