Selbstversuch im Barbershop : Ein Feuerwerk im Gesicht

Ein Selfie nach der Premiere:  Firas (r.) und der zufriedene Autor
Ein Selfie nach der Premiere: Firas (r.) und der zufriedene Autor

Immer mehr Männer lassen ihren Bart von Profis stutzen: Barbershops sind voll im Trend – wir wagen den Selbstversuch

nnn.de von
17. Januar 2018, 12:00 Uhr

Ich kämme mich, bevor ich in den Laden gehe. So als müsste ich schon vor dem Pflegeprogramm gepflegt aussehen, um mich bei der Premiere nicht zu blamieren. Seit der Bart wieder in Mode ist, lassen immer mehr Männer einen Profi an ihr Gesichtshaar. Bei einem Barbier war ich noch nie. Das soll sich heute ändern.

Firas nimmt mir die Bedenken. Er ist erst 22, seit zwei Jahren in Deutschland, hat in Syrien einige Semester Jura studiert und nebenbei eine Friseurausbildung gemacht. Nachdem in Deutschland die alten Herrensalons fast ausgestorben waren, sind es junge Männer wie er, die aus ihrer Heimat die Kultur der Bartpflege mitbringen. Heute arbeitet Firas im Salon von Ibo und Jamal im Schweriner Klöresgang. ’Mann’ ist hier unter sich, nennt sich beim Vornamen.

Die verschiedenen Barttypen

Der Volle
Statista

Vollbart heißt nicht bloß wachsen lassen.  Regelmäßig sollte man die Ansätze begradigen und das Haar auf Länge halten. Ein Bartöl hilft gegen Spliss.

Der Balken
Statista

In den 70ern war der Moustache - zu Deutsch einfach Schnäuzer – angesagt. Heute sagen Trendscouts: Gezwirbelt und ,überpflegt‘ wirkt etwas altbacken.

Der Junge
Statista

Beim Drei-Tage-Bart bleiben kurze sichtbare Stoppeln  stehen, er ist eher  ein deutlicher Bartschatten.  Pflege: regelmäßiges, aber nicht tägliches Kürzen.

Der Anker
Statista

Ein kurzer Kinnbart und ein Schnäuzer bilden annähernd die Form eines Ankers. Vorteil: Große Variationsmöglichkeiten mit verschiedenen Längen.

Die Ziege
Statista

Der Ziegenbart ist eine häufige Form des Kinnbarts, wird manchmal so lang getragen, dass man einen Zopf machen kann. Er verschlankt das Gesicht.

Der Alte
Statista

Beim traditionellen „Henriquatre“ bilden Haare an Kinn und auf der Oberlippe  eine Art Ring um die Mundpartie. Gilt als schwer zu schneiden.

 

Was er mir empfehlen würde? „Am besten, an den Seiten komplett ab. Da sind eher wenig Haare“, sagt Firas. Ich bin dankbar für die Ehrlichkeit, aber scheue zurück. Sich endgültig von Haaren zu trennen, das ist auch im Gesicht eine Entscheidung mit Tragweite. „Mach’ erstmal nur kürzer, komplett abschneiden kann man immer noch.“ Ich mache die Augen zu. Mit einem heißen Tuch werden Haare und Haut aufgeweicht. Dann kratzt die Klinge über mein Gesicht. So dicht, das durfte noch nie jemand bei mir. Firas strahlt die Ruhe aus, die man jemandem wünscht, der mit extrem scharfen Gegenständen hantiert. Zu jeder Premiere gehört irgendwie auch ein kleines Feuerwerk. Firas holt eine Art Wattestäbchen, getränkt mit einer brennbaren Flüssigkeit. Damit werden die feinen Härchen auf dem Ohr abgeschlagen. Die Hitze wirkt nur kurz ein.

Was später ein Trend sein will, gärt zumeist einige Jahre vor sich hin. So war es auch mit den Barbieren im Nordosten. Wenige Schritte von Ibos Laden entfernt hat Alan seinen Salon. Vor 15 Jahren eröffnete der aus Köln stammende Meister den vermutlich ersten Babierladen in Schwerin. In Rostock führt er mittlerweile fünf Geschäfte, einen in Hagenow, in Ludwigslust ist einer in Planung. Männer machen in der Bartpflege viel falsch, resümiert Alan. „Viele Männer nehmen leider nichtmal ein Aftershave. Ich würde zumindest empfehlen, das Gesicht nach der Rasur für eine Weile mit kaltem Wasser zu waschen.“ Das straffe die Gesichtshaut, fördere die Durchblutung. Abraten würde er von Creme. „Damit werden die Poren mit Fett zugespachtelt.“

Nach 20 Minuten in der Mittagspause ist mein Wellnesstrip bei Firas schon vorbei, ich bin zufrieden. „Das passt auch zu dir, hat er gut gemacht“, sagt sein Chef Ibo über die Arbeit seines jungen Kollegen zu mir. Wann müsste ich wiederkommen, um den Status quo zu erhalten? „So etwa in einer Woche“, meint Ibo nach einem prüfenden Blick. Noch stundenlang später fasse ich da hin, wo vorher lange Zeit ein paar Haare herumhingen, in denen ich aus Nervosität immer herumgenestelt habe. Ein Blick in den Spiegel bestätigt noch einige Tage lang, was für die Finger Gewissheit ist: Da war doch was.

Tipp: So geht es richtig

Voraussetzung für eine sichere Rasur ist eine scharfe und saubere Klinge. Rostige Klingen oder Messer können Infektionen verursachen. Je schärfer das Metall, je weniger Druck wird beim Abziehen benötigt.  So  lassen sich Hautirritationen vermindern. Während der Profi-Barbier häufiger zum Messer greift, sind privat Rasierhobel oder Mehrklingen-Rasierer gängig.  Tägliches Rasieren gewöhnt die Haut bis zu einem gewissen Grade daran, häufig wird Rasurbrand durch die gründlichere Nassrasur begünstigt. Männer mit sensibler Haut sollten auf einen elektrischen  Trockenrasierer  umsteigen, die heutzutage oft auch nass einsetzbar sind. Damit es in Nass störungsfrei geht, sollten Haut und Haar zuvor etwa 15 Minuten  mit einem feuchtwarmen Tuch aufgeweicht werden. Ob Seife, Schaum oder Rasiergel:  Wichtig ist die Hautverträglichkeit,  besonders wenn man auf gewisse Zusatzstoffe allergisch reagiert.  Wem gesunde Haut vor Tiefenschärfe geht, der sollte nicht gegen die Wuchsrichtung der Barthaare rasieren. Früher versprach man sich davon  zwar Gründlichkeit. Rasiert man aber täglich, muss es, der Haut zuliebe, so gründlich nicht immer sein.

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