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Schweriner sitzt seit April fest : Pilger bald frei aus türkischer Haft?

vom
Aus der Onlineredaktion

Ehefrau hofft auf Freilassung Anfang Oktober

nnn.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Lichtblick für den seit fünf Monaten in der Türkei in Haft sitzenden Pilger David B. aus Schwerin: Seine Ehefrau hofft, dass der 54-Jährige Anfang Oktober frei kommen werde, sagte sie jetzt gegenüber unserer Redaktion. Am 2. Oktober ende die halbjährige Frist, in der in der Türkei Menschen ohne Grund in Haft sitzen könnten. Deshalb gehe sie davon aus, dass ihr Mann entlassen werde. Noch bleibe aber die Unsicherheit. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Haftzeit noch weiter verlängert werde, sagte David B.s Ehefrau. Noch vor kurzem hatte sie erklärt: „Ich bin sicher, dass er wieder nach Hause kommt.“

Der Schweriner war im November vergangenen Jahres zu einer Pilgertour nach Jerusalem aufgebrochen – in südöstliche Richtung über Polen, Bulgarien, allein und ohne Geld. Ostern dieses Jahres wollte er früheren Angaben zufolge an der Klagemauer stehen. Stattdessen war er überraschend und ohne bislang nachvollziehbaren Grund im April im Süden der Türkei in der Provinz Hatay von den türkischen Behörden festgesetzt und später in ein Abschiebelager in Erzurum im Osten des Landes gebracht worden. Ihm war offenbar vorgeworfen worden, dass er südlich der Stadt Antakya ein Sperrgebiet betreten haben soll. Das habe er aber nicht getan, hätte ihr Mann in Telefongesprächen versichert, hatte seine Ehefrau erklärt. Nach wie vor ist der Haftgrund nicht bekannt. David B. war seinerzeit auf der Suche nach sich selbst und Gott auf Pilgertour gegangen – 3500 Kilometer „jeden Meter zu Fuß“, hatte seine Frau erklärt. „Sein persönliches Anliegen war ein großes Gebet mit den Füßen für Frieden und Völkerverständigung.“

Die Schweriner Familie muss sich in Geduld üben: Sie und die Kinder bauten auf den Kontakt deutscher Behörden mit den türkischen, erklärte die Ehefrau weiter: „Da haben wir volles Vertrauen.“ Ihrem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut. Er habe in der letzten Zeit in der Haft psychische und physische Krisen durchlebt. „Es geht ihm aber wieder besser“, sagte seine Ehefrau nach Kontakten mit ihrem Mann per Telefon. Allerdings müsse er sich in der Türkei einer Operation unterziehen. Nähere Angaben machte sie nicht.

David B. ist kein Einzelfall: Inzwischen befinden sich elf deutsche Staatsbürger u. a. wegen des Verdachts politischer Straftaten in türkischer Haft, etwa wegen mutmaßlicher Unterstützung von Terroristen und Putschisten. Erst zu Wochenbeginn war offenbar ein weiteres deutsches Ehepaar nach Informationen der Bundesregierung festgenommen worden. Zuvor war Ende August ein deutsches Ehepaar mit türkischen Wurzeln in Antalya festgesetzt worden. Als Reaktion auf die Verhaftung eines Menschenrechtlers und anderer Deutscher hatte das Auswärtige Amt bereits Mitte Juli seine Reisehinweise für die Türkei verschärft.  

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