Aktion der Gewerkschaft Verdi : Warnstreiks im Nahverkehr in MV - Busse und Bahnen fallen aus

Vor einem Straßenbahndepot in Rostock versammeln sich Teilnehmer eines Warnstreiks.

Vor einem Straßenbahndepot in Rostock versammeln sich Teilnehmer eines Warnstreiks.

Für mehrere Zehntausend Menschen war der Weg zur Arbeit und Schule am Donnerstag beschwerlich. In den meisten Verkehrsbetrieben wurde gestreikt. Am Freitag gehen die Gespräche weiter.

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16. Januar 2020, 15:40 Uhr

Wegen eines Warnstreiks ist in großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns am Donnerstag der öffentliche Nahverkehr zum Erliegen gekommen. „Die Verkehre stehen“, sagte Landesstreikleiter Karl-Heinz Pliete am Morgen. Nur gelegentlich seien Busse unterwegs gewesen. „Wir haben zugelassen, dass Behinderte zu ihren Werkstätten kommen.“ Die Fahrgäste seien gut auf den Warnstreik eingerichtet gewesen. An den Haltestellen von Bussen und Bahnen etwa in Rostock sei es sehr ruhig zugegangen. „Positiv waren auch die Reaktionen mancher Autofahrer, die hupend und winkend an den Treffpunkten von Streikenden vorbeifuhren“, betonte Pliete. Bei dem Warnstreik sollten Busse und Bahnen von Betriebsbeginn an bis etwa 10 Uhr in den Depots bleiben.

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Rund 90 Prozent der Beschäftigten dabei

Der für Rostock und den Landkreis Vorpommern-Rügen zuständige Verdi-Vertreter Michael Pfeifer sprach von einer regen Beteiligung der Beschäftigten. Sie habe bei etwa 90 Prozent gelegen. Die Stimmung unter den Streikenden sei sehr gut gewesen. Dass manche Fahrer auch in tarifgebundenen Unternehmen gearbeitet haben, führte er auf Befürchtungen vor möglichen Folgen für den Arbeitsplatz oder auch auf Probezeiten zurück.

Warnstreik in Hagenow: Auch die Verdi-Mitglieder am Hauptsitz der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim waren gestern seit den frühen Morgenstunden im Arbeitskampf. Sie fordern eine Angleichung an die allgemeine Einkommensentwicklung.
Hirschmann

Warnstreik in Hagenow: Auch die Verdi-Mitglieder am Hauptsitz der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim waren seit den frühen Morgenstunden im Arbeitskampf. Sie fordern eine Angleichung an die allgemeine Einkommensentwicklung.

 

Landesweit waren Zehntausende Arbeitnehmer und Schüler betroffen. Nicht gestreikt wurde laut Verdi beispielsweise in Neubrandenburg und Schwerin oder in Teilen des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Laut Bildungsministerium waren Schüler, die auf Busse oder Straßenbahnen angewiesen sind, entschuldigt. Angaben, wie viele Schüler am Donnerstag tatsächlich streikbedingt fehlten, lagen zunächst nicht vor.

Reaktionen fallen unterschiedllich aus

Eine Sprecherin der Rostocker Straßenbahn AG berichtete, dass sich die Reaktionen der Kunden die Waage hielten. Teils gab es Verständnis für die Streikenden, manche seien aber auch verärgert über die Unannehmlichkeiten gewesen. Bei der Polizei liefen keine Verkehrsprobleme auf, die mit dem Streik in Verbindung gebracht werden konnten.

Warnstreik bei der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim: Bis zehn Uhr vormittags ging gestern nichts im Busverkehr.
Michael-G. Bölsche

Warnstreik bei der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim: Bis zehn Uhr vormittags ging gestern nichts im Busverkehr.

 

Mit dem Warnstreik wollte Verdi vor der zweiten Tarifverhandlungsrunde mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband MV am Freitag in Schwerin Druck machen. Verdi verlangt bei einer einjährigen Laufzeit eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,06 Euro pro Stunde rückwirkend zum 1. Januar und einen Angleichungsschritt an andere Tarifgebiete von 100 Euro.

Kritik wegen zu später Information

Die kommunalen Arbeitgeber lehnen diese Forderung als wirtschaftlich nicht tragbar ab. Geschäftsführerin Gabriele Axmann kritisierte am Donnerstag die zu späten Information seitens der Gewerkschaft an die Unternehmen über die Arbeitsniederlegungen. Dies hätte gerade auf dem Land zu erheblichen Störungen im Schülerverkehr geführt. Axmann fügte hinzu, dass am Freitag erst die zweite Verhandlungsrunde starte.

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