Nach Tod eines syrischen Kindes : Hakenkreuze: Jetzt vier Verdächtige

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Staatsanwalt weitet Ermittlungen in Schönberg aus.

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11. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Im Fall der Hakenkreuz-Sprühereien am Unfallort eines tödlich verunglückten syrischen Kindes (9) in Schönberg hat die Polizei zwei weitere Tatverdächtige ermittelt. Unter Tatverdacht stehen nun insgesamt vier Personen - zwei Männer im Alter von 22 und 23 Jahren, ein Jugendlicher (17) und eine Frau (23), wie Oberstaatsanwältin Claudia Lange gestern gegenüber unserer Zeitung mitteilte. Ermittelt werde wegen des Verdachts, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet zu haben.

Wer sprühte das Hakenkreuz?

Die vier Verdächtigen sollen den bisherigen Ermittlungen zufolge bei der ersten Hakenkreuz-Sprüherei am Tatort gewesen sein. Die entscheidende Frage für die Ermittler ist nun, wer das Nazi-Symbol auf den Asphalt sprühte. Erkenntnisse dazu erhofft sich die Polizei von den bei mehreren Durchsuchungen sichergestellten Mobiltelefonen der Verdächtigen. Die Geräte würden momentan noch ausgewertet, teilte Oberstaatsanwältin Lange mit.

Der neun Jahre alte Junge war im Juni mit seinem Fahrrad ins Schlingern geraten, von einem Traktor erfasst und tödlich verletzt worden. Am 8. und am 28. Juli waren auf dem Gehweg am Unglücksort jeweils ein metergroßes Hakenkreuz und der Schriftzug „1:0“ gesprüht worden.

"Es ist entsetzlich"

Die Polizei war im August nach Hinweisen aus der Bevölkerung zunächst den beiden jungen Männern auf die Spur gekommen. Ihre Wohnungen wurden durchsucht. Die verwendete Sprühfarbe wurde allerdings nicht gefunden . Auf den Handys der vier Verdächtigen könnten sich aber vielleicht Fotos oder andere tatrelevante Hinweise befinden, wie die Oberstaatsanwältin erklärte.

Die Hakenkreuz-Schmierereien in der Kleinstadt hatten bundesweit für Entsetzen gesorgt. Die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Dagmar Kaselitz, verurteilte die Tat mit den Worten: „Es ist entsetzlich, miterleben zu müssen, wie der Kummer einer syrischen Familie durch widerliche Schmierereien für eine fremdenfeindliche Aktion missbraucht wird. Wer zu solch einer Tat fähig ist, zeigt seine rechtsextreme Gesinnung und rassistische Einstellung.“ Bei einer Zusammenkunft am Unfallort wurde mit einer Mahnwache an den kleinen syrischen Jungen erinnert.

Paragraph 86a

Wer die Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet, kann laut Strafgesetzbuch (Paragraf 86a) mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. Zu den Kennzeichen zählt der Gesetzgeber Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen, Grußformen und eben auch an Wände  gemalte oder gesprühte Symbole wie das Hakenkreuz.  Auf der Liste der verbotenen Nazizeichen zählt unter anderem die  von der SS verwendete Sigrune und der SS-Totenkopf mit dem  hinter dem  Schädel steckenden Knochen.     Die  bereits vor der NS-Zeit verwendete  schwarz-weiß-rote Reichskriegsflagge ohne Hakenkreuz  fällt nicht unter das Verbot. roll
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