Nach der Wahl : Vom Plakat zur Shampooflasche

„Warten wir nicht länger!“ Dieser FDP-Slogan gilt auch nach dem Wahlsonntag: Drei Teams der Werbefirma Wesselmann begannen am Montag, mehr als 700 Großplakate in MV abzubauen.
1 von 2
„Warten wir nicht länger!“ Dieser FDP-Slogan gilt auch nach dem Wahlsonntag: Drei Teams der Werbefirma Wesselmann begannen am Montag, mehr als 700 Großplakate in MV abzubauen.

Parteien produzieren beim Wahlkampf Unmengen an Müll. Unternehmen aus Bochum will Plastikpappen recyclen

von
26. September 2017, 21:00 Uhr

Würde man alle Wahlplakate in Mecklenburg-Vorpommern abnehmen und fein säuberlich übereinanderstapeln, wäre der Turm, der dabei entstünde, mehr als doppelt so hoch wie der Schweriner Fernsehturm. Um genau zu sein 315 Meter. Davon ist zumindest auszugehen, wenn alle 104    500 Plakate im Land eine Standarddicke von drei Millimeter hätten. So oder so ist das ein Batzen Müll, der anfällt. Ist es das wert?

Zwei Sekunden – länger wird ein Wahlplakat nicht betrachtet. Der Einfluss der Pappen auf das Wählerverhalten ist daher unter Fachleuten umstritten. Trotzdem werden vor jeder Wahl die Städte und Kommunen zum dichten Plakatwald. Auch die Grünen machen mit beim Plakatieren. Um den Straßenwahlkampf käme man einfach nicht herum, sagt Landesvorsitzender Johann-Georg Jaeger. Mit keinem anderen Kampagnenmittel könne man seine Botschaften so flächendeckend verbreiten.

„Mit den Plakaten bekommen wir die Wähler, die wir durch Flyer, Nachrichten und Zeitungen nicht erreichen“, so Jaeger. Die Plakate der Partei seien dafür aus Papier und könnten auch so entsorgt werden. 4500 von ihnen hängten die Grünen für den Bundestagswahlkampf im Land auf und damit deutlich weniger als die anderen Parteien.

Das die Plakatwerbung im Wahlkampf unverzichtbar sei, betonte auch die Fraktion der CDU auf Anfrage. „Sie erregen große Aufmerksamkeit uns dienen vor allem der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft.“ 20    000 Plakate verteilte die Partei im Land, große Plakate nicht eingerechnet.

Die SPD kam auf etwa 14    000 Plakate, die Linke auf 22000, die FDP auf 16  000 und die AFD warb sogar mit 30    000 Postern für sich. Seit einigen Jahren steigen die Parteien zunehmend auf sogenannte PP-Holklammerplakate um. Die bestehen vorne und hinten aus Folie und in der Mitte aus einer Wellenstruktur. Der Vorteil sei, dass sie einfacher bedruckt und aufgehängt werden könnten, steht auf der Webseite eines Herstellers.

Das Problem: Ein Großteil der Plakate werde nach der Wahl einfach verbrannt. Dabei bestehen sie zu Teilen aus recycelbaren Polypropylen, sagt Andreas Henn von der Bonner Recycling-Firma Ascon. „Für die meisten Abfallentsorgungsgesellschaften ist eine wirtschaftliche Verwertung kaum umsetzbar. Die Plakate landen im gemischten Abfall.“

Nicht so bei Ascon. Das Unternehmen will deutschlandweit Plakate einsammeln und wiederverwerten. Die Parteien müssten die Pappen lediglich abknipsen und sammeln. Das Material werde anschließend gesammelt, gereinigt und zerkleinert.

Dann könnte aus einem Wahlplakat zum Beispiel eine Shampooflasche werden. Aus Mecklenburg-Vorpommern habe bisher noch keiner der Verbände Interesse gemeldet, sagt Henn. Er hofft jedoch, dass sich das noch ändern könnte.

Bis zwei Wochen nach der Wahl haben die Parteien Zeit die Plakate zu entfernen. Kommen sie dem nicht nach, müssen sie Strafe zahlen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen