Buchvorstellung : Der Herzog und das liebe Geld

Hans-Jürgen Bramow hat die Geschichte der Münzstätte Schwaan analysiert.
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Hans-Jürgen Bramow hat die Geschichte der Münzstätte Schwaan analysiert.

Hans-Jürgen Bramow stellt mit einem Buch die Münzprägung in Schwaan unter Gustav Adolf von Güstrow in ihren historischen Kontext

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26. Januar 2018, 00:00 Uhr

Es war auf einem Stadtfest in Schwaan, als ein alter Herr dem jungen Hans-Jürgen Münzen in einer Streichholz-Schachtel zeigte. „In Schwaan geprägt“, erfuhr der Junge – und war fasziniert. Wie sehr die Begebenheit auch ihn geprägt hatte, merkte Hans-Jürgen Bramow jedoch erst, als er sich mit der Geschichte der Münzstätte Schwaan zu beschäftigen begann. Er hatte festgestellt, dass diese Münzen Raritäten waren und dass kaum ein Einwohner der Stadt wusste, dass hier in den Jahren 1692 und 1693 Silbergeld hergestellt worden war.

Diese beiden Tatsachen weckten den Forschungsdrang des Ingenieurs im Ruhestand. Bramow begann zu recherchieren: bei Händlern in Deutschland und darüber hinaus, in der Landesbibliothek, dem Schweriner Münzkabinett und in zahlreichen Publikationen. Ergebnis der über zwei Winter dauernden Arbeit ist ein Buch über die Münzstätte in Schwaan, das bei Experten und historisch Interessierten viel Aufmerksamkeit gefunden hat. Das Buch behandelt ausführlich das Münzwesen in Mecklenburg-Güstrow nach dem Dreißigjährigen Krieg und setzt es in den Kontext seiner Zeit.

Die Geschichte der Münzstätte Schwaan beginnt mit Herzog Gustav Adolf. Als dieser 1654 die Herrschaft in Mecklenburg-Güstrow antrat, übernahm er ein in jeder Hinsicht zerrüttetes Gebiet. Der Dreißigährige Krieg war gerade sechs Jahre vorbei. Schlachten und Scharmützel, Durchmärsche und Einquartierungen hatten das Land seiner Ressourcen beraubt, die Einwohnerzahl in Mecklenburg war von 300 000 auf 50 000 gesunken. Mit dem jungen Herzog gelangte ein Mann auf den Thron, der bei seinem Onkel – Adolf Friedrich I., Herzog zu Mecklenburg-Schwerin – eine gute Ausbildung genossen hatte. Um die Wirtschaft anzukurbeln, warb er mit mehrjährigem Steuererlass um neue Siedler. Aber die großpolitische Wetterlage war schlecht: Es gab neue Kriege, die das neutrale mecklenburgische Territorium tangierten und schwächten. Parallel nutzte die Ritterschaft die prekäre Lage, um sich verlassene Bauernstellen einzuverleiben und noch wirtschaftende Bauern in die Leibeigenschaft zu zwingen. Das führte zu einer wirtschaftlichen Schwächung des Herzogtums. Oder anders gesagt: Gustav Adolf war immer knapp bei Kasse.

In dieser Situation beschloss er, die zum Erliegen gekommene Münzproduktion wieder aufzunehmen. Dies zog sich hin – erst 1671 begann die Prägung in Güstrow. Allerdings lief die Herstellung stockend, weil es dem Herzog oft nicht gelang, genügend Silber anzukaufen. Später geriet die Güstrower Münzherstellung in Verruf, weil Gustav Adolf eine große Menge unterwertiger Münzen hatte prägen lassen, die daraufhin das Land überschwemmten und dem Ruf des Herzogs und dem Gedeihen der Wirtschaft schadeten. Bramow sieht in den dubiosen Geschäften einen Grund, weshalb der Herzog eine neue Münzstätte in Schwaan errichten ließ: Möglicherweise wollte er das Vertrauen ins Güstrower Geld so wiederherstellen und ein finanzpolitisches Desaster kitten. Dafür spricht auch die Tatsache, dass in Schwaan ausschließlich Silbermünzen geprägt wurden. Die Münzstätte erhielt ihren Standort im Schloss, das 1718 als baufällig abgerissen wurde.

Münzmeister wurde ein gewisser Heinrich Johann Hille aus Stralsund. Dieser stellte in Schwaan verschiedene Sorten von Schillingen und schließlich auch 3000 schwere Reichstaler her. Dies war insofern eine Besonderheit, da solche Münzen in der Regel nur vom Kaiser oder von Reichsfürsten zu Repräsentationszwecken geprägt wurden. Bramow glaubt jedoch, in der Biografie des Herzogs die besonderen Umstände ausgemacht zu haben, die diesen Sonderfall rechtfertigten. „Gustav Adolf hatte mehrere Töchter unter die Haube zu bringen. Damals verhandelte er mit mit dem dänischen Königshaus über die Anbahnung einer Ehe einer seiner Töchter mit dem Kronprinzen Frederik. Die Auflage an den Münzmeister, das Schwaaner Geld gleich nach Lübeck zu schicken, könnte darauf hindeuten, dass es in das Eheprojekt floss“, sagt Bramow. In dem möglichen Verschwinden des Geldes nach Skandinavien sieht er einen Grund dafür, weshalb nur wenige in Schwaan geprägte Taler überliefert sind – und selbst die gelten als verschollen. Das Münzkabinett des Staatlichen Museums Schwerin verfügte über ein Exemplar, das 1945 verschwand – daher ist das Aussehen der Münze mit einem Halbprofil Gustav Adolfs bekannt. Dieses Halbprofil war nach Meinung Bramows möglicherweise ein Grund, weshalb die Münzen nach erfolgreicher Ehevermittlung in Skandinavien wieder eingeschmolzen und das Material neu verwendet wurde – möglicherweise angenommenes Bestechungsgeld wurde so unauffindbar.

Auch von anderen in Schwaan geprägten Geldstücken sind nur wenige erhalten. Bramow hat alle in seinem Buch, das auf den vorangegangenen Forschungen des deutschen „Münzpapstes“ Michael Kunzel fußt, neu katalogisiert. Weitere möchte er ausfindig machen. Eine Spur erhofft er sich zum Beispiel von Akten, die möglicherweise mit einer kaiserlichen Kommission das Land in Richtung Niedersachsen verlassen haben. Die Kommission war nach dem Tod Gustav Adolfs 1695 eingesetzt worden, um das in Unordnung geratene Münzwesen neu zu ordnen. „Möglicherweise harren diese Akten irgendwo ihrer Entdeckung“, sagt Bramow. Für ihn steht fest: Hier könnte sein Forschungsprojekt für den nächsten Winter liegen.


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