Biografie : Ein Künstler auf dem Sprungbrett

In großen Wandbildern hielt Ludwig Bang mit Doberan und Heiligendamm verbundene Legenden und Geschichten fest.
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In großen Wandbildern hielt Ludwig Bang mit Doberan und Heiligendamm verbundene Legenden und Geschichten fest.

Nach fast 20 Jahren Aufenthalt in Amerika kehrte Ludwig Bang kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Mecklenburg zurück.

nnn.de von
02. Februar 2018, 00:00 Uhr

In der alten Torfscheune neben dem Forsthaus in Doberan kam 1857 Ludwig Friedrich Karl Bang zur Welt. Als Forstgärtner öffnete der Vater dem Jungen die Augen für die Schönheit der Natur. Erklärte ihm die Fauna und Flora in der Region und weckte so frühzeitig das Gefühl des Kindes für die Schönheit der von Wald und Meer geprägten Landschaft rings um die kleine Stadt. Und für Ludwig oder „Luden“, wie er genannt wurde, stand schon bald fest, Künstler zu werden. Seine hohe zeichnerische Begabung zeigte sich bereits in der Schule, im berühmten Lübecker Gymnasium, dem Katharineum, wo er sein Abitur ablegte.

Auf den Kunstakademien in Düsseldorf und vor allem in München erwarb der junge Kunststudent das notwendige Rüstzeug und beeindruckte seine Lehrer mit einem sicheren Gefühl für Form, Farbe und Linienführung.

Eines seiner ersten Gemälde erregte bei der Ausstellung im Münchener Glaspalast „durch seinen krassen Realismus die Aufmerksamkeit der Kunstwelt“, wie die mit Bang befreundete Doberanerin Margarethe Henning-Hennings schrieb. Diese wichtige Exposition war gleichzeitig ein Sprungbrett für den Künstler, der vor allem mit seinen großen Wandmalereien in Rathäusern, Hotels, Restaurants oder öffentlichen Gebäuden die Auftraggeber ebenso wie das Publikum begeisterte.

Vor allem widmete sich Ludwig Bang den mit Städten wie München, Luzern oder Nürnberg, viel später auch mit Doberan und Heiligendamm verbundenen Legenden und Geschichten und gestaltete diese überaus anschaulich in seinen Wandbildern. Von München aus ging Bang auf Reisen nach Italien und Frankreich, um hier die großen Kunstwerke an Originalstätten oder Museen kennen zu lernen. 1893 schließlich reiste er nach Nordamerika, wo in Chicago die Weltausstellung eröffnet wurde.

Jene große Schau, die neben neuen technischen Errungenschaften einen Überblick über das gesamte geistige Schaffen jener Zeit vermittelte, auch über die bildenden Künste. Bang durchquerte die Vereinigten Staaten und siedelte in der Hafenstadt Toledo am Eriesee.

Dort schuf er sich einen neuen Wirkungskreis und wurde in der Stadt und in der umgebenden Region bekannt für seine dramatischen und lyrischen Gemälde, wiederum Wandbilder. Die Thematik reichte von Christi Himmelfahrt über deutsche Märchen bis zu historischen Themen. So entwarf er für das Hotel Kaiserhof in Toledo im Stil der Historienmalerei ein Bild mit der Geschichte aus der Zeit der Hohenstaufen, in dem es um Leben und Tod des Kaisers Friedrich I. geht, bekannt auch als Kaiser Rotbart oder Barbarossa. Nach fast 20 Jahren Amerikaaufenthalt kehrte Ludwig Bang kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Mecklenburg zurück, in seine Geburtsstadt Doberan.

Womit er in den USA geendet hatte, damit begann er in der Heimat – mit in Bildern dargestellten Landschaften und Geschichtsthemen. Dieses Mal aber mit regionalen Motiven wie die „Legende vom Heiligen Damm“ mit Mönchen und Sturmflut und die „Legende von der Gründung Doberans“ mit Jagdszene und Schwan. In den ersten Jahren nach dem Krieg besaß Ludwig Bang in Heiligendamm ein Atelier, später in der Dammchaussee 34 in Bad Doberan, in der damaligen Villa von Dr. Witte aus Rostock. Hier entstanden etliche Doberan-Gemälde wie „Der alte Lindenhof“ mit Postkutsche, der „Blick auf Doberan vom Amerikagehölz“ oder „Althof mit Ziegelei“.

Einiges hängt im schönen Möckelhaus, wo auch das Stadt- und Bädermuseum seit Langem seinen Platz gefunden hat. Das Geld für Kunst wurde angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland knapper, und das merkte auch Ludwig Bang. Er musste sein Atelier aufgeben und bewohnte mit seiner Schwester in der Beethovenstraße eine kleine Wohnung. Bang schrieb mehrfach an den Rat der Stadt und unterbreitete seine unterschiedlichen künstlerischen Angebote, vor allem über die Geschichte des Ortes Doberan. Doch er konnte nur noch ein Wandbild verkaufen und musste im Preis heruntergehen, von 1200 auf 600 Mark. Der Maler suchte nun ein neues künstlerisches Genre, das Porträt, und kam damit nur mühsam zu finanziellem Erfolg, so dass er im Alter verarmte. Er malte praktisch für das tägliche Brot und für die Miete und bezahlte beides mit seinen Bildern. Seine Rente betrug 25 Mark.

Nach langem und meist erfolgreichem Künstlerleben lebte Ludwig Bang letztlich im Doberaner Armenhaus in einem kleinen Stübchen. Den Doberanern war er ein vertrauter Zeitgenosse, der, bekannt für seine grüne Lodenjoppe und den Schlapphut, oft auf dem Kamp anzutreffen war. Die mächtigen Linden auf diesem Platz wurden um 1830/40 von seinem Vater mit gepflanzt.

Bang starb am 9. März 1944 und wurde auf dem Friedhof in Bad Doberan beerdigt.

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