Rostock : Stadtrundfahrt reizt Lachmuskeln

Angesteuert wird auch das Rathaus der Hansestadt.
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Angesteuert wird auch das Rathaus der Hansestadt.

Bustouren der anderen Art bringen frischen Wind in die Hansestadt Rostock.

nnn.de von
26. Januar 2018, 12:00 Uhr

Sehen Sie hier das alte Rathaus. Es ist Sitz der Stadtverwaltung. Seine Türme und barocke Fassade stammen aus dem 18. Jahrhundert... Aha! Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Stadtführungen sind nicht jedermanns Sache. Häufig predigen Schirmträger nur die Fakten von Sehenswürdigkeiten herunter. Dabei kramen sie für gewöhnlich Unmengen von Jahreszahlen hervor. Klassische Stadtrundfahrten mit dem Bus stellen oft keine bessere Alternative da. Hier läuft die ganze Chose mitunter sogar lieblos vom Band.

Schluss mit Langeweile, sagten sich einige Kreative der Werbeagentur Juni Media in Rostock und brachten im Frühjahr 2015 die Lachrundfahrt ins Rollen – eine Art Comedy-Show auf Rädern. Wettersicher im Reisebus verpackt, geht es kreuz und quer durch die Stadt. Vorbei am Komponistenviertel, am Rathaus, dem Fußballstadion, der Marienkirche... Während der Fahrt bekommen die Businsassen historische Fakten über die Hansestadt mit humorvollen und skurrilen Anekdoten und Witzen serviert. Die Lachmuskeln werden auf der 90-minütigen Fahrt also ordentlich beansprucht.

Zwischendurch wird der „Businhalt“ immer mal wieder an die frische Luft gekippt. „Ansonsten spielt sich auf der ungewöhnlichen Stadtrundfahrt das Spektakel im Innern ab“, sagt Thomas Böhm von der Juni Media GmbH. „Ein Moderator und ein Comedian ziehen abwechselnd mit ihrem ganz persönlichen Charme die Aufmerksamkeit auf sich. Sie präsentieren Anekdoten berühmter Persönlichkeiten der Geschichte und Gegenwart, nehmen eigenartige Sitten und Gebräuche der Norddeutschen aufs Korn. Um längere Fahrstrecken zu überbrücken, flimmern kleine Filmchen über die Bildschirme. Organisatorisch ist die Lachrundfahrt für uns durchaus eine Herausforderung.“

Wer an dieser Stelle denkt, Touristen würden sich dieses Spektakel auf Rädern vorzugsweise zu Gemüte führen, der irrt. Es sind vor allem Einheimische, die sich eine Stadtrundfahrt der anderen Art gönnen und Rostock von seiner lustigen Seite kennen lernen wollen. Anlass sind zumeist Familienfeste, Hochzeitsveranstaltungen und Betriebsausflüge. Auch Seniorengruppen gehören immer wieder zu den Gästen, die im Bus unentwegt rumkichern. Die neue Form des Partytourismus macht also vor keiner Altersgruppe halt. „Rollende Unterhaltungsshows gibt es bereits in anderen großen Städten wie Hamburg und Berlin“, weiß Thomas Böhm. Diese Welle habe man mal eben nach Rostock schwappen und sie dann ins Projekt Lachrundfahrt münden lassen. „Dennoch ist es nicht so, dass alle unsere Gäste sich auf der Fahrt kringeln vor Lachen. Die Menschen und ihr Humor sind nun mal grundverschieden. Es gibt die Menge, die herzhaft lacht, es sind aber auch immer mal wieder Einzelne dabei, die die ganze Zeit ein ernstes Gesicht machen und keine Miene verziehen. Manchmal fragt man sich dann, warum die überhaupt mitgefahren sind.“

Es ist anzunehmen, dass diese Gäste eher Gefallen gefunden hätten an einer Stadtrundfahrt, bei der sich ihnen die Nackenhaare sträuben. Auch die gibt es seit einem Jahr in Rostock. „Und sie läuft im Prinzip ähnlich ab wie die Lachrundfahrt“, erklärt Thomas Böhm. „Mit dem kleinen Unterschied, dass bei unserer Geisterrundfahrt nur ein Moderator an Bord ist und die Fahrt zu Ecken in Rostock führt, an denen gruselige Dinge passiert sind. Erzählt werden furchteinflößende Legenden und Geschichten von Rostocks dunklen Seiten, die größtenteils auf Tatsachen beruhen. Wie etwa die schrecklichen Morde in den Wallanlagen.“

Gewürzt wird die Tour mit kleinen Geisterfilmen auf den Bildschirmen sowie einem unheimlichen Herrn, der die ganze Zeit im Bus mitfährt. Jener Mann trägt Hut und Maske und scheint aus dem 18. Jahrhundert zu stammen. Der gruselige Passagier redet die ganze Fahrt über kein einziges Wort.

Ganz frisch an den Start ging im vergangenen Herbst in Rostock übrigens die Fabelhafte Stadtrundfahrt. Sie ist die dritte im Bunde der ungewöhnlichen Bustouren. Thomas Böhm verrät, dass die unterhaltsame Fahrt mit vielen Anekdoten zu Ros-tocks Stadtgeschichte gespickt wurde. „Sie ist nicht trocken. Die Leute können sich Zahlen und Fakten ohnehin schwer merken. Dennoch ist es eine Tour mit einem Niveau, dem die Leute folgen können. Es geht uns sowieso bei allen drei Touren, bei der Fabelhaften Stadtrundfahrt, der Geisterrundfahrt und der Lachrundfahrt stets darum, den Teilnehmern norddeutsche sowie hansestädtische Identität zu vermitteln. Erfahrungsgemäß wächst den Rostockern ihre Stadt beim Staunen, Gruseln und Lachen besonders gut und eng ans Herz.“
 

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