Wirtschaft : Handwerk vermisst schlüssiges Konzept für ländlichen Raum

Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern
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Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern

„Der Letzte macht die Tür zu.“ Mit diesem Satz wird oft die Zukunft des ländlichen Raums beschrieben. Das wollen die Handwerker in MV nicht so hinnehmen und fordern mehr Engagement der Landesregierung.

nnn.de von
09. Februar 2019, 09:42 Uhr

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern hat ein schlüssiges Zukunftskonzept der Landesregierung für den ländlichen Raum in Mecklenburg-Vorpommern angemahnt.

Es wird zu wenig Energie in die Frage gesetzt, wie die ländlichen Räume künftig aussehen sollen. Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf
 

„Ein Staatssekretär für Vorpommern reicht nicht aus, wenn der das Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilt“, so der Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf. Ebenso wie die etablierten Mittelstands- oder Digitalisierungsbeiräte brauche das Land dringend einen „Beirat für den regionalen Raum“.

Geringe Wertschätzung führt zur Landflucht

Hopf kritisierte die seiner Ansicht nach zu geringe Wertschätzung des ländlichen Raums. Oft seien größere Städte die Orte der Großinvestitionen - während auf dem Land Ämter, Gerichte oder Schulen geschlossen würden. „Das ist das falsche Signal.“ Dies schlage sich letztlich in Landflucht nieder. In den betroffenen Kommunen funktioniere der „kurze Draht“ zwischen öffentlichen Einrichtungen, Bürgern und Betrieben dann nicht mehr. „Dabei sind es gerade die Handwerksfirmen, die im ländlichen Raum als Arbeitgeber und Ausbilder, Nahversorger im Friseur- oder Gesundheitshandwerk und Dienstleister wie im Kfz-Gewerbe aktiv sind.“ Sie seien es, die die regionalen Wirtschaftskreisläufe weiter intensivieren.

Handwerker in ihrer Heimat oft ehrenamtlich engagiert

Im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern gibt es rund 12 200 Betriebe und 65 000 Beschäftigte. „In zehn Jahren werden es vielleicht 1500 Betriebe weniger sein.“ Und es werde dort ausgedünnt, wo jetzt schon wenig gibt. Die Betriebe und deren Mitarbeiter seien in ihrer Heimat verhaftet, was nicht zuletzt am ausgeprägten ehrenamtlichen Engagement der Handwerker abzulesen sei. Er verwies auf das bundesweite Aktionsbündnis „Leben auf dem Land“, bei dem das Handwerk eine wichtige Rolle einnehme. „Man muss Überzeugungstäter sein, um dort zu bleiben.“

Zahl der Berufsschulen ausgedünnt

Essenziell seien im ländlich geprägten Nordosten medizinische Versorgung, Mobilität und die Bildung sowie deren Einrichtungen. In Umfragen werde deutlich, dass der Schwerpunkt für Menschen genau auf solchen Themen liege und weniger auf den Themen, die die Landesregierung auf der Agenda habe, sagte Hopf. Als ein Beispiel nannte er Prestigeobjekte wie den 100 Millionen Euro teuren Theaterbau in Rostock oder die kostenfreie Kita. Laut Sozialministerium fallen dafür 2019 und 2020 Kosten von knapp 100 Millionen Euro an. „Bei solchen Projekten wird Geld gebunden, das mit kreativen Ansätzen besser in den ländlichen Räumen eingesetzt werden kann.“ Dazu gehörten auch die Berufsschulen. Deren Angebot werde immer weiter ausgedünnt, mit der Folge, dass die jungen Leute abwanderten und dann als potenzielle Nachfolger nicht mehr zur Verfügung stünden.

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