Gewerkschaft Verdi : Warnstreik um 10 Uhr beendet: Schülerverkehr in großen Teilen Mecklenburgs lahmgelegt

Die Gewerkschaft Verdi hat landesweit rund 1500 Mitarbeiter von Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen, um den Druck vor der zweiten Runde der Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband MV zu erhöhen.
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Die Gewerkschaft Verdi hat landesweit rund 1500 Mitarbeiter von Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen, um den Druck vor der zweiten Runde der Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband MV zu erhöhen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Busfahrer zu einem etwa sechsstündigen Warnstreik aufgerufen und legte den öffentlichen Bus-Nahverkehr lahm.

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15. Januar 2020, 14:26 Uhr

Kein Verkehr an Bus- und Straßenbahnhaltestellen: In West- und Nordwestmecklenburg sowie anderen Landesteilen in MV fiel der Schülerverkehr Donnerstagvormittag nahezu aus.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Busfahrer zu einem etwa sechsstündigen Warnstreik aufgerufen und legt den öffentlichen Bus-Nahverkehr lahm – nichts ging mehr in den öffentlichen Busdepots von Schichtbeginn bis 10 Uhr. Einen Tag vor der nächsten Tarifrunde am Freitag will Verdi damit den Druck erhöhen und höhere Löhne durchsetzen.

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Betroffen waren nach Verdi-Angaben alle kommunalen Unternehmen wie die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Nahbus Nordwestmecklenburg, aber auch Rebus Regionalbus Rostock und die Rostocker Straßenbahn AG. Der Linienverkehr, zu 80 Prozent im Schülerverkehr, falle am Vormittag komplett aus, sagte VLP-Vize Christian Stopsack.

Der Verkehr steht

„Die Verkehre stehen“, sagte Landesstreikleiter Karl-Heinz Pliete am Morgen. Gelegentlich waren Busse unterwegs. „Wir haben zugelassen, dass Behinderte zu ihren Werkstätten kommen.“ Seines Wissens haben sich die Fahrgäste gut auf den Warnstreik eingerichtet. An den Haltestellen von Bussen und Bahnen etwa in Rostock sei es sehr ruhig zugegangen. Positiv seien auch die Reaktionen mancher Autofahrer, die hupend und winkend an den Treffpunkten von Streikenden vorbeifahren, betonte Pliete.

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Eine Sprecherin der Rostocker Straßenbahn AG berichtete, dass sich die Reaktionen der Kunden die Waage hielten. Teilweise gebe es Verständnis für die Streikenden, manche seien aber auch verärgert über die streikbedingten Unannehmlichkeiten. Bei der Polizei liefen zunächst keine Verkehrsprobleme auf, die mit dem Streik in Verbindung gebracht werden.

Straßenbahnen stehen auf dem Hof der Rostocker Straßenbahn AG. /dpa/Archiv
Bernd Wüstneck
Straßenbahnen stehen auf dem Hof der Rostocker Straßenbahn AG. /dpa/Archiv
 

Schülerverkehr betroffen

Auch der Stadtverkehr Wismar war beeinträchtigt, teilte Nahbus mit. Besonders betroffen sei der Schülerverkehr. Eltern mussten nach anderen Möglichkeiten suchen, die Kinder zur Schule zu bringen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass zur Rückfahrt am Nachmittag der Schülerverkehr wieder rollen werde. Allerdings müssten Fahrgäste auch nach Streikende mit Beeinträchtigungen rechnen, erwartete Rebus.

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Keine Schulstrafen wegen Verspätung

Wer am Donnerstag wegen des Warnstreiks des kommunalen Nahverkehr die Schule nicht rechtzeitig erreicht, braucht keinen Eintrag auf die Fehlliste fürchten. Schüler, die wegen zu großer Entfernungen auf Busse oder Straßenbahnen angewiesen seien, um in die Schule zu gelangen, seien entschuldigt, wenn keine Busse oder Straßenbahnen fahren, teilte das Bildungsministerium in Schwerin gestern mit. Der Unterricht in den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern finde jedoch statt. Ratsam sei es, die Schule im Vorfeld zu benachrichtigen, wenn bei Warnstreiks Schwierigkeiten hätten, rechtzeitig oder überhaupt zur Schule zu gelangen.

Verdi-Streikleiter Christian Manke warb bei betroffenen Eltern um Verständnis und forderte sie auf, sich auf den ausfallenden Schülerverkehr vorzubereiten. Der Warnstreik sei für die Beschäftigten im Nahverkehr die einzige Möglichkeit, ihrer Forderung nach höheren Stundenlöhnen und einer Angleichung an die in Schleswig-Holstein gezahlten Tarife Nachdruck zu verleihen. Es bleibe nur der Gang auf die Straße, um die Arbeitgeber zu einem Angebot, dass sich an den Verdi-Forderungen orientiere, zu bewegen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete.

Angleichung an Schleswig-Holstein

Verdi fordert für Angestellte im kommunalen Nahverkehr eine Erhöhung des Stundenlohnes um 2,06 Euro auf dann etwa 15,50 Euro für Berufseinsteiger ab dem  1. Januar 2020 und eine Angleichung der Löhne in MV um 100 Euro an das Niveau in Schleswig-Holstein. Dort würden derzeit 250 Euro mehr bezahlt, sagte Manke. Die Fahrer stünden vor immer höheren Belastungen durch mehr Fahrten.

Warnstreik in Hagenow: Auch die Verdi-Mitglieder am Hauptsitz der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim waren gestern seit den frühen Morgenstunden im Arbeitskampf. Sie fordern eine Angleichung an die allgemeine Einkommensentwicklung.
Hirschmann

Warnstreik in Hagenow: Auch die Verdi-Mitglieder am Hauptsitz der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim waren seit den frühen Morgenstunden im Arbeitskampf. Sie fordern eine Angleichung an die allgemeine Einkommensentwicklung.

 

Das müsse honoriert werden, forderte der Streikleiter. Berufseinsteiger erhalten derzeit etwa 2340, Beschäftigte in höheren Lohngruppen 2675 Euro im Monat. Bisher hätten die Arbeitgeber lediglich eine Einmalzahlung nur für dieses Jahr von 700 Euro angeboten, die in vier Raten gezahlt werden soll. Damit gebe es keine dauerhafte Lohnsteigerung. Eine Provokation, bewertete Manke das Angebot.

Bei den Arbeitgebern stößt der angekündigte Warnstreik auf Kritik: Die Arbeitsniederlegungen würden zuallererst die Fahrgäste belasten und dem öffentlichen Nahverkehr schaden, erklärte die Verhandlungsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Mecklenburg Vorpommern (KAV), Gabriele Axmann.  Angaben der Arbeitgebern zufolge würden die Tarifforderungen der Beschäftigten die Gesamtpersonalkosten um 15 Prozent erhöhen. Das sei für die Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar und hätte u. a. Fahrpreiserhöhungen zur Folge, sagte Axmann.

Der Streik trifft vor allem Fahrgäste auf dem Land

Bei privaten Verkehrsgesellschaften sowie bei der Verkehrgesellschaft Vorpommern-Greifswald rolle der Verkehr hingegen weiter, teilte Verdi mit. Auch beim Nahverkehr Schwerin fahren Busse und Bahnen. Dort sei ein Haustarif abgeschlossen worden, durch den  bereits deutlich höhere Löhne als in den ländlichen Regionen gezahlt werden, erklärte Verdi-Streikleiter Manke.

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