Alt Rehse : Foltertod von Lebensgefährtin: Prozess beginnt

Ermittler der Polizei sichern 2016 Spuren nach dem Fund einer Leiche in Alt Rehse.

Ermittler der Polizei sichern 2016 Spuren nach dem Fund einer Leiche in Alt Rehse.

Ein bizarrer Fall erschütterte 2016 das Bundesland. Ein Mann fesselt seine Lebensgefährtin im Streit ans Bett. Sie wird ausgepeitscht und stirbt. Nun soll geklärt werden, ob der 53-Jährige überhaupt schuldfähig war.

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05. Februar 2019, 08:56 Uhr

Der Foltertod einer jungen Frau im Jahr 2016 in Alt Rehse (Mecklenburgische Seenplatte) beschäftigt ab heute wieder das Landgericht Neubrandenburg. Vor der 23. Strafkammer muss sich der Lebensgefährte des Opfers wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Es ist der dritte Prozess gegen den 53-Jährigen.

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Der Mann war im ersten Prozess 2017 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Verteidigung legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Es müsse geprüft werden, ob der Beschuldigte zur Tatzeit vermindert schuldfähig war, wie im ersten Prozess angenommen, oder ob er sogar ganz schuldunfähig war.

Der Informatikfachmann galt in dem Dorf als Sonderling und hatte die 32-Jährige aus Rheinland-Pfalz via Internet kennengelernt. Im ersten Prozess hatte er geschwiegen, aber Polizisten bereits erzählt, dass er das Opfer im Streit nackt an ein Bett gefesselt hatte. Dann habe er sie mit einer Peitsche misshandelt und ohne Essen und Trinken so lange liegengelassen, bis sie starb.

Leiche durch Zufall gefunden

Der Beschuldigte hatte damals als Motiv angeführt, dass die 32-Jährige „vom Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung“ auf ihn angesetzt war. Die Leiche war nur durch Zufall in dem Haus gefunden worden, weil Beamte zum wiederholten Male wegen einer Ruhestörung alarmiert worden waren. Sie fanden die Tote in der Ex-Gaststätte auf eine Sackkarre geschnallt und in Teppiche gewickelt. Die genaue Todesursache blieb wegen des stark verwesten Zustands der Leiche unklar.

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In seinem letzten Wort im ersten Prozess hatte der Beschuldigte bedauert, dass er der Frau keine medizinische Hilfe geholt hatte. Der 53-Jährige sitzt seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Ein zweiter Prozess war 2018 geplatzt, weil ein Richter erkrankt war und ein anderer Richter in Ruhestand ging. Geplant sind diesmal zunächst 28 Verhandlungstage bis Juni. Ob diese reichen, ist laut Gericht aber noch nicht klar.

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