Greifswald : Demonstration für Uni-Namenspatron

Auf dem Greifswalder Marktplatz kamen die Arndt-Befürworter zusammen.
Auf dem Greifswalder Marktplatz kamen die Arndt-Befürworter zusammen.

Hunderte fordern in Greifswald Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt

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14. Januar 2018, 20:45 Uhr

Im Streit um den Namenspatron der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben am Sonnabend mehrere hundert Menschen für die Beibehaltung des Namens demonstriert. Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 600 Menschen an der Aktion. Die Veranstalter sprachen von 700 bis 800. Wenige Tage vor der Entscheidung des Uni-Senats wollten sie damit nochmals Druck ausüben, die von mehreren Senatoren beantragte Namensablegung zu verhindern. Diese sei ein „Anschlag auf unsere Demokratie und Freiheit“, sagte der CDU-Politiker Sascha Ott. „Arndt war ein Politiker mit Rückgrat und ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung.“ Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Der Name war der Universität 1933 zuerkannt worden. Der Senat der Uni hatte bereits im Januar vergangenen Jahres mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen, den Namen abzulegen. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an.

Die Universität beseitigte die Rechtsmängel und führte im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden durch. Knapp 49 Prozent der Teilnehmer stimmten für Arndt, rund 34 Prozent dagegen. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. In einer später durchgeführten studentischen Urabstimmung lagen die Arndt-Gegner knapp vor den Arndt-Befürwortern.

Am Mittwoch tagt nun erneut der Uni-Senat. Abgestimmt werden soll zunächst über das Streichen des Namens. Sollte dieser Antrag scheitern, kommen zwei Kompromissanträge zur Abstimmung: Universität Greifswald mit dem optionalen Zusatz „Ernst Moritz Arndt“ beziehungsweise der Beibehaltung des bestehenden Namens mit der Option, auf Universität Greifswald zu verkürzen. Sollten alle drei Anträge an der Zweidrittelmehrheit scheitern, bliebe es bei der bestehenden Bezeichnung.

Für die Demonstranten - wie den CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor - ist ein Kompromiss keine Lösung. Den Arndt-Gegnern warf Amthor Geschichtsklitterung vor und forderte die Senatoren auf, den Namenstreit beizulegen. Der pensionierte Bürgermeister von Greifswald, Arthur König (CDU), sagte, die Universität sei auch mit dem Namen weltoffen. „Es gibt keinen zwingenden Grund, den Namen abzulegen.“

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