Tourismuszentrum geplant : Pasewalk kann Lokschuppen mit „Honecker-Zug“ sanieren

Auf der Drehscheibe des Eisenbahnerlebniszentrums 'Lokschuppen' Pasewalk stehen ein Akkuschleppfahrzeug (Baujahr 1971) und Dampftriebwagen DT15 'Stettin' (Baujahr 1931).

Auf der Drehscheibe des Eisenbahnerlebniszentrums "Lokschuppen" Pasewalk stehen ein Akkuschleppfahrzeug (Baujahr 1971) und Dampftriebwagen DT15 "Stettin" (Baujahr 1931).

Der Süden Vorpommerns hat eine lange Bahntradition. Ein Konzept sieht nun die millionenschwere Sanierung des Lokschuppen in Pasewalk als Tourismuszentrum vor. Es sollen auch mehr Gäste für „Honeckers-Regierungszug“ gewonnen werden.

nnn.de von
07. Dezember 2018, 12:32 Uhr

Die Stadt Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) kann das denkmalgeschützte Lokschuppen-Gelände sanieren und zu einem modernen Eisenbahn-Erlebniszentrum entwickeln. Die Stadtvertreter haben ein entsprechendes Nutzungskonzept dafür am Donnerstagabend mehrheitlich genehmigt, wie eine Stadtsprecherin am Freitag sagte.

Geplant ist, das 1896 erbaute Industrie-Denkmal am Radweg Berlin-Usedom mit dem Eigentümer zu einem überregionalen Besucherzentrum mit Konzertstätte und Übernachtungsmöglichkeiten auszubauen. „Ich bin froh, dass das Konzept nun umgesetzt werden kann“, sagte Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (parteilos).

Übernachtung im Ex-Regierungszug

Der Lokschuppen liegt unweit des Flusses Uecker. Aushängeschild ist neben der historischen halbrunden Schuppenanlage samt antiker Eisenbahntechnik ein DDR-Regierungszug, in dem übernachtet werden kann. Eine Studie hat für das rund 3,5 Hektar große Gelände einen Sanierungsbedarf von sechs Millionen Euro für den Lokschuppen einschließlich „Drehscheibe“, auf der Lokomotiven auf die Reparaturgleise dirigiert wurden, berechnet. Rund 1,5 Millionen Euro soll eine Modernisierung der Außenanlagen kosten.„Wir brauchen unter anderem eine passende Kläranlage und Heizmöglichkeiten“, sagte Nachtweih.

Zusammen mit dem Eigentümer, einem Unternehmer aus der Eisenbahnbranche aus Berlin, solle eine Kooperationsvereinbarung geschlossen werden. Details dazu würden am 14. Dezember in Pasewalk vorgestellt. Der Stadt hatte das Geld gefehlt, den Lokschuppen selbst zu kaufen. „Pasewalk braucht eine Attraktion, die überregional ausstrahlt“, erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der das bisherige Erlebniszentrum bereits besuchte, zu den Plänen. Das Ministerium habe auch weitere Unterstützung avisiert, wie Nachtweih erklärte. So eine Mischung wie hier sei selten auf alten Lokschuppenanlagen zu finden, hat die Bürgermeisterin herausgefunden. So gebe es in Bielefeld eine Bahnanlage, auf der nur Veranstaltungen stattfinden. In Rostock wurden schon Wohnungen in alte Lokschuppen hineingebaut.

Mehr Festspiel-Auftritte geplant

In Pasewalk waren schon Klassik-Festspiele Mecklenburg-Vorpommern im Lokschuppen zu Gast, unter anderem kam mehrfach Götz Alsmann mit Band. Auch 2019 wird es mit dem David Orlowsky Trio wieder einen Festspiel-Auftritt geben. Das soll ausgebaut werden.

Pasewalk war bis 1945 ein wichtiger Schienenverkehr-Knotenpunkt zwischen Berlin, Stralsund, Lübeck und Stettin, der damaligen Hauptstadt Pommerns. Vor mehr als 100 Jahren kam der damalige Kaiser nach Pasewalk, um bei der Einweihung eines Wasserturms für Dampfloks dabei zu sein. Bis 1990 arbeiteten noch Hunderte Menschen bei der Deutschen Reichsbahn, die ein Hauptarbeitgeber war. Seit 1997 hat sich die Bahn zurückgezogen. Seither bewirtschaftete ein Verein das Gelände, das bisher etwa auf 10.000 Gäste im Jahr kam.  

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