Polizeieinsatz von Lutheran : Staatsanwalt prüft Schuss

Zwei Zivilfahrzeuge haben den Pick-up in die Zange genommen.
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Zwei Zivilfahrzeuge haben den Pick-up in die Zange genommen.

MEK-Beamter rückt noch einmal in den Fokus der Ermittler

nnn.de von
09. Februar 2018, 20:45 Uhr

Die Staatsanwaltschaft in Schwerin wird sich nach dem Freispruch für den angeschossenen Autofahrer David A. noch einmal mit dem missglückten Polizeieinsatz von Lutheran beschäftigen. Das Interesse der Ermittler wird sich auf den Schützen aus den Reihen eines Hamburger Mobilen Einsatzkommandos (MEK) richten, der dem jungen Mann in den Kopf geschossen hatte. Sie wollen erneut prüfen, ob der gezielte Schuss des MEK-Beamten rechtmäßig war. „Wir werden einen entsprechenden Hinweis des Gerichts auswerten“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen den Elitepolizisten, der den verhängnisvollen Schuss bei dem Einsatz im Februar 2016 abgegeben hatte, war von der Staatsanwaltschaft bereits eingestellt worden. Nach Auffassung der Behörde handelte der Beamte in Nothilfe, um einen Kollegen in Lebensgefahr zu schützen. Im Prozess gegen das Schussopfer hatte der Richter der Staatsanwaltschaft dagegen geraten, diese Sichtweise zu überdenken.

Nach Auffassung des Gerichts bestand zum Zeitpunkt der Schussabgabe für den Polizisten keine „objektive Lebensgefahr“, da er sich längst in Sicherheit gebracht und weiter am Einsatz teilgenommen hatte.

 Der Anwalt des bei dem Einsatz schwer verletzten Autofahrers begrüßte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. „Ich halte es für zwingend notwendig, dass die Umstände ergebnisoffen überprüft werden“, sagte Rechtsanwalt Benjamin Richert. Im Prozess gegen seinen Mandanten seien neue Tatsachen ans Tageslicht gekommen. In der Beweisaufnahme sei deutlich geworden, dass für den MEK-Beamten keine Notwehrlage vorgelegen habe.

Bei dem spektakulären Einsatz im Februar vor zwei Jahren wollte das Hamburger MEK ursprünglich eine Rotlichtgröße festnehmen. Vor einer Fleischerei keilten sie ein Fahrzeug ein. In dem Wagen saß aber aber nicht die Zielperson, sondern David A. Als die Beamten in Zivil auf das Auto zustürmten, gab der junge Mann Vollgas und verletzte einen der Polizisten leicht am Knie. Ein Beamter schoss und traf ihn im Gesicht. Er verlor ein Auge. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Beamte an.

Der 29-Jährige wurde vergangenen Dienstag am Amtsgericht Ludwigslust in allen Anklagepunkten freigesprochen. Er habe die in Zivil heranstürmenden und vermummten Polizisten als solche nicht erkennen können, begründete der Richter. Der Mann habe auch gar kein Motiv für eine Flucht gehabt.

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