Spendenaktion Wünschewagen : Marschieren für den Wünschewagen: Cindy Deichmann ist kein Kilometer zu viel

Ein eingespieltes Team: Border Collie Jack begleitet Cindy Deichmann bei ihren Charity-Läufen.

Ein eingespieltes Team: Border Collie Jack begleitet Cindy Deichmann bei ihren Charity-Läufen.

Extrem-Fußläuferin aus Rostock engagiert sich für das Projekt des ASB.

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03. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Die Beine werden mit jedem Schritt schwerer. Die Füße schmerzen ein wenig. Doch für den guten Zweck ist ihr kein Kilometer zu viel. 50 Kilometer beim „Ostseeweg Rostock“, 61 Kilometer beim „Heldenmarsch“ um den Schweriner See und sogar 100 Kilometer am Stück beim „Megamarsch“ in Frankfurt am Main – 24 Stunden lang. Cindy Deichmann ist Extrem-Fußläuferin.

Die Rostockerin geht aber nicht einfach nur aus Spaß oder für Medaillen. Die Strapazen, die sie auf sich nimmt, lohnen sich auch für andere. Denn sie ist Botschafterin des Wünschewagens. Offiziell ernannt wurde sie am 8. Juni diesen Jahres, dem Tag des Heldenmarsches in Schwerin, der auch noch auf den zweiten Geburtstag des Wünschewagens MV fiel.

Ziel: Schwerkranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllen

Von dem Ehrenamtsprojekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) erfuhr Cindy Deichmann durch Zufall. An einer Straßenbahnhaltestelle im Rostocker Ortsteil Groß Klein. „Ich bin aus der Straßenbahn gestiegen und habe ein Plakat gesehen, bin quasi davorgelaufen“, erinnert sie sich. Sie nahm Kontakt zu Projektleiterin Bettina Hartwig auf und war sich nach dem Gespräch sicher:

Die Idee, die hinter dem Projekt Wünschewagen steht, ist so wertvoll, dass man das einfach unterstützen muss. Cindy Deichmann
 

Seit Cindy Deichmann das Projekt kennt, ist sie Feuer und Flamme dafür. Sie läuft, sie spricht, sie spornt an. Und das alles, damit schwerkranken Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern ein letzter Wunsch erfüllt werden kann. „Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass es in meiner Familie noch keinen vergleichbaren Schicksalsschlag gab“, sagt sie.

Eine Verletzung veränderte das ganze Leben

Doch vor fünf Jahren hat ein einschneidendes Erlebnis das Leben der 45-Jährigen sehr geprägt. „Ich habe damals 125 Kilogramm gewogen, mich ungesund ernährt, keinen Sport getrieben, geraucht“, beginnt sie ganz offen zu erzählen. Sie verletzte sich. Diagnose: Kreuzbandriss. „Der Arzt sagte mir, dass er mich nicht operieren könne, weil ich zu dick bin. Ich müsste mich auf ein Leben mit Krücken einstellen. Das wollte ich nicht und habe angefangen, mein Leben komplett zu verändern. Denn ich habe nur diesen einen Körper.“ Gesunde, bewusste Ernährung und vor allem mehr Bewegung bestimmten von da an ihren Alltag. 54 Kilogramm hat sie abgenommen. „Es war ein langer, steiniger und tränenreicher Weg. Das Wissen und meine Erfahrungen möchte ich in Online-Coachings an andere weitergeben“.

Cindy Deichmann hat aber nicht nur ihr Gewicht reduziert. „Ich habe mein Auto verkauft und mir ein Fahrrad angeschafft. Unterwegs bin ich entweder mit dem Rad oder zu Fuß“, sagt sie. Immer an ihrer Seite ist Border Collie Jack. Ein treuer, tierischer Begleiter auch bei den Charity-Läufen entlang der Ostseeküste.

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Volker Bohlmann
 

Spenden für den Wünschewagen: Jeder gelaufene Kilometer zählt

Der „Megamarsch“ in Frankfurt am Main war ihre bislang größte sportliche Herausforderung. „Vor dieser Distanz hatte ich sehr viel Respekt“, sagt sie. Bereits im Vorfeld hatte sie über ihr privates Umfeld und auf der Internetplattform Facebook dazu aufgerufen, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Für jeden gelaufenen Kilometer hoffte sie auf Spenden für den Wünschewagen. „Erst meldeten sich Freunde und Verwandte, später immer mehr auch mir unbekannte Menschen“, erzählt sie. Die Resonanz war „ein positiver Druck, mich selbst zu motivieren und das zu schaffen“.

Inmitten von 1500 weiteren Teilnehmern startete sie im Oktober 2019. Ihr Mindestziel: 60 Kilometer. Viele ihrer Weggefährten brachen beim Stand von 40, 50 Kilometer ab. Zu große Belastung. Sinkende Motivation. Aufgeben – das kam für Cindy Deichmann nicht in Frage. „Mein Lebensgefährte postete auf Facebook immer den aktuellen Kilometerstand und erhielt als Antwort darauf unzählige Kommentare. Das gab mir mehr Energie“, erzählt sie stolz. Mit Erfolg: Als nach 24 Stunden „Megamarsch“ die Glocken im Zentrum der hessischen Stadt Langen läuteten, schritt Cindy Deichmann durchs Ziel. Freudentränen flossen. 1780 Euro Spenden kamen zusammen.

Der Plan: Einmal MV zu Fuß umrunden

„Das war schon Wahnsinn. Ihr Engagement ist viel wert und das finde ich sehr rührend. Nicht nur, dass sie diese Anstrengungen auf sich nimmt. Vor allem, weil sie ohne Eigennutz und Gegenleistung unterwegs ist“, sagt Bettina Hartwig vom ASB.

Cindy Deichmann hat nicht nur einen unglaublich starken Willen, sie reißt mit ihrer positiven Art auch andere mit. Beim „Heldenmarsch“ machte erstmals auch ihr Partner Frank mit. Zeitgleich absolvierten ihr Bruder und ihre Schwägerin den „Ostseeweg“. Die ganze Familie ist dabei. „Mein Bruder hat sich auch als ehrenamtlicher Helfer für den Wünschewagen beworben. Wir wollen als nächstes einen Staffellauf entlang der Landesgrenze machen und MV umrunden“, blickt sie in die Zukunft.

>> Hier finden Sie weitere Informationen zum Wünschewagen

Wünschewagen: So können Sie helfen

Der Arbeiter-Samariter-Bund erfüllt mit dem Wünschewagen Menschen jeden Alters ihren letzten Wunsch: Noch einmal das Meer sehen. Dorthin fahren, wo man die Liebe seines Lebens kennen gelernt hat. Ein letztes Mal mit der Familie Kaffee trinken… Damit diese Wünsche wahr werden können, braucht das Projekt finanzielle Unterstützung.

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

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