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Inklusion : Linke grillt Hesse – CDU sieht zu

vom
Aus der Onlineredaktion

Treffen zur Inklusion abgesagt. Aber Kultusministerin überzeugt bei Opposition

von
erstellt am 13.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Rein in die Inklusion, raus aus der Inklusion: Bildungsministerin Birgit Hesse musste gestern in der Links-Fraktion Rede und Antwort stehen, wie es um den aktuellen Inklusionskurs der SPD-Politikerin bestellt ist. Anfang August hatte Hesse laut darüber nachgedacht, die Übernahme von besonders verhaltensauffälligen Schülern in den regulären Schulunterricht zum Teil aussetzen und einige Förderschulen erhalten zu wollen. „Es gibt eine Gruppe von Schülern, die so verhaltensauffällig ist, dass man sie nicht integrieren kann“, hatte sie gesagt.

Ganz ähnlich hatte sie sich auch schon kurz nach ihrer Amtsübernahme beim Schulkongress im letzten November in Rostock geäußert. Für Kinder mit ausgeprägten Auffälligkeiten, die etwa beißen und schlagen würden, müsse „eine andere Lösung gefunden werden“, weil solche Kinder einen Klassenverband sprengen und Lehrer überfordern könnten. „Ich bin ein absoluter Verfechter der Inklusion, aber sie hat auch Grenzen“, sagte sie damals unter großer Zustimmung.

Was im November bei den Partnern des einst von Hesses Vorgänger initiierten Inklusionsfriedens durchging, hatte jetzt politische Konsequenzen. Linksfraktionschefin Simone Oldenburg sagte prompt ein für heute geplantes Treffen mit SPD und CDU im Kultusministerium zum Inklusionsfrieden ab. Die CDU beeilte sich, hinterherzukommen. Deren Bildungsexperte Marc Reinhardt ließ gestern über Fraktionssprecher Oliver Kaiser ausrichten: „Es gibt keinen Termin bei der Ministerin. Frau Hesse kommt in die Fraktion oder den Bildungsarbeitskreis.“ Termin offen.

Die Linke hingegen grillte Hesse gestern und rieb ihr ihre Aussagen zu den Förderschulen unter die Nase. Zumindest war es so gedacht. Aber schon durch eine deutlichen Entschuldigung der Ministerin für ihr Vorpreschen wurde aus der peinlichen Befragung fast ein Gespräch unter Freunden. Simone Oldenburg blieb die Mahnung, den Inklusionsfrieden, der Ruhe in die Kollegien gebracht habe, nicht zu gefährden.

Hesse erhielt Zeit für ihr Anliegen: Eine Studie von Prof. Dr. Bodo Hartke zur Modellregion Rügen habe gezeigt, „dass wir nicht alle Kinder auf den Weg mitnehmen können.“ Und dann der entscheidende Satz: „Ich möchte, dass wir uns einen Punkt noch einmal ansehen, die Förderschulen.“ Hesse denkt dabei an den Erhalt von Schulen mit besonderen Förderangeboten: „Wir können besonders verhaltensauffällige Schüler nicht dauerhaft in temporären Lerngruppen halten.“ Und sie sagt auch, dass niemand wisse, ob die vereinbarten 237 zusätzlichen Lehrerstellen für die Inklusion ausreichen. Zum Schluss bekommt die Ministerin Applaus von der Linken – und ein Ja zu ihrem Weg.

 

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