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Prozess in Schwerin : Auftragsmord in Plate: Haft für den Mittelsmann

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Aus der Onlineredaktion

Der Mann, der zwischen Auftraggeber und den Schützen vermittelte, wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt

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erstellt am 06.Dez.2017 | 20:45 Uhr

Fast 22 Jahre hat ein wichtiges Detail gefehlt, um das Bild eines der spektakulärsten Kriminalfälle in Mecklenburg-Vorpommerns jüngerer Geschichte zu vervollständigen. Das Landgericht Schwerin ist überzeugt, dieses Detail gefunden zu haben. Es verurteilte am Mittwoch einen 53-jährigen Angeklagten wegen Anstiftung zum versuchten Mord zu zehn Jahren Gefängnis.

Er war nach Ansicht der Richter jener Mittelsmann, der für einen Fahrlehrer zwei Killer engagierte. Diese fuhren am 3. März 1996 nach Plate bei Schwerin, klingelten an der Tür der ehemaligen Ehefrau des Fahrlehrers und schossen ihr in den Kopf. Die Frau überlebte schwer verletzt.

Der Angeklagte hatte während des Prozesses weitgehend geschwiegen. Das Urteil nahm er ruhig hin, als habe er von diesen Richtern von Anfang an kein anderes erwartet; als hoffe er auf eine andere Entscheidung der nächsten Instanz. Kaum merkbar schien er manchmal zweifelnd den Kopf zu schütteln, wenn der Vorsitzende Richter Otmar Fandel in seiner Urteilsbegründung Szenen rekonstruierte, die sich nach Ansicht des Gerichts vor 22 Jahren abgespielt haben. Szenen, die das Gericht lediglich aus Aussagen von Zeugen herleitete, die in den Fall verwickelt sind. Über die Jahre hinweg hatten die drei Belastungszeugen auch andere Versionen präsentiert.

Der Fall beschäftigte bereits viele Richter. Der Fahrlehrer wurde 2002 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die beiden Schützen bekamen lebenslang Gefängnis beziehungsweise sieben Jahre Jugendstrafe.

Der Verdacht, dass der im Streit mit seiner Ex-Frau lebende Fahrlehrer nicht allein auf Mördersuche ging, schwebte schon lange durch die Gerichtssäle. Im Visier hatten die Ermittler den Angeklagten von Anfang an. Aber erst ab 2006 fingen der Fahrlehrer, einer der Schützen und ein weiterer Mitwisser an, gegen den gelernten Koch auszusagen.

Die Belastungszeugen seien allesamt windige Typen, räumte Richter Fandel ein. Aber sie hätten keinen Grund, den Angeklagten einer Tat zu bezichtigen, die er nicht begangen hat. Am Ende sei klar, dass der Angeklagte „der Kitt zwischen den Beteiligten war“. Aus Habgier habe er dem Fahrlehrer geholfen, so das Gericht, als der seine Ex-Frau los werden wollte, die angeblich zu resolut war, als dass es gereicht hätte, sie einzuschüchtern.

Wie viel Geld der Angeklagte vom Fahrlehrer bekam, sagte das Gericht nicht. Die beiden Schützen sollen 10000 D-Mark kassiert haben. Bevor sie zuschlugen, flossen schon knapp 30 000 D-Mark an einen Bauunternehmer. Der hatte den Mordauftrag angenommen, ohne ihn jemals ausführen zu wollen.

Hätte der Prozess vor 15 Jahren stattgefunden, erklärte der Vorsitzende Richter, wäre er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das ist die übliche Strafe für Mord. Weil das Verfahren unangemessen lange dauerte, habe das Gericht eine mildere Strafe gefunden.

Von den zehn verhängten Jahren gilt zudem eines wegen der langen Dauer als verbüßt. Da er seit Oktober 2016 an 43 Prozesstagen zuverlässig zum Prozess kam, ließ das Gericht den Angeklagten auf freiem Fuß. Denn seine Verteidiger werden das Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH) überprüfen lassen. Solange ist es nicht rechtskräftig. Falls der BGH das Urteil kassiert, muss der Prozess neu aufgerollt werden.

Auf den Verurteilten wartet ein weiteres Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im September 1995 für einen Spielhallenbetreiber einen weiteren Mordauftrag in Schwerin vermittelt zu haben. Dem Vernehmen nach bestreitet der Angeklagte die Tat.

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