Buchdruck : Schwarze Kunst verändert die Welt

Nachbau einer Gutenberg-Presse im Buchdruckmuseum in Krakow am See
Nachbau einer Gutenberg-Presse im Buchdruckmuseum in Krakow am See

Vor 550 Jahren starb Johannes Gutenberg. Rostock gehörte zu den Zentren des Druckgewerbes im Ostseeraum.

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02. Februar 2018, 00:00 Uhr

„Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert, und mehr als das Blei der Flinte das Blei des Setzkastens.“ Das resümierte bereits im 18. Jahrhundert Georg Christoph Lichtenberg. Das Blei aus dem Setzkasten ist noch älter: Es gibt es seit über einem halben Jahrtausend, seit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Der Vater des Buchdrucks, Johann Gensfleisch, starb vor 550 Jahren, vermutlich am 3. Februar 1468. Bekannt wurde er unter dem Namen Johannes Gutenberg. Seine Erfindung hielt der Autor Mark Twain für das „weitaus größte Ereignis der Weltgeschichte“ und amerikanische Historiker erklärten Gutenberg 1999 zum „Mann des Jahrtausends“.

Gutenbergs Erfindung verbreitete sich rasend schnell – die Zeit war reif dafür. Selbst in Mecklenburg dauerte es nicht Jahrzehnte bis zum Druck eines Buches mit beweglichen Lettern. 1476 wird in der Druckerei der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ in Rostock das erste Buch gedruckt. Diese Laienbrüder, auch Michaelisbrüder genannt, waren zuvor schon mit ihren Handschriften als Büchermacher bekannt gewesen – sie hatten schnell umgelernt! Zu berichten wäre auch von Nicolaus Marschalk aus Rostock, Universitätslehrer und Diplomat. Er druckte 1512 die „Sternberger Judengeschichte“, einen Bericht über die Verbrennung von 27 Juden wegen angeblicher Hostienschändung in Sternberg 1492. Der Drucker Ludwig Dietz hatte Werkstätten in Rostock und Lübeck, den Schwerpunkten des Druckgewerbes im Ostseeraum. 1558 wurde Dietz in Rostock zum Universitätsdrucker ernannt. Schon 1534 hatte er in Lübeck eine Bibel in Niederdeutsch gedruckt, der Sprache der norddeutschen Hanse.

Aber zurück zu Gutenberg. Über dessen Leben ist wenig bekannt. Er wurde um 1400 in Mainz geboren, wo er 1468 starb; verarmt und fast erblindet – so die Legende.

Bei seinem Vater erlernte er das Handwerk eines Goldschmieds und studierte, wie angenommen wird, einige Zeit in Erfurt, ehe er sich von 1436 an in Straßburg mit der Druckerkunst beschäftigte. 1448 eröffnete er in Mainz eine eigene Druckwerkstatt.

Die Vervielfältigung von Texten erfolgte bis zu dieser Zeit durch speziell ausgebildete Mönche in Schreibstuben. Um ein großes Werk, wie zum Beispiel die Bibel, zu kopieren, brauchte ein Schreiber wenigstens drei Jahre. So ein handgeschriebenes Buch kostete etwa 500 Gulden – für 100 Gulden konnte man in Mainz ein aufwendiges Steinhaus erwerben. Als gängige Drucktechnik gab es den Holztafeldruck: Text und Bild mussten mühsam und spiegelverkehrt in einen Holzblock geschnitten werden.

Gutenbergs geniale Idee war es nun, einen Text in seine Grundbestandteile aufzulösen, in die großen und kleinen Buchstaben, die man dann immer wieder neu zu Wörtern und Zeilen zusammensetzen konnte. Diese „beweglichen Lettern“ wären aus Holz nicht allzu oft verwendbar gewesen, Gutenberg fertigte sie daher aus Metall. Die Schriftzeichen wurden spiegelverkehrt in einem Handgießgerät gegossen, in unterschiedlichen Größen und Schrifttypen. Zu Wörtern und in Zeilen zusammengestellt und eingefärbt ergaben diese Lettern beim Druck auf Pergament und Papier einen deutlich lesbaren Text. Und, das war besonders wichtig, sie konnten mehrfach benutzt werden! Gutenbergs Erfahrungen als Goldschmied und die Beschäftigung mit Metallkunde in Straßburg waren Voraussetzungen, für den Guss der Lettern die optimale Legierung zu finden. Sie bestand aus 83 Prozent Blei, neun Prozent Zinn, sechs Prozent Antimon und Spuren von Eisen und Kupfer. Sie war weich genug, um alle Feinheiten zu erreichen und hart genug, um sie viele Male verwenden zu können. Als Druckerpresse benutzte Gutenberg eine umgebaute Weinpresse, die schwarze Druckfarbe bestand aus Lampenruß und Firnis. So kam der Buchdruck zu dem Namen „Schwarze Kunst“.

Das Buchdruckmuseum in der Alten Schule in Krakow am See widmet sich dieser „Schwarzen Kunst“ bis heute. Anliegen ist die Erinnerung an eine alte Handwerkskultur – und auch an deren Erfinder. Zum Beispiel ist der Nachbau einer Gutenberg-Presse zu sehen. Im Museum können sich Besucher erfahren, wie Lettern von Hand zu Wörtern zusammengesetzt und Texte für die Druckmaschine vorbereitet wurden. Denn in unserem digitalen Zeitalter ist der Buchdruck, wie ihn Gutenberg entwickelt hatte, schon wieder Geschichte.

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