zur Navigation springen

Historie : Wie die Mecklenburger zu ihren Namen kamen

vom
Aus der Onlineredaktion

Germanische Vornamen, Orte und alte Berufe flossen in niederdeutscher Schreibweise in Familiennamen ein

Im gesamten deutschsprachigen Raum etablierten sich Familiennamen erst ab dem 12. Jahrhundert. Ihre unterschiedliche Schreibweise folgte zunächst lediglich der Aussprache und dem Gehör. Ablesbare Dokumente zum Vergleichen gab es so gut wie gar nicht. Dieser Umstand erklärt die vielfältigen Schreibweisen heutiger Familiennamen gleichen Ursprungs. Der so entstandene Namenswirrwarr wurde erst mit Einführung der Standesämter 1875 durch Festschreibung der Familiennamen beendet.

Familiennamen wurden nach den Berufen ihrer ersten Träger sowie nach Eigenschaften, Herkunft oder Wohnstätten gebildet. Weitere Namen entstanden in Anlehnung an den Vornamen des Vaters oder waren einfach so genannte Übernamen. So lässt sich aus zahlreichen Familiennamen die regionale Herkunft der Vorfahren eines Namensträgers erkennen. Diese Erkenntnis trifft auch für Mecklenburg und den gesamten norddeutschen Raum zu. Die wohl bedeutendste Gruppe im norddeutschen Raum waren die Familiennamen, die sich aus einst in Norddeutschland beliebten germanischen Vornamen ableiteten, wie Arndt, Behrendt, Gaedtke, Lüdtke, Ulrich, Wilke oder Willert. Eine weitere Gruppe geht auf die Zeit der wendischen Besiedlung zurück: Gustloff, Teske, Tetzlaff u. a., alle in ihren unterschiedlichen niederdeutschen Sprech- und Schreibweisen.

Eine ebenfalls recht große Anzahl niederdeutscher Familiennamen leitet sich von Orten Mecklenburgs ab: Böckmann, Krasemann, Klinkmann, Plagemann (Plau), Poehlmann... Weitere Familiennamen bezeichnen alte Berufe in ihrer niederdeutschen Schreibweise, Beispiele sind Plöger, Niebuer, Scheper, Herder, Möller, Kröger, Kopmann, Schlüter, Schütte. Selbst die in Mecklenburg vorkommenden Eigenschaftsnamen finden sich als Familiennamen in ihrer niederdeutschen Schreibweise wieder. Hierzu zählen die Namen Blanck, Struwe, Kruse, Knaacke, Frahm, Stuhr, Voge und weitere. Dass auch Übernamen in verschiedensten Sprach- und Schreibweisen zu niederdeutschen Familiennamen wurden, erfuhr der Autor aus eigener Familiengeschichte: Bei der Rückverfolgung des Familiennamens Fell erscheint der Name bereits um 1800 in der Schreibweise Felde, was zunächst auf eine Verwechslung schließen ließ, gleichwohl von den freundlichen Mitarbeiterinnen des Mecklenburgischen Kirchenbuchamtes in Schwerin erklärt werden konnte: Der Familienname änderte sich nach 1800 in seine niederdeutsche Schreibweise (Feld = Fell). Bei weiteren Nachforschungen bestätigte sich die bereits oben erwähnte Feststellung der unterschiedlichen Schreibweisen eines Familiennamens einfach nur nach Klang und Gehör. So finden sich vor 1800 Kirchenbucheinträge zu Vorfahren und deren Familien in den Schreibweisen Felde, Vell und Velle. Um 1750 werden die Namenseinträge mit Felde, Felden, Felder, Fellens und Felle noch bunter und münden um 1700 bei dem Vorfahren Hans vom Felde. Der Name Fell lehnt sich also nicht an den Umgang mit Tierhäuten an, sondern deutet recht simpel auf schwere bäuerliche Arbeit hin.

Etwas anders verhielt es sich mit der Familie Herbst. Ein solcher Zeitname lässt darauf schließen, dass sein erster Träger zu dieser Jahreszeit besondere Aufgaben oder Verpflichtungen zu erfüllen hatte, die sich für Bauern aus den Tätigkeiten ergaben, welche wohl nach der Erntezeit zu verrichten waren.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen