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Neuenkirchen  : Angegriffenes Wildschwein verletzt Jäger tödlich 

vom

Tödlicher Jagdunfall am Greifswalder Bodden. Attacken auch in Torgelow und Lübeck. Zoologe der Uni Rostock warnt vor Panikmache

nnn.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 11:14 Uhr

Dramatische Minuten am Kooser See nördlich der Gemeinde Neuenkirchen (Vorpommern-Greifswald). Ein Jäger sucht im Schilfgürtel ein vermeintlich angeschossenes Wildschwein. An der Treibjagd sind neun Jäger und vier Treiber beteiligt. Es ist Sonntag 13 Uhr. 

Plötzlich hören die  Weidmänner einen Schrei aus dem Schilfgürtel. „Dort wurde der Jäger von einem Keiler angegriffen und schwer am linken hinteren Oberschenkel verletzt“, berichtet später Axel Falkenberg von der Polizeidirektion Anklam.

Ein Nachbartreiber ist als Erster am Ort. Er sieht, wie der 50-Jährige stark blutend im Schilf liegt. „Für Sekunden war der Bewusstlose mit dem Kopf unter Wasser“, berichtet Falkenberg weiter. Der Treiber und die anderen Weidmänner versuchen, den Mann zu retten. Ärzte und ein Rettungshubschrauber sind schnell vor Ort.

Alle Mühen sind umsonst. Der Mann aus der Nähe der Ortschaft Wampen am Greifswalder Bodden verstirbt wenig später im Klinikum der Hansestadt.

Der Schilfgürtel am Kooser See wird am Nachmittag noch einmal abgesucht. Vom aggressiven Keiler fehlt jede Spur. „Damit ist auch unbekannt, ob das Tier überhaupt getroffen wurde“, meint Polizeisprecher Falkenberg. Ein Todesermittlungsverfahren leitet die Polizei noch am Sonntag ein. Damit sollen die genauen Umstände des tragischen Unfalls untersucht werden. 

Die Stralsunder Staatsanwaltschaft will am Dienstag entscheiden, ob eine Obduktion nötig wird. „Wenn kein Fremdverschulden vorliegt, wird es keine rechtsmedizinische Untersuchung geben“, so ein Behördensprecher.

Achim Froitzheim, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, ist selbst ein erfahrener Jäger: „Der Vorfall zeigt, wie wehrhaft Wildschweine sind.“ Er erinnert sich an einen Jagdunfall in der Ueckermünder Heide, bei dem vor einigen Jahren eine Jägerin von einer Bache an beiden Oberschenkeln schwer verletzt wurde. Die Rettung gelang, weil an anderer Jäger die Blutungen stoppen konnte.

Ein ähnlicher Fall hatte sich im März 2016 in Lübeck ereignet. Ein Keiler hatte sich angeschossen in den Schilfgürtel eines Teiches zurückgezogen. Als sich der Jäger näherte, bohrte das Tier seine Eckzähne ins Bein seines Verfolgers.  Im Oktober verletzten zwei aggressive Wildschweine gleich vier Menschen, als sie durch Heide in Schleswig-Holstein liefen.

Völlig überraschend griff im Juli 2013 in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) eine Bache eine Frau mit ihrem Hund an. Das Tier war mit Frischlingen unterwegs.  Die Frau erlitt Verletzungen an  Beinen und Armen.

Dr. Hinrich Zoller, Zoologe an der Universität Rostock und  selbst Jäger, warnt allerdings vor Panikmache. „Angriffe von Wildschweinen auf Menschen sind extrem selten“, sagt der Experte. Gefährlich werden die Tiere nur, wenn sie verletzt sind oder sich in die Enge getrieben fühlen. Außerdem sollte man nach Möglichkeit auch keiner Bache mit Frischlingen zu  nahe kommen oder sogar bedrängen. Ansonsten sind Wildschweine friedliche Zeitgenossen.

Das Agrarministerium hatte Jäger zum verstärkten Abschuss von Schwarzwild aufgefordert, um so das Risiko der Afrikanischen Schweinepest zu reduzieren. Pro erlegtem Wildschwein gibt es seit 1. Dezember 25 Euro Abschussprämie. Ziel ist es, im kommenden Jahr landesweit 80000 Wildschweine zur Strecke zu bringen.

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