Historisch : Ein Grab fernab der Heimat

Der hier bestattete russische Graf Puschkin war 1813 im Kampf gegen Truppen Napoleons gefallen.
Der hier bestattete russische Graf Puschkin war 1813 im Kampf gegen Truppen Napoleons gefallen.

Im Ludwigsluster Schlossgarten ruht der russische Graf Mussin Puschkin.

nnn.de von
14. November 2015, 16:00 Uhr

Im Schlossgarten von Ludwigslust, etwa 30 Meter vom Mausoleum entfernt, in dem Helene Paulowna, Großherzog Friedrich Franz III. und andere Mitglieder der herzoglichen Familie ruhen, befindet sich das Grab eines russischen Majors. Die Inschrift offenbart Genaueres: „Hier ruht der am 2. April 1813 bei der Einnahme von Lüneburg gefallene Graf Mussin Puschkin, Kayserlich Russischer Major des Isumschen Husaren-Regiments“, ist zu lesen.

Doch wie kam es, dass der Adlige seine letzte Ruhe ausgerechnet an dieser Stelle fand? Als Major Graf Puschkin im Kampf um die Befreiung der deutschen Stadt Lüneburg von einer feindlichen Kugel getroffen wurde, geleitete sein Bruder den Schwerverwundeten zunächst nach Boizenburg. Hier fand er im Hause des damaligen Bürgermeisters Mussäus Unterkunft und Pflege. Kurz vor seinem Tod äußerte Graf Puschkin den Wunsch, seine letzte Ruhestätte in der Nähe einer orthodoxen Kapelle zu finden. Die gab es in Norddeutschland nur in Ludwigslust.

Erbgroßherzog Friedrich Ludwig erfüllte diesen letzten Wunsch. Auch er hatte 1813 am Kampf gegen Napoleon teilgenommen und somit gegen den gleichen Feind gekämpft. Die Leiche des Grafen wurde unter militärischem Geleit im Ludwigsluster Schlossgarten bestattet. In den Tagebuchaufzeichnungen, die Friedrich Ludwig zwischen 1811 und 1813 führte, vermerkte er unter dem 4. April 1813: „Der Ball endete indem ein Detaschement Russischer Husaren ankam welches auf morgen die Ankunft der Leiche des Majors Grafen Mussin Puschkin meldete welcher in der glänzenden Affäre von Lüneburg blessiert und heute in Boizenburg gestorben ist. Die Leiche soll hier nach den Gebräuchen der Russischen Kirche begraben werden.“

Am 5. April schrieb Friedrich Ludwig in sein Tagebuch: „Die Leiche ist diesen Morgen gegen 8 Uhr angekommen und in meiner griechischen Capelle niedergesetzt worden. Der Bruder des Verstorbenen, Obrist u. Kammerherr begleitete den Leichnam. Seine Trauer ist unbeschreiblich. Der Verblichene soll ein Mann von seltenen Verdiensten gewesen seyn.“ Am 6. April kann man im Tagebuch lesen: „Diesen Morgen ist der Major Mussin Puschkin in meinem Garten nahe der griechischen Capelle beerdigt worden. Die Ceremonie war äußerst angreifend und rührend, der Schmerz des unglücklichen Bruders grenzenlos und hat mich tief erschüttert.“

Bei der 50-jährigen Erinnerungsfeier, die im Jahre 1863 stattfand, wurde das Grab mit einem eisernen Gitter versehen. Dieses Gitter wurde am 18. Oktober 1863 übergeben. Der Arbeiter Menk aus Techentin, der als junger Mann das Grab des Majors Puschkin ausgehoben hatte, war zu diesem Zeitpunkt immer noch im Park für den Großherzog tätig. Der Herrscher gewährte ihm an diesem Tag ein jährliches Gnadengeld.

Zu Ehren des 100. Todestages des Grafen Puschkin fand am 2. April 1913 an seinem Grab eine militärische Gedächtnisfeier statt. Hieran nahmen der Großherzog, die Großherzogin sowie Herzog Paul Friedrich, Herzogin Antoinette und einige Offiziere des Dragonerregiments teil. Von russischer Seite erschienen der russische General a la suite Sr. Majestät des Kaisers, Tatischeff, der russische Militär-Attache in Berlin, Oberst Basaroff, der russische Generalkonsul in Leipzig, Graf Mussin Puschkin mit Sohn als Nachfahren, eine Abordnung des russischen Isumschen Husaren-Regiments und der Obergeistliche der Kaiserlichen Botschaftskirche in Berlin, Sacharoff, der eine längere Ansprache in deutscher Sprache sowie ein Gebet in russischer Sprache hielt. Danach wurden die Kränze niedergelegt. Der Kranz des Sohnes des russischen Generalkonsuls Graf Mussin Puschkin trug folgende Widmung in französischer Sprache: „Dem in der Schlacht bei Lüneburg für den Ruhm seines Vaterlandes und die Ehre seiner Fahne gefallenen Vorfahren nach 100 Jahren im frommen Gedenken, die Nachkommen.“ Am Nachmittag des 1. April ein Uhr fand in der Villa Gustava ein Essen statt, an dem auch die russischen Gäste teilnahmen.

Der Heimatforscher Detlef Gosselck schrieb zum 150. Todestag: „Zwei Gräber im Kreise Ludwigslust künden von dem Heldentum dieser Zeit. Das Grab des russischen Majors Mussin Puschkin im Ludwigsluster Schlossgarten und das Grab des deutschen Freiheitsdichters und Kämpfers Theodor Körner. Beide starben für ihr Vaterland, für das gleiche Ziel: Für die Freiheit.“

Im vergangenen Jahr wurde das Grab des Grafen Mussin Puschkin restauriert und befindet sich wieder im ursprünglichen Zustand. Auch andere Anlagen wurden restauriert und teilweise neu gestaltet.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen