Usedom-Krimi mit Katrin Sass : So etwas wie Nachhausekommen

Regisseur Uwe Janson (v.l.), Karin Lossow (Katrin Sass), Kommissarin Ellen Norgaard (Rikke Lylloff), Rainer Sellien (Holm Brendel) beim Drehstart zum neuen Usedom-Krimi „Mutterliebe“
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Regisseur Uwe Janson (v.l.), Karin Lossow (Katrin Sass), Kommissarin Ellen Norgaard (Rikke Lylloff), Rainer Sellien (Holm Brendel) beim Drehstart zum neuen Usedom-Krimi „Mutterliebe“

Katrin Sass dreht einen neuen Usedom-Krimi und meint, dass die Insel-Reihe eine Ausnahme in der Krimi-Flut ist

nnn.de von
14. Februar 2018, 21:00 Uhr

Es geht wieder um Mord, Intrigen, Klönsnack und Küstennebel: Auf der Insel Usedom haben die Dreharbeiten für die achte Folge des im rauen Küstenambiente angesiedelten „Usedom-Krimi“ begonnen. Abseits der touristischen Hochglanzbilder von sommerlichen Badestränden führt die Krimi-Reihe in die stillen Ecken der Insel, wo Beziehungskonflikte aufflammen, die Protagonisten Krisen durchlaufen und der Himmel eher grau als blau ist.

So auch bei der neuen Folge „Mutterliebe“, die voraussichtlich im Herbst 2019 ins Erste kommt. Frost legt am Mittwochmorgen Reif auf das Reetdach des Mörderhuses, in dem die Ex-Staatsanwältin Karin Lossow – gespielt von Katrin Sass (61) – lebt. Hier erfährt sie an diesem Morgen vom Tod des Strafverteidigers Björn Lewe, der kurz vor der Lösung eines älteren Falles stand. War es ein Mord aus Eifersucht oder Notwehr?

Heimatkrimis wie der Usedom-Krimi sind beliebt. Im Oktober vergangenen Jahres erreichten die Teile vier und fünf Marktanteile von 20,4 und 19,3 Prozent. Damit gehört der Usedom-Krimi nach Angaben des NDR mit teilweise mehr als sechs Millionen Zuschauern seit 2014 zu den erfolgreichsten Krimis am Donnerstagabend im Ersten. Produzent Tim Gehrke sieht den Erfolg dieses Genre in der Tradition begründet. „Das deutsche Fernsehen kommt von der Tradition des Heimatfilms. Menschen schauen gern ihre schönsten Regionen. Dazu kommt das Krimi-Element. Die Deutschen lieben das Schuld-und-Heimat-Thema“, sagt Gehrke.

Katrin Sass verkörpert die Hauptfigur, die Ex-Staatsanwältin Karin Lossow, die ihren Mann erschossen hatte und nun nach Jahren im Gefängnis auf die Insel zurückgekehrt ist. Es ist eine typische Sass-Rolle: eine Frau mit eigenem Kopf, Willen und Widersprüchen. Eigentlich, sagt Sass in der Drehpause, gebe es zu viele Krimis im deutschen Fernsehen. „Ich finde, es reicht. Ich fand es eine unheimlich tolle Zeit, als es Götz George gab, und man freute sich noch auf einen Krimi.“ Der Usdom-Krimi sei etwas anderes. „Vielleicht sehen uns die Leute gern, weil wir ein bisschen Familie miterzählen, weil wir Meer und Stimmung miterzählen.“ Die Drehs auf Usedom seien inzwischen so etwas wie „Nachhausekommen“, sagt die geborene Schwerinerin, die das typisch norddeutsche Spröde authentisch verkörpern kann.

Die Familiengeschichte im Krimi ist inzwischen um zwei Protagonisten gekappt - Lossows Tochter Julia Thiel (Lisa Maria Potthoff) und Enkelin Sophie (Emma Bading). Die beiden Schauspielerinnen verfolgen neue Projekte. Kommissarin Thiel wird ums Leben kommen. „Wenn jemand nicht mehr will, dann muss seine Rolle eben sterben“, sagt Sass trocken. Dennoch geht das Drama um die familiären Bande weiter. In Karins Gästezimmer wohnt Julias Nachfolgerin Ellen Norgaard, gespielt von der aus Dänemark stammenden Schauspielerin Rikke Lylloff. Sass schwärmt von der Zusammenarbeit – „eine tolle Kollegin“.

Regie führt Uwe Janson, der schon die siebte Folge „Windlicht“ drehte. Dass die Krimis nicht die Sonnenseite der Insel zeigten, sei eine bewusste Entscheidung. Im Herbst und Winter sei die Landschaft der Insel besonders schön. „Dann hat die Insel einen wahnsinnigen Charakter.“ Die gefrorenen Gewässer, diese Kühle, diese Weite und Klarheit, dieses tolle Licht, gerät Janson ins Schwärmen. Mit einer Drohne versucht er das Karge dieser Insel einzufangen. Schon allein im Garten des Mörderhuses ließen sich Impressionen für mehrere neue Fälle finden.

Die Tourismusbranche auf Usedom schätze die Dreharbeiten sehr, sagte der Kurdirektor der drei Kaiserbäder, Thomas Heilmann. „Die Usedom-Krimis erhöhen den Bekanntheitsgrad der Insel. Die Zuschauer sehen Teile der Insel, die sie vielleicht bislang nicht kannten. Das Ganze erscheint nicht in Werbebroschüren, sondern in einem redaktionellen Umfeld. Was will man mehr?“ Auch das eher raue Ambiente, das die Reihe von der Insel zeichnet, stört die Touristiker nicht. „Im Sommer“, sagt Heilmann, „sind die Betten sowieso voll.“

Martina Rathke

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