Heldenserie : Baby-Alarm während des Waldbrands bei Lübtheen

Die Geburt seiner Kinder konnte Dennis Preuß nur kurz genießen. Zweimal rückte er von der Neugeborenenstation in Crivitz zum Einsatz aus. Zuletzt vor sieben Wochen zur Geburt von Sohn Jannis.
Die Geburt seiner Kinder konnte Dennis Preuß nur kurz genießen. Zweimal rückte er von der Neugeborenenstation in Crivitz zum Einsatz aus. Zuletzt vor sieben Wochen zur Geburt von Sohn Jannis.

Dennis Preuß legte bei den Löscharbeiten eine kurze Pause ein – er wurde zum zweiten Mal Vater

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19. August 2019, 20:00 Uhr

Es ist schon fast eine Familientradition: Wenn Dennis Preuß Vater wird, schlägt der Pieper an seinem Gürtel Alarm. So rückte der Feuerwehrmann erst vor vier Jahren, nach der Geburt von Sohn Robin, direkt von der Crivitzer Neugeborenenstation zum Einsatz aus.

 

„In Gedanken war ich viel bei meiner Familie“

Anfang Juli ließ er dann auch seinen acht Stunden alten Jannis zurück, um mit Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus der Crivitzer Region das Großfeuer bei Lübtheen zu bekämpfen – nicht, ohne zuvor seine Frau um Erlaubnis zu fragen. „Ich wusste, dass Dennis unbedingt mitfahren wollte“, sagt Sophia Preuß. „Am Krankenhausbett hätte er ja auch wenig machen können. Da sollte er lieber anderen Menschen helfen“, so die 28-jährige Mutter, die ebenfalls Mitglied der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr ist. Und so betankte der frischgebackene Vater nur wenige Stunden nach der Geburt seines zweiten Sohnes mit seine Kameraden Löschpanzer und Helikopterbecken mit Wasser bei Trebs. „In Gedanken war ich viel bei meiner Familie“, sagt der stellvertretende Wehrführer. Nach drei Tagen wurde der Crivitzer Zug von anderen Wehren aus MV abgelöst, und die junge Familie konnte sich in ihr Haus in Prestin zurückziehen.

Den Einsatz bei Lübtheen vergisst der 28-Jährige trotzdem nicht so schnell. Am Sonntag vor der Geburt seines zweiten Sohnes rief Landrat Stefan Sternberg (SPD) den Katastrophenfall aus, gegen 19 Uhr folgte die erste Alarmierung. Zusammen mit anderen Wehren halfen sie bei der Evakuierung der Ortschaft Jessenitz-Werk. Weitere Hilfskräfte musste hinzugerufen werden, um die meist älteren Bewohner vor dem Feuer zu retten.

Nächste Generation steht in den Startlöchern

Später sicherten Preuß und seine Kameraden dann eine Fabrik, in der Deodorant hergestellt wird. „Auf dem Gelände wurden Gas und reiner Alkohol gelagert“, sagt Preuß. Alles hochentzündliche Materialien, die eine Katastrophe hätten auslösen können. Als das Feuer näher kam, bauten die Feuerwehrmänner eine sogenannte Wasserwand auf.

Preuß, der als Berufskraftfahrer viel unterwegs ist, wollte schon im Alter von vier Jahren zur Feuerwehr. Seine erste Uniform zog er sich zwei Jahre später bei der Kinderfeuerwehr über, es folgten die Jugendfeuerwehr und schließlich der aktive Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr. „Hilfe gebührt dem, der Hilfe braucht“, erklärt der Familienvater seine Motivation, notfalls auch von der Neugeborenenstation aus in den Einsatz zu fahren. Sohn Robin, der nun auch langsam in das Alter kommt, spricht ebenfalls nur davon, Feuerwehrmann zu werden. So wie sein Vater und dessen Vater, mit einem Unterschied: „Ich will dafür Geld bekommen“, sagt Robin, der schon heute weiß, dass er zur Berufsfeuerwehr möchte. Vater Dennis freut es: Die nächste Generation Preuß bei der Wehr – eine Tradition geht weiter.

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