Vorlesen und einkaufen : Nachbarschaftshilfe in MV für acht Euro die Stunde

In MV sind besonders viele Menschen pflegebedürftig. Damit sie möglichst lange zu Hause leben können und die ambulanten Pflegedienste entlastet werden, können künftig ehrenamtlich helfende Nachbarn Geld bekommen.

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13. Juni 2019, 08:21 Uhr

Im Spätsommer soll es in Mecklenburg-Vorpommern so weit sein: Ehrenamtliche Hilfe für den gebrechlichen Nachbarn wird von der Pflegekasse bezahlt. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) hat bereits eine Verordnung durchs Kabinett gebracht, wie ein Sprecher sagte. Aktuell würden dazu die Verbände angehört, danach finde die Auswertung statt. "Wir gehen davon aus, dass die überarbeitete Betreuungsangebotelandesverordnung mit der Einführung der Nachbarschaftshelfer im Spätsommer in Kraft treten kann", sagte Ministeriumssprecher Alexander Kujat.

Voraussetzung ist eine Pflegestufe

Geplant ist Folgendes: Wer seinem pflegebedürftigen Nachbarn ehrenamtlich Hilfe im Alltag leistet, kann dafür acht Euro pro Stunde bekommen. Voraussetzung ist, dass dieser eine Pflegestufe hat. Bis zu 25 Stunden pro Monat können demnach abgerechnet werden. Damit soll gewährleistet werden, dass die sogenannte steuerfreie Übungsleiterpauschale in Höhe von 2400 Euro jährlich in diesem Rahmen nicht überschritten wird.

Was können die Nachbarschaftshelfer leisten? Es geht zum Beispiel um Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen oder bei der Begleitung zu Arzt- oder Behördenbesuchen. Auch Spazierengehen, Unterstützung beim Hobby oder Vorlesen gehören laut Verordnung dazu. "Das sind ganz einfache, aber effektive Hilfen", sagte Ministerin Drese. Funktionieren soll das nach ihren Worten unbürokratisch und unkompliziert.

Ein paar Hürden gibt es aber doch

So müssen die Helfer einen achtstündigen, von den Pflegekassen anerkannten Grundkurs absolvieren und sich als Nachbarschaftshelfer registrieren lassen. Ein Qualifizierungskurs muss alle drei Jahre absolviert werden, so das Ministerium. Das Geld für die Nachbarschaftshelfer kommt von den Pflegekassen über den sogenannten Entlastungsbeitrag. Er liegt bei monatlich 125 Euro und steht jedem Pflegebedürftigen zu, der zu Hause lebt.

Ende 2017 gab es dem Ministerium zufolge in Mecklenburg-Vorpommern rund 91 000 pflegebedürftige Menschen. Dies seien rund 12 000 mehr gewesen als noch zwei Jahre zuvor, hieß es. Der Anteil pflegebedürftiger Menschen betrage nunmehr 5,6 Prozent der Gesamtbevölkerung, was ein Spitzenwert in der Bundesrepublik sei. Die Tendenz sei weiter steigend.

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