Warnstreik bei Postdienst DPD Crivitz : Keine Pakete für die Region

Die Frühschicht beim DPD Crivitz streikt. Auswirkungen von Malchow bis Wismar sowie Schwerin bis Wittenberge und Neuhaus

nnn.de von
21. Februar 2019, 06:31 Uhr

Crivitz 6.15 Uhr: Die Stimmung ist gedämpft an diesem Donnerstagmorgen vor dem Werkstor des DPD in Crivitz. – und das liegt nicht nur am Wetter. Seit 5.30 Uhr streiken hier 50 Beschäftigte und werden im Wortsinne im Regen stehen gelassen. „Wir verlangen 100 Prozent des Hamburger Tarifes. Das ist das große Ziel“, erklärt verdi-Gewerkschaftsmitglied Carsten Wagner. „Das ist nicht zu verstehen, warum wir Pakete bis nach Neuhaus fahren und die Kollegen aus Hamburg nur 60 Kilometer weiter 400 bis 500 Euro mehr verdienen - im Monat“, ergänzt Kollege Fred Butzmann.

Tarifanpassung gefordert

„Aber wir haben ja noch gar nicht über Geld gesprochen, das hat der Arbeitgeber bisher abgeblockt.“ Gesprochen wurde darüber, dass die noch auszuhandelnden Tarifanpassungen rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 gelten sollen. Damit will die Gewerkschaft verdi verhindern, dass der Arbeitgeber auf Zeit spielt. Das tat der bereits, indem er zwei Mal eine Erklärungsfrist verlängerte, um dann mitzuteilen, dass für das rückwirkende Inkrafttreten keine Möglichkeit bestehe. Die neuen Tarfiverträge sollen erst ab dem 1. Januar 2020 gelten.

„Hier in Crivitz arbeiten 40  Beschäftigte auf 450 Euro-Basis, die in der Frühschicht von 5.50 Uhr bis 8.30 Uhr normalerweise die ankommenden Pakete aus ganz Deutschland auf die Transporter für die Regionen verteilen. Von Malchow bis Wismar und Schwerin bis Wittenberge und Neuhaus an der Elbe“, erklärt Fred Butzmann, der auch Betriebsratsvorsitzender ist. Außerdem arbeiten zehn Vollbeschäftigte im kaufmännischen Bereich im DPD-Logistikzentrum Crivitz. Für alle würde die Anpassung an den Hamburger Tarif etwa 1,50 Euro pro Stunde mehr bedeuten. „Das hat sicher eine Strahlkraft für alle Beschäftigten der ostdeutschen Länder, nicht nur bei DPD. Das will der Arbeitgeber natürlich nicht“, sagt Carsten Wagner.

Ausweitung des Streiks angedroht

8.00 Uhr: „Wir haben gerade gehört, dass 15 Beschäftigte von Hamburg hierher auf dem Weg sein sollen, um die liegen gebliebenen Pakete aufzuarbeiten“, berichtet Silvia Reichert, Gewerkschaftssekretärin für Logistik und Paketdienste bei verdi in Mecklenburg-Vorpommern. „Das finden wir natürlich nicht so witzig. Wenn die so mit uns umgehen, werden wir die Streiks auf andere Bereiche ausdehnen.“

„Wir haben mit einem Nadelstich begonnen“, ergänzt Stellvertreter Thomas Ebeling. „Aber wir machen weiter.“ Wenn der Arbeitgeber jetzt schon nicht mit diesem Streik umgehen könne, sollte er so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren.

„Wir haben den Beschäftigten gesagt, sie sollen die gelben Westen behalten und sie jeden Morgen mitbringen. Es kann jeden Tag wieder gestreikt werden“, so Silvia Reichert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen