Schallali schallala : Schlagersänger Jürgen Walter wird 75

Das undatierte Foto des neuen CD-Cover zeigt den Schlagersänger Jürgen Walter.

Das undatierte Foto des neuen CD-Cover zeigt den Schlagersänger Jürgen Walter.

Hits von Jürgen Walter waren zu DDR-Zeiten Ohrwürmer. Heute sind die Songs besinnlich und nachdenklich. Die Stimme ist aber wie eh und je. Dafür trainiert er.

nnn.de von
07. Dezember 2018, 05:00 Uhr

„Schallali schallala“: Fans müssen den Schlagersänger Jürgen Walter nicht zweimal bitten, seinen einige Jahrzehnte alten Hit aus DDR-Zeiten zu singen. „Warum nicht?“, sagt der Schlagersänger und Chansonnier, der seit fast 50 Jahren im Geschäft ist. „Alles, was man gern macht, ist Lust und keine Last.“ Walter wird am 7. Dezember 75 Jahre alt.

Die Zahl lacht er laut weg. „Ich habe alles erreicht. Und wenn ich etwas verpasst habe, habe ich es nicht bemerkt“, sagt er wieder lachend und streicht sich durch das immer noch volle, mittlerweile weiße Haar. „Ich wollte nur eines im Leben: 14 Jahre alt sein. Ab dann durfte ich im Kino auch Erwachsenenfilme sehen“, erzählt er.

Zu DDR-Zeiten veröffentlichte der Sänger, der mehrmals in Ein-Mann-Shows den Berliner Palast der Republik füllte, vier Alben und diverse Singles. Von seiner ersten LP 1978 wurden 250 000 Exemplare verkauft.

Aufttritte auch im sozialistischen Ausland

„Ein Riesenerfolg, die Leute standen im Plattenladen an wie sonst, wenn es eine begrenzte Anzahl von Udo-Jürgens-Schallplatten gab“, schrieb der DDR-Schlagerkomponist Arndt Bause (1936-2003) in seiner Biografie. Er komponierte unter anderem „Schallali schallala“. Der Text kam von der Autorin Gisela Steineckert, mit der Walter auch heute noch zusammenarbeitet. „Endlich hatten wir einen Interpreten, der Ansprüche an uns stellte und sie auf der Bühne umsetzen konnte“, sagte Bause. Es habe auch mal wieder „gute Kritiken für intelligente Texte mit etwas anspruchsvollerer Musik“ gegeben.

Walter, der im Berliner Umland lebt, errang Preise, moderierte Sendungen im DDR-Fernsehen oder war im sozialistischen Ausland auf Tourneen unterwegs. Für sein „Clown sein“ trainierte der Musiker, der heute immer noch sehr sportlich wirkt, zwei Jahre an der Fachschule für Artistik Berlin Trapez und Seiltanz.

Nach der Wende hatte er es wie viele zu DDR-Zeiten beliebte und gefragte Sänger schwer, eine Plattenfirma zu finden. „Im Westen kannte man mich nicht“, erzählt er ohne Groll. Walter gründete 1992 sein eigenes Label. Acht CDs sind bereits erschienen.

Gerade arbeitet er an einem neuen Album, das im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll. Im Autoradio hat er eine Probe-CD mit ersten Titeln eingelegt. Beim Fahren stimmt er sich auf die Melodien ein und singt enthusiastisch einen Fantasietext. Der richtige fehlt noch. Eine Ahnung von dem neuen Song ist aber schon möglich. „Ich erzähle dem Publikum Geschichten, habe Texte, die nicht lügen“, sagt er. „Schlechte Texte kamen für mich nie in Frage“, sagte Walter.

Mitbegründer des DDR-FDJ-Singeklubs „Oktoberklub“

Nach wie vor singt er bei seinen Auftritten immer noch live. Dafür muss seine Stimme fit bleiben. „Das bedeutet: üben, üben, üben.“ Das sei für ihn wie das tägliche Zähneputzen. „Alles, was man nicht trainiert, verkümmert – Körper, Geist und auch die Stimme“.

Walter, geboren in Thüringen, liebte schon als Kind das Singen. Er lernte später den Beruf des Landwirtschaftskaufmanns, um dann an der Berliner Humboldt-Universität Germanistik und Romanistik studieren zu können. Er war Mitbegründer des DDR-FDJ-Singeklub „Oktoberklub“ und sang dort. 1969 absolvierte Walter die Prüfung zum Unterhaltungskünstler mit Berufsausweis.

„Ich wollte immer etwas mit Kunst oder mit Sprachen machen“, sagt er. Ihn fasziniert vor allem französische Sprache, Literatur und Kunst. Einige seiner Songs singt er auch auf Französisch.

Walter, der ohne Probleme das Publikum in seinen Bann ziehen kann, will keine musikalischen Vorbilder nennen. „Ich will und wollte nie sein wie ein anderer. Ich bin ich selbst.“

Bei einem seiner ersten Auftritte am Anfang seiner Karriere brachte er sich mit zwei doppelten Weinbrand noch in Stimmung und fegte seine Angst weg. „Das brauche ich schon lange nicht mehr.“ Immerhin steht er seit 50 Jahren auf der Bühne.

An seinem Geburtstag tritt Walter auf der Weihnachtsfeier eines Selbsthilfevereins in Demmin auf. „Das ist mein Beruf“, betont er. Er sei nicht im Ruhestand. „Ich mache das weiter, was ich das ganze Leben lang gemacht habe.“ Er singe und stehe auf der Bühne.

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