Frauen im Handwerk : Die Fischerin vom Schaalsee

Diana Rehbohm verkauft ihren Fang direkt am Schaalsee.
Diana Rehbohm verkauft ihren Fang direkt am Schaalsee.

Diana Rehbohm übernahm die Firma von ihrem Vater, heute bewirtschaftet sie 760 Hektar Seefläche

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02. Juni 2015, 12:00 Uhr

Einen Arbeitsplatz direkt am Wasser, viel frische Luft, gesundes Essen, freundliche Menschen um sich herum – so einen Job wünscht sich wohl jeder. Diana Rehbohm hat ihn: Sie ist die Fischerin vom Schaalsee. In Zarrentin bietet sie täglich frischen Fisch an. Sie hat viel zu tun und wenig Zeit, dennoch klingt aus jedem ihrer Sätze die Liebe zum Beruf. Und der liegt in der Familie. Ihr Vater und sein Kollege betrieben die Fischerei an der Südspitze des Schaalsees als Außenbetrieb der Binnenfischerei Schwerin – eine kleine Baracke.

Erst nach der Wende wurde das heutige Haus mit Räucherei und Verkaufsraum gebaut. „Zu DDR-Zeiten war der See ja Grenzgebiet, da durften wir als Kinder eigentlich nicht mit rausfahren“, erinnert sich die 44-Jährige. „Aber manchmal hat unser Vater uns trotzdem mitgenommen, dann mussten wir uns klein machen im Boot, damit uns niemand sieht.“

Später, als Diana Rehbohm sich entschieden hatte, selbst Fischerin zu werden, wollte ihr Vater gar nicht, dass sie auf den See fuhr. „Er hat sich sehr gefreut, dass ich ihn im Geschäft unterstützen wollte. Aber die Arbeit draußen fand er körperlich viel zu anstrengend für eine Frau. Und das ist sie auch.“

Sie erwähnt das Beispiel Maränen: Vier bis fünf Netze von je 40 Meter Länge hängen aneinander und müssen aus bis zu 30 Meter Tiefe ins Boot gezogen werden – samt Fang. Auch deshalb ist sie heute nur selten mit im Boot. „Ich schaff´s aber auch gar nicht oft auf den See. Man hat hier so viel zu tun, Fische schlachten, räuchern, verkaufen – gerade im Sommer. Wenn ich mal mit rauswill, muss ich mir den Termin vorher in den Kalender eintragen und hoffen, dass nichts dazwischenkommt. Aber wenn´s klappt, dann fängt der Tag besonders schön an.“

Im Frühjahr holen ihre Kollegen Hechte und Barsche, Aalquappen und Brassen aus dem Wasser, ab Mai Maränen, im Herbst wieder die Hechte, Barsche, Brassen und Schleie. Im Winter wird es ruhiger, dann stehen Reparaturarbeiten wie Netze kontrollieren oder Reusen flicken und Vorbereitungen für die Saison auf dem Tagesplan.

Vor zehn Jahren hat Diana Rehbohm die Schaalsee-Fischerei von ihrem Vater übernommen. Sie bewirtschaftet heute 760 Hektar Seefläche – mehr als tausend Fußballfelder. Dabei war das Geschäft mit den Flossentieren gar nicht ihre erste Wahl. Mode interessierte sie, eine Schneiderlehre wollte sie machen. Aber daraus wurde nichts, stattdessen hat sie einen Abschluss als Wirtschaftskauffrau in der Tasche. Erst lange nach der Wende schulte sie auf Fischwirtin um – berufsbegleitend. Ihren Fang verkauft sie heutzutage an Restaurants in der Umgebung, aber natürlich auch an Gäste in ihrem Imbiss. Sie können den Fisch frisch, eingelegt oder geräuchert kaufen, mitnehmen oder gleich am See verspeisen. Viele Kunden kommen aus der Umgebung, aber auch Hamburger, Lübecker oder Ratzeburger Kennzeichen sind auf dem Parkplatz zu sehen. „Die Leute schätzen die Frische und dass die Ware aus der Region stammt. Viele Kunden kommen immer wieder.“

Neben der Arbeit möchte die Fischerin sich auch um ihre Familie kümmern, die im täglichen Stress oft zu kurz kommt. „Dabei stehen sie alle hinter mir und helfen mit“, sagt sie. Der große Sohn wollte beruflich nichts mit der Fischerei zu tun haben. Und die neunjährige Tochter hat noch Zeit mit der Berufswahl.

Doch über all den Belastungen vergisst Diana Rehbohm nie das Schöne. „Ich bin weit entfernt von einer 40-Stunden-Woche, aber ich hab’s mir ja so ausgesucht. Und ich könnte auch nicht mehr zurück in einen Bürojob. Es macht einfach Spaß - ich gehe mit Freude zur Arbeit.“

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