Gesundheit : Hilfsgelder fließen: Covid-19-Patienten aus Italien nach MV

Euro-Banknoten. /dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
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Die Hilfsmaschinerie springt an: Ersten Firmen in Mecklenburg-Vorpommern hat das Land Geld überwiesen. Für die Bevölkerung werden die Testmöglichkeiten auf das neuartige Coronavirus verbessert.

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26. März 2020, 19:26 Uhr

Die Soforthilfe für Corona-geschädigte Firmen in Mecklenburg-Vorpommern kommt bei den ersten Betrieben an. Wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) mitteilte, hat das Landesförderinstitut am Donnerstag mit der Auszahlung der staatlichen Zuschüsse an Solo-Selbstständige, Kleinst- und Kleinunternehmen begonnen, die wegen der Corona-Krise massive Umsatzeinbrüche verzeichnen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warnte zugleich vor einer zu frühen Lockerung der Kontaktverbote und Geschäftsschließungen. Mit 15 Infizierten je 100 000 Einwohnern sei der Nordosten zwar derzeit bundesweit das am geringsten betroffene Bundesland. Dennoch: «Ich will ganz klar sagen, dass wir nach Rücksprache mit Medizinern keine Entwarnung geben können», sagte sie. Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer hatte eine Lockerung der Reisebeschränkungen nach MV gefordert. Danach sollten Bürger aus anderen Bundesländern ihre Datschen und selbst genutzten Ferienwohnungen im Nordosten aufsuchen können, was ihnen seit einer Woche untersagt ist.

Schwesig bot an, sechs schwerkranke Covid 19-Patienten aus Italien in Kliniken des Landes aufzunehmen. Dafür kämen die Uni-Kliniken in Rostock und Greifswald sowie die Klinik in Schwerin in Frage, sagte sie. Mecklenburg-Vorpommern habe sich medizinisch gut auf die Infektionswelle vorbereitet und große, derzeit jedoch noch nicht erforderliche Behandlungskapazitäten für Schwerstkranke aufgebaut.

Die Testmöglichkeiten für die Bevölkerung werden verbessert. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald nahmen am Donnerstag zwei mobile Abstrichzentren ihre Arbeit auf. Dafür stellte die Verkehrsgesellschaft des Kreises zwei Busse zur Verfügung, wie die Kreisverwaltung in Anklam mitteilte. Die Teams, die aus jeweils drei Mitarbeitern des Gesundheitsamtes bestehen, werden festgelegte und mit den Kommunen abgestimmte Orte anfahren. Sie könnten pro Standort 50 Tests vornehmen.

Die Landesregierung reagiert auch auf Kritik an der Schließung mehrerer Corona-Testzentren am vergangenen Wochenende. In den bislang 13 Abstrichzentren würden künftig generell auch an den Wochenenden Patienten mit typischen Krankheitssymptomen auf eine Covid-19-Infektion getestet, kündigte Schwesig nach Beratungen des Kabinetts mit führenden Medizinern des Landes an. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales wurden landesweit bislang mehr als 12 000 Personen auf das neuartige Coronavirus getestet, 265 davon bis zum späten Donnerstagnachmittag positiv. 16 Menschen wurden beziehungsweise werden in Kliniken behandelt, davon drei auf Intensivstationen. Erstmals sind auch Altenheime betroffen - am Donnerstag wurden vier Fälle in drei Heimen in Rostock und im Landkreis Vorpommern-Greifswald festgestellt.

Die Nachfrage der Wirtschaft nach den staatlichen Überbrückungshilfen ist nach Glawes Worten riesig. Mehr als 80 000 Mal sei das Antragsformulare bisher heruntergeladen worden, 10 000 ausgefüllte Anträge seien bis Donnerstagmittag schon beim Landesförderinstitut eingegangen. Die Höhe der Soforthilfe ist gestaffelt. So können Firmen mit ein bis fünf Beschäftigten 9000 Euro, Unternehmen mit sechs bis zehn Arbeitsplätzen 15 000 Euro bekommen. Das Geld soll vom Bund kommen, wird zunächst aber vom Land vorgestreckt. 125 Millionen Euro stellt das Land selbst für größere Firmen bereit. Diese Zuwendungen betragen 25 000 Euro bei 11 bis 24 Arbeitsplätzen und bis zu 40 000 Euro bei 25 bis 49 Beschäftigten.

Die am Mittwoch verhängte Einreisesperre für Erntehelfer aus Rumänien und anderen Ländern zwingt unterdessen die Spargelbauern in Mecklenburg-Vorpommern zum Umplanen. So setzt Bäuerin Yvonne von Laer, die das Edelgemüse in Tieplitz bei Güstrow (Landkreis Rostock) großflächig anbaut, nun auf Hilfskräfte aus der Region. Agrarminister Till Backhaus (SPD) appellierte an Beschäftigte aus Hotellerie und Gastronomie, die derzeit wegen der Zwangsschließungen ihrer Häuser in Kurzarbeit sind, als Erntehelfer einzuspringen.

Der Hof Denissen in Wöbbelin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) mit rund 65 Hektar Spargelanbau hat Glück: Rund 30 Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen sind schon vor der vom Bundesinnenministerium am Mittwoch verkündeten Sperre angereist. Weitere 26 Arbeitskräfte wechselten aus anderen Bereichen des Unternehmens, wie Restaurant und Café, die schließen mussten, auf die Felder. Im April komme sie damit hin und dann müsse man weitersehen.

Der Chef von Karls Erdbeerhof, Robert Dahl, sagte, es könnten bei ihm in Rövershagen Ende April Probleme auftreten, wenn die ersten Erdbeeren erntereif seien. Dann würden die ersten rund 100 Erntehelfer benötigt. Deren Zahl steigere sich im Laufe der Saison auf bis zu 800.

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