Daniil Trifonov auf Schloss Bothmer : „Musik besitzt etwas Einzigartiges“

Pianist Daniil Trifonov hält Selbstkritik für bedeutsam.
Pianist Daniil Trifonov hält Selbstkritik für bedeutsam.

Daniil Trifonov gilt als begnadeter Pianist. Heute gastiert der Künstler mit dem Konzerthausorchester auf Schloss Bothmer.

nnn.de von
18. August 2018, 05:00 Uhr

Von Moskau bis New York wird Daniil Trifonov als vielleicht genialster Pianist seiner Generation gefeiert, selbst die große Martha Argerich attestiert ihm Einmaligkeit. Doch Interviews sind nicht die Welt des Russen, schon gar nicht, wenn es um Themen jenseits der Musik geht. Dann verfällt der 27-Jährige immer wieder in langes Schweigen, sucht verzweifelt nach einer Antwort – fast scheint es, als quäle sich der auf den Tasten so gänzlich Furchtlose durch Worte und Sätze. Christoph Forsthoff hat es vor seinem Konzert mit dem Konzerthausorchester Berlin in Klütz dennoch versucht.

In aller Welt werden Sie als Tastengenie bejubelt – sind Sie ein Superstar?
Trifonov: Ein Künstler sollte sich nicht auf solch eine Frage konzentrieren, sondern hat zu allererst selbstkritisch zu sein.

Sie denken also nie darüber nach, ob es stimmen könnte, dass Sie ein Genie sind?
Ich bleibe dabei: Entscheidend ist die Selbstkritik – und neues Repertoire zu lernen. Es ist wichtig, niemals aufzuhören zu lernen und neugierig zu sein, denn es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Das Klavierrepertoire ist eines der größten und umfangreichsten, das für Instrumente geschrieben worden ist, und das Wichtige und Entscheidende ist, sich auf die Erarbeitung neuer Werke zu konzentrieren, um das eigene Repertoire zu erweitern.

Wie gehen Sie bei diesem Werksstudium vor?
Da gibt es keine Regel, denn jeder Tag und jedes Konzert ist anders – wenn ich das gleiche Stück in verschiedenen Konzerten spiele, so entwickelt sich die Interpretation von Konzert zu Konzert.

Wobei ich anfangs natürlich darauf schaue, dass die Technik stimmt: Dann kommt die Zeit, wo man das Stück beiseitelegen sollte, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen – vorherrschend bleibt dabei aber immer die Idee der Interpretation.

Nun schwärmt alle Welt von eben dieser, fantastischen Technik bei Ihnen – ist diese das Ergebnis harten Drills während Ihrer Kindheit und Jugend?
Ich hatte das große Glück, mit Tatiana Zelikman und Sergei Babayan zu studieren – zwei unglaublichen Musikern. In ihrem Unterricht ging es allerdings nie um Technik, sondern die Gedanken kreisten stets um die Musik.

Welches sind die nachhaltigsten Eindrücke, die Sie aus Ihrer Kindheit erinnern?
Oh, da gibt es viele! Begonnen habe ich ja als Komponist – als ich dann anfing, mehr Klavier zu spielen… oder welche Art von Erinnerungen meinen Sie?
Jene, die Sie als Kind geprägt haben.

Eine nachhaltige Erinnerung war unser Umzug nach Moskau, als ich neun Jahre alt war. Geboren bin ich in Nischni Nowgorod, dort habe ich auch meinen ersten Unterricht erhalten; doch dann wollten meine Eltern, dass ich bei Tatiana Zelikman am Gnessin-Institut studiere, und deshalb sind wir alle umgezogen.

Das war schon eine große Veränderung, jene Stadt und Umgebung zu verlassen, wo ich bis dahin aufgewachsen war, denn für mich bedeutete das ein völlig neues Leben.

Inwiefern?
Moskau war eine völlig fremde Stadt – und gerade anfangs war es schon eine echte Herausforderung, allein anderthalb Stunden mit Bus und U-Bahn für den Weg zur Schule zu brauchen, so dass ich jeden Tag drei Stunden unterwegs war.

Deshalb hatte ich auch weniger Zeit zum Komponieren, doch dafür habe ich mich dann mehr dem Klavier gewidmet.

Andere Kinder in dem Alter spielen mit Freunden…
…natürlich kannte auch ich ein ganz normales Leben und wir haben etwa Fußball gespielt. Doch daneben habe ich schon dreieinhalb bis vier Stunden am Tag Klavier geübt, mit 13, 14 Jahren waren es dann fünf Stunden, ja manchmal sechs Stunden – und später konnten es dann auch sieben Stunden sein, die ich mich täglich mit dem Instrument beschäftigt habe.

Spätestens da blieb dann aber tatsächlich keine Zeit mehr für andere Aktivitäten, oder?
Das ist eine Frage, was dir am meisten Spaß macht – wenn man Freude am Üben hat, dann fehlt einem auch nichts. Wäre mir Fußball wichtiger als Musik gewesen, dann hätte es vielleicht Sinn gemacht, dass ich mehr Fußball trainiert hätte. Doch auch wenn ich Fußball mag, so besaß die Musik für mich doch etwas Einzigartiges und von daher hatte ich auch kein Problem damit, dort viel Zeit zu investieren.

Auf welcher Position haben Sie denn gekickt?
Entweder als linker Verteidiger oder als rechter Außenstürmer… (lacht)

… und dort auch Tore geschossen?
Das ist lange her – inzwischen schaue ich mir Fußball nur noch an. (lacht) Besonders gern verfolge ich die Spiele des FC Barcelona – und ich fiebere mit ZSKA Moskau! Übrigens beides Teams, für die ich mich schon seit meiner Teenager-Zeit begeistere.

Klütz: 18. August, 19 Uhr,  im  Park von Schloss Bothmer,  Karten 33 bis 66 Euro,Telefon 0381/4917923
 

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