Prozess in Schwerin : Kindesmissbrauch gestanden

Der Angeklagte zu Prozessbeginn
Der Angeklagte zu Prozessbeginn

Minderjährige Mädchen waren Opfer des Reitstallbesitzers

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13. Februar 2018, 21:00 Uhr

Reumütig und geständig hat sich ein Reitstallinhaber aus einem Dorf in der Nähe von Schwerin vor Gericht gegeben. Vor dem Schweriner Landgericht räumte der 58-Jährige gestern ein, zwei Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Wegen der angeblich fortgeschrittenen „körperlichen Entwicklung“ der Mädchen, so behauptete sein Verteidiger, habe der Angeklagte sich über die „Altersgrenze hinweggesetzt“, die Sex mit Kindern, die jünger als 14 Jahre sind, unter Strafe stellt.

Seit 2009 beherbergt der Reitstall des Angeklagten auch einen Reitverein, zu dessen Vorstand er gehört. Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen ihre Pferde bei ihm unter oder reiten die Pferde des Mannes. Die Staatsanwaltschaft wirft dem passionierten Reitsportler Missbrauch in 16 Fällen bis hin zur Vergewaltigung vor. Das Verfahren wegen mutmaßlichen Missbrauchs eines fünf Jahre alten Mädchens stellte das Gericht allerdings ein. Der Verteidiger hatte die Aussagen des Kindes und seiner Eltern als „extrem widersprüchlich“ bezeichnet. Damit die Persönlichkeitsrechte der Mädchen geschützt werden, verhandelte das Gericht weitgehend hinter verschlossenen Türen.

Die ersten Taten liegen zehn Jahre zurück. Der Reitstallbesitzer war 48 Jahre alt und das betroffene Mädchen gerade einmal zwölf. Während der Reitstunden sei es zwischen ihnen „zu einer Annäherung gekommen“, formulierte der Verteidiger vage. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Reitlehrer das große Interesse des Kindes am Pferdesport ausgenutzt habe. Irgendwann kam es zum ersten Sex zwischen den beiden. Die ungleiche „Beziehung“ hielt über mehrere Jahre an – auch als das Mädchen kein Kind mehr war.

Ans Licht kam das „Verhältnis“ im Sommer 2017. Eine Dreizehnjährige hatte Angst, allein mit dem Angeklagten auf dem Reiterhof zu sein, denn er hatte sich ihr mehrfach unsittlich genähert. Vor der Fahrt zu einem Reitturnier vertraute sie sich mit einem Brief ihrer Mutter an. Diese alarmierte umgehend die Polizei. Während der Ermittlungen erfuhren die Kriminalisten auch von der vorangegangenen „Beziehung“ des Reitlehrers.

Der Angeklagte gibt zu, sexuelles Interesse an jungen Frauen, aber nicht an Kindern zu haben, wie sein Verteidiger sagte. Offenbar glaubt ihm das Gericht, denn beim Verdacht, dass der Angeklagte pädophil ist, würde das Gericht einen Psychiater einschalten. Das ist nicht geplant. Bereits am Montag wollen die Richter ein Urteil fällen.

Rechtsanwältin Christine Habetha, die eines der betroffenen Mädchen vertritt, wundert sich unterdessen über den langen Zeitraum, der zwischen den sexuellen Übergriffen des Reitlehrers liegt. So recht mag sie nicht glauben, dass er sich während dieser zehn Jahre nichts hat zuschulden kommen lassen.

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