Landgericht Neubrandenburg : Mordprozess um Leonie: Mutter wird ohne Öffentlichkeit angehört

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Das Gericht bewertete die Interessen der Mutter am Montag als schwerwiegender. Vorausgegangen war ein Antrag von deren Anwalt.

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21. Oktober 2019, 10:37 Uhr

Im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) ist die Mutter hinter verschlossenen Türen befragt worden. Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Neubrandenburg schloss für die Zeugenvernehmung am Montag die Öffentlichkeit aus. Die schutzwürdigen Interessen der Frau und ihrer Kinder wögen schwerer, als das Interesse der Öffentlichkeit, sagte Richter Jochen Unterlöhner zur Begründung. Anwalt Axel Vogt, der die 25-jährige Mutter vor Gericht vertritt, hatte den Antrag gestellt.

Versuch, Misshandlungen zu verdecken?

Dem 28-jährigen Stiefvater Leonies wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll Leonie mehrfach so misshandelt haben, dass sie am 12. Januar an den Verletzungen starb. Um die Taten zu verdecken, habe der Angeklagte erst viel später Rettungskräfte informiert, hieß es in der Anklage.

Anwalt Vogt gab an, dass der Angeklagte während der Partnerschaft auch die Mutter von Leonie misshandelt und nach seiner Festnahme die Frau bedroht haben soll. Die eingeschüchterte Frau hat noch einen kleinen Jungen sowie mit dem Angeklagten auch ein Baby. Mit dem Kleinkind wurde sie nach dem Vorfall vom Jugendamt untergebracht.

Genaue Umstände noch zu klären

„Nach dem Tod von Leonie ist meine Mandantin über die sozialen Netzwerke von Anderen auch bedroht worden“, sagte der Anwalt. Außerdem habe ein Psychiater erklärt, dass der Zeugin „eine weitere psychische Schädigung“ drohe, wenn sie vor Besuchern im Saal aussagen müsste.

Die Schwurgerichtskammer will mit Hilfe der Mutter die genauen Umstände von Leonies Tod aufklären. Der Angeklagte hat im Prozess bisher geschwiegen. Bei Vernehmungen hatte er aber angegeben, dass Leonie am Nachmittag des 12. Januar mit einem Puppenwagen eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und an den Folgen gestorben sei. Das bezweifeln Ermittler. So waren im Treppenhaus keine Sturzspuren sichtbar und die Rettungskräfte erst viereinhalb Stunden nach dem angeblichen Sturz gerufen worden.

Urteil frühestens Ende November

Gegen die Mutter wird in dem Fall auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, weil auch sie nicht rechtzeitig Hilfe geholt hatte. Sie soll am Donnerstag erneut vom Gericht angehört werden, auch dann hinter verschlossenen Türen.

Am Montagnachmittag wollte die Kammer noch zwei Polizisten als Zeugen hören, die in dem Fall ermittelt haben. Am Dienstag sollen unter anderem ein Rettungssanitäter und eine Notfallseelsorgerin vor Gericht aussagen. Mit einem Urteil wird frühestens Ende November gerechnet.

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