Zukunftspakt : MV-Wirtschaft verliert bundesweit den Anschluss

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MV droht trotz guter Stimmung in den Unternehmen den Anschluss zu verlieren. Verbände steuern mit Drei-Punkte-Plan gegen

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03. Januar 2018, 05:00 Uhr

Vorsorge in Boomzeiten: Die Stimmung in der Wirtschaft in MV hat sich noch einmal „deutlich verbessert“. Bau, Handel, Metall- und Elektroindustrie, Gebäudeausrüster, Energietechniker – alle erwarten steigende Umsätze, geht aus dem gestern vorgestellten Jahresausblick der Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VU) hervor. 86 Prozent der Firmen gehen von guten oder besseren Geschäften aus – elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als jedes zehnte Unternehmen will neues Personal einstellen. Die „insgesamt gute Stimmung“ hält an, erklärte VU-Präsident Thomas Lambusch.

Und doch nehmen die Sorgen in den Chefetagen zu. MV laufe Gefahr, den Anschluss an die Gesamtentwicklung in Deutschland zu verlieren, „wenn nicht energisch gegengesteuert“ werde, warnte der Arbeitgeberpräsident. Die Erwartungen in MV könnten nicht mit „dem großen Optimismus der deutschen Wirtschaft“ mithalten. Umsatzerwartungen, Investitionen und Neueinstellungen fielen im Nordosten „wesentlich zurückhaltender“ aus.

Die Wirtschaft drängt auf Veränderung: Die Unternehmensverbände schlugen daher einen Zukunftspakt Wirtschaft, Arbeit, Digitalisierung vor. In dem Drei-Punkte-Pakt wird u. a. eine Industrie- und Ansiedlungsinitiative, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, eine Digitaloffensive sowie Hilfe bei der Sicherung von Fachkräften gefordert.

Neuer Name für eine alte Runde: Inhalt und Ziele des Paktes gleichen allerdings denen, die im Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit seit Jahren zwischen den Sozialpartnern und der Landesregierung debattiert worden sind. Allein die Erhöhung des Lohnniveaus, wie bislang im Bündnis vereinbart, steht nicht mehr im Zukunftsplan.

Der Pakt solle die bisherige Bündnisrunde ablösen, sagte Lambusch. Zu bürokratisch, nicht ausreichend effizient – gemessen an den vielen Papieren der Bündnisrunde seien die Ergebnis mager ausgefallen. Künftig solle sich jährlich auf eine Spitzenrunde beschränkt werden, die sich auf Zukunftsthemen konzentrieren müsse. Zum Beispiel auf eine Industrie- und Standortoffensive. Trotz Fortschritten bei der Ansiedlung von Unternehmen passiere in der Landesfördergesellschaft Invest in MV zu wenig, sagte Lambusch. Die Ansiedlungsoffensive sei nicht so, wie sie MV brauche, meinte VU-Geschäftsführer Jens Matschenz. Defizite sieht die Wirtschaft auch beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. MV habe zwar vom Bund jede Menge Fördergelder erhalten. Die Umsetzung der Projekte „dümpelt aber vor sich hin“, sagte Lambusch. Nach wie vor fehle es am Zusammenspiel der Ministerien für Wirtschaft und Digitalisierung, kritisierte Matschenz.

Der Alleingang der Wirtschaft stößt bei Sozialpartnern und Landesregierung auf Zurückhaltung: „Auf dem Wunschzettel der Arbeitgeber fehlen leider wichtige Themen“, meinte DGB-Landeschef Uwe Polkaehn. Höhere Löhne durch mehr Tarifverträge, familiengerechte Betriebszeiten, gesündere Arbeitsbedingungen: „Wer die digitalen Chancen nutzen will, muss die Beschäftigten einbeziehen, damit nicht der PC die Arbeit bestimmt, sondern der Mensch.“ MV komme nur mit mehr Tarifbindung aus dem Lohnkeller, meinte Polkaehn. Die Staatskanzlei kündigte Gespräche über den Zukunftsplan der Wirtschaft an. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) habe die Digitalisierung bereits als wichtige Zukunftsaufgabe benannt, sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Es sei schön, dass auch die Wirtschaft hier einen Schwerpunkt setze.



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