Rostock-Laage : Verzerrte Passagierzahlen

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Zahl der „echten“ Fluggäste in Rostock-Laage um ein Drittel niedriger / Jede Landung von Flugschülern zählt

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18. Februar 2014, 21:30 Uhr

Die Zahl der wirtschaftlich relevanten Fluggäste des Flughafens in Rostock-Laage ist offenbar um ein Drittel niedriger als die in der offiziell angegebenen Passagier-Statistik. Das geht nach Ansicht des grünen Landtagsabgeordneten Johannes Saalfeld aus der Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor.

Jeder dritte gezählte „Passagier“ verzerre die Statistik, sagte Saalfeld gegenüber unserer Zeitung. 2013 wurden 177 000 Passagiere in der Flughafen-Bilanz ausgewiesen. Davon nutzten laut Saalfeld nur 121 000 Passagiere Linien- und Charterflüge, welche „zum Kerngeschäft“ der Flughafengesellschaft gehörten. So werden unter anderem die Starts und Landungen von Polizeihubschraubern und von Flugschülern in die Passagier-Statistik eingerechnet. Übt ein Flugschüler in einer Flugstunde fünfmal hintereinander das Durchstarten, wird er auch fünfmal für die Statistik als Passagier gezählt. Nach Ansicht von Saalfeld brauchen Flugschüler, Polizisten und Privatflieger zwar die Flugaufsicht, aber keinen teuren Terminal, der für 750 000 Fluggäste im Jahr ausgelegt sei.

Die Zählweise will Saalfeld nicht der Flughafengesellschaft vorwerfen, da sie sich an bundesweit einheitliche Vorgaben halte. Allerdings fallen Starts und Landungen von Schulungsmaschinen oder Polizeihubschraubern in der Statistik anderer Flughäfen nicht derart stark ins Gewicht. Die Verluste des Flughafen-Betriebs werden seit Jahren von den umliegenden Kommunen und dem Land ausgeglichen. Angesichts der „minderen“ wirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens und der anhaltenden Verluste plädierte Saalfeld erneut für eine Schließung. Die Rostocker Straßenbahn AG habe pro Tag genauso viele Fahrgäste wie der Flughafen Passagiere pro Jahr. Saalfeld: „Würde sie die gleiche Förderung wie der Flughafen erhalten, bekäme sie jährlich eine Milliarde Euro.“

Die SPD/CDU-Regierungskoalition hält allerdings vorerst an Rostock-Laage fest. Vor einem Monat hatte das Land seine Förderung für die nächsten vier Jahre auf eine Million Euro verdoppelt. Durch die Erhöhung der Landesmittel hat sich die kritische Situation beruhigt, bleiben Arbeitsplätze erhalten und bekommt die Flughafengesellschaft Planungssicherheit. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gesellschafter ihren jährlichen Zuschuss nicht verringern.



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