Prozess in Neubrandenburg : Anklage gegen Mutter im Mordfall Leonie?

Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, in dem Leonie mit ihrer Familie wohnte.
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, in dem Leonie mit ihrer Familie wohnte.

Nach dem Urteil gegen den Stiefvater müsse nochmal genau geprüft werden, welche Rolle die 25-Jährige gespielt hat, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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13. Februar 2020, 11:10 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg will frühestens Anfang März entscheiden, ob Anklage gegen die Mutter der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern erhoben wird. Nach dem Urteil im Mordprozess gegen den Stiefvater müsse nochmals genau geprüft werden, welche Rolle die 25-Jährige in dem Haushalt gespielt hat, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Neubrandenburg.

Bisher wird wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen gegen die Mutter ermittelt. Sie soll trotz vieler Verletzungen bei Leonie, die am 12. Januar 2019 in der Wohnung der Familie starb, nicht rechtzeitig Hilfe geholt oder den Stiefvater verlassen haben.

Verteidiger haben Revision eingelegt

Die Strafverfolgungsbehörde müsse entscheiden, ob ein öffentlicher Prozess nötig ist, ob ein Strafbefehl gegen die Frau in Frage kommt oder ob die Ermittlungen ganz eingestellt werden, sagte der Sprecher. Zudem liege die Urteilsbegründung des Landgerichtes Neubrandenburg noch nicht vor.

Die Schwurgerichtskammer hatte den Stiefvater Anfang Januar wegen Mordes durch Unterlassen, Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Verteidiger haben Revision eingelegt.

Einem Martyrium ausgesetzt gewesen

Leonie und ihr kleiner Bruder, Stiefkinder des Mannes, waren laut Gericht über drei Monate einem Martyrium des Stiefvaters ausgesetzt gewesen. Leonie war dann „Opfer einer Bestrafungsaktion des Stiefvaters geworden“, der auch verhinderte, dass rechtzeitig medizinische Hilfe geholt wurde. Wegen der langen Verhandlungsdauer im Prozess gegen den Stiefvater hat das Landgericht rund zehn Wochen Zeit für die Begründung des Urteils.

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