Greifswald : Uni Greifswald stimmt für ein bisschen ohne „Ernst Moritz Arndt“

Ein Denkmal für Ernst Moritz Arndt steht im Hof des Katharinenklosters in Stralsund

Ein Denkmal für Ernst Moritz Arndt steht im Hof des Katharinenklosters in Stralsund

Eine Trennung in Raten: Die Universität legt ihren Namenszusatz „Ernst Moritz Arndt“ ab, er darf aber unter bestimmten Bedingungen weiter verwendet werden. Mit dem Beschluss will der Senat den kontroversen Streit um Arndt beilegen. Doch Kritik folgte sofort.

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17. Januar 2018, 15:49 Uhr

Die Universität Greifswald verzichtet künftig auf ihren 1933 zuerkannten Namen „Ernst Moritz Arndt“. Allerdings kann der Namenszusatz unter bestimmten Voraussetzungen vorangestellt werden. Das entschied der Senat als höchstes Hochschulgremium heute mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Der Kompromiss ist noch nicht rechtskräftig. Das Bildungsministerium muss der Änderung der Grundordnung nun zustimmen. Von 35 Senatoren stimmten 27 für den Antrag, 8 dagegen.

Der Beschluss bestätige im Wesentlichen das Ergebnis von vergangenen Jahr, stelle aber auch einen Kompromiss dar, sagte die Senatsvorsitzende Marie-Theresia Schafmeister. Im Rechtsverkehr gelte der Name Universität Greifswald. Der Senat werde nun eine Ordnung verfassen, wie der Namenszusatz künftig zu verwenden sei. „Ernst Moritz Arndt bleibt ein nicht wegzudenkender Name und eine nicht wegzudenkende Person der Universität.“ Zuvor war in der Sitzung ein Antrag gescheitert, auf den Namenszusatz „Arndt“ komplett zu verzichten. Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten.

Die von einem Teil der Senatoren angestrebte Ablegung des Namens hatte in den vergangenen Monaten in der Universität und in der Stadt zu kontroversen Debatten geführt. Der Name passe nicht zu einer weltoffenen und auf Internationalisierung setzende Universität, erklärten die Antragsteller. Arndt-Befürworter sahen sich eines Teils der pommerschen Identität beraubt. Rektorin Johanna Eleonore Weber sprach von einem „klaren Ergebnis“.

Sie hoffe, dass die Universität nun eine Lösung gefunden habe, „die wieder eint und nicht weiter spaltet“. Der Senat habe mit sich gerungen. „Es war ein fairer, offner, zum teil auch berührender Austausch von Positionen“, sagte sie nach der Sitzung. Die Kompromisslösung gebe Spielraum. Greifswald folge damit anderen Hochschulen wie der Universität Heidelberg, wo ein Namenszusatz optional zum Städtenamen verwendet werde.

Öl ins Feuer goss nach der Entscheidung der Greifswalder CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow. Er sprach von einem „faulen Kompromiss“. Die Entscheidung sei ein Affront gegen Greifswalder Bürger und die Mehrheit der Universitätsangehörigen. Der AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber sprach von der „dümmsten Entscheidung, die getroffen werden konnte“. Die Umbenennung sende das falsche politische Signal.

Der Senat der Uni hatte bereits im Januar 2017 die Ablegung des Namens mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an. Daraufhin beseitigte die Universität die Rechtsmängel und startete im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden.

Knapp 49 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Professoren stimmten für Arndt. Rund 34 Prozent votierten für die Namensstreichung. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. An der Umfrage, die nicht rechtsverbindlich ist, nahm rund ein Drittel der etwa 15 100 Universitätsmitglieder teil.

In einer späteren studentischen Urabstimmung stimmte eine knappe Mehrheit für die Ablegung des Namens. Allerdings nahmen an der Umfrage nur 15 Prozent der Studierenden teil. Am vergangenen Samstag demonstrierten rund 600 Greifswalder dafür, dass die Universität an ihrem Namenspatron festhält.

Rektorin Weber sagte, die Kosten der Umstellung würden möglichst gering gehalten. Broschüren würden mit einer Neuauflage verändert. Digitale Darstellungen könnten ohne Kosten angepasst werden.

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