Lohnunterschiede Ost-West : Raus aus dem Lohnkeller - Gewerkschaften machen klare Ansage

Die Löhne in MV sind immer wieder Anlass für Streiks in MV.

Die Löhne in MV sind immer wieder Anlass für Streiks in MV.

Jüngste Erhebungen führen die Lohnunterschiede zwischen Ost und West erneut deutlich vor Augen. Für die Gewerkschaften ist klar: Wollen die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern dem Fachkräftemangel wirksam begegnen, sind kräftige Lohnsteigerungen unumgänglich.

nnn.de von
09. Februar 2019, 09:57 Uhr

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern ermahnt, im eigenen Interesse den Widerstand gegen Tarifverträge aufzugeben und als Grund den zunehmenden Fachkräftemangel genannt.

Die Arbeitgeber sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen. Uwe Polkaehn, Vorsitzende des DGB Nord
 

Gute Leute würden nur in gute Betriebe mit guter Arbeit und guten Löhnen gehen. „Ich verstehe überhaupt nicht, dass die Unternehmensverbände nicht längst in eine Kampagne für Tarifbindung eingestiegen sind. Nur so wird man qualifiziertes Personal in Mecklenburg-Vorpommern halten und zurückholen können“, betonte Uwe Polkaehn, Vorsitzende des DGB Nord.

Arbeitnehmer in MV erhalten im Bundesvergleich geringe Löhne

Er reagierte damit auf zunehmende Klagen der Wirtschaft über fehlende Fachkräfte und jüngste Studien, die erneut den eklatanten Ost-West-Lohnunterschied deutlich machten und kein Ende der Pendlerströme erkennen ließen. Dem vom Internetportal „Gehalt.de“ auf Basis von knapp 500.000 Vergütungsdaten aufgestellten Gehaltsatlas 2019 zufolge hängt Mecklenburg-Vorpommern weiterhin im bundesdeutschen Lohnkeller fest.

Ein Arbeitnehmer im Nordosten kommt demnach im Durchschnitt auf einen jährlichen Bruttoverdienst von 34 155 Euro. Das liegt 24 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt von etwa 45 000 Euro und 33 Prozent unter dem Spitzenverdienst, den Beschäftigte mit 51 345 Euro in Hessen erzielen. Berechnungen des Statistischen Amtes in Schwerin zufolge hinkten die Bruttolöhne in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2017 mit damals 27 520 Euro knapp 20 Prozent hinter dem Bundesdurchschnitt her.

Zahl der Pendler gen Westen nimmt zu

Jüngste Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigten zudem, dass die Zahl der Pendler aus Mecklenburg-Vorpommern weiter zugenommen hat.

Demnach gingen im vergangenen Jahr 75 600 Arbeitnehmer einer Beschäftigung in anderen Bundesländern nach. Das seien 500 mehr gewesen als im Jahr zuvor, berichtete der NDR unter Berufung auf die Statistik der Arbeitsagentur.

Für Polkaehn kommt diese Entwicklung nicht überraschend. In den benachbarten Bundesländern habe eine höhere Tarifbindung der Unternehmen auch höhere Löhne zur Folge. In Mecklenburg-Vorpommern gelte nur in 23 Prozent der Betriebe ein Tarifvertrag. „Das bedeutet: Es ist nur eine Minderheit der Beschäftigten, die durch einen Tarifvertrag geschützt wird“, konstatierte Polkaehn.

Ziel der Gewerkschaften: Mehr Tarifbindung in MV

Deshalb wollten die Gewerkschaften auch im „Zukunftsbündnis MV“, das am 4. März erstmals in Schwerin zusammenkomme, mit den Sozialpartnern und der Landesregierung über Projekte verhandeln, die das Land nach vorn bringen. „Wir als Gewerkschaften setzen uns natürlich dafür ein, die Tarifbindung im Land zu erhöhen“, machte Polkaehn deutlich.

Hilfreich sei, dass die Landesregierung 2018 ihre Wirtschaftsförderung an eine tarifgleiche Entlohnung gekoppelt habe.

Für die anstehenden Tarifverhandlungen in zahlreichen Branchen sieht Polkaehn gute Möglichkeiten für eine deutliche Ost-West-Angleichung. „Die Wirtschaftsdaten und Wertschöpfungsraten geben es allemal her, dass auch im Osten die Arbeitnehmereinkommen deutlicher wachsen als bisher“, betonte er. „Die Beschäftigten wollen einen größeren Schluck aus der Pulle, und das völlig zurecht.“

Gute Arbeit mit guter Entlohnung

Unterstützung bekommt der DGB von der Linksfraktion im Landtag. Ihr Arbeitsmarktexperte Henning Foerster hält spürbare Lohnsteigerungen ebenfalls für die entscheidende Stellschraube, um Fachkräfte für die Firmen im Land zu gewinnen. „Ohne ein Umdenken der Wirtschaft und ohne eine aktive Landes- und Bundesregierung, die Beschäftigte vor Lohndumping schützt, wird es in absehbarer Zeit keine Angleichung der Löhne in der Privatwirtschaft geben“, zeigte sich Foerster sicher.

Unverbindliche Erklärungen im neuen „Zukunftsbündnis MV“ würden nichts nützen. „Die Unternehmerverbände müssen endlich Nägel mit Köpfen machen und mit ihren Verbänden klare Positionen im Sinne guter Arbeit und guter Entlohnung beziehen“, forderte er.

>> Hier finden Sie den Gehaltsatlas (pdf)
>> Hier finden Sie die Lohntabelle des Statistikamtes

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