Schiffbau : MV-Werften: Wolgast erwartet Entscheidung, Warnemünde feiert

Das Dock der Warnemünder Werft der MV Werften. /zb/dpa
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Das Dock der Warnemünder Werft der MV Werften. /zb/dpa

Seit einem Jahr liegen auf der Peene-Werft Wolgast fertige Patrouillenboote, die nicht ausgeliefert werden - eine schwierige Situation für Belegschaft und Betreiber. In der Warnemünder Werft herrscht hingegen Feierstimmung.

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13. Oktober 2019, 16:34 Uhr

Die Werften in Mecklenburg-Vorpommern erlebten in den vergangenen Jahrzehnten viele Höhen und Tiefen. Ein Blick nach Wolgast und Warnemünde zeigte am Wochenende, wie unterschiedlich es in der Branche laufen kann. Während der Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien die Stimmung auf der Peene-Werft in Wolgast trübte, konnten in Warnemünde rund 30 000 Besucher den Baufortschritt bei einem der weltweit größten Kreuzfahrtschiffe, der «Global Dream», bestaunen.

Ein Jahr nach dem Rüstungsexportstopp sitzt die Peene-Werft noch immer auf den Patrouillenbooten für das Innenministerium in Riad. Ob die beiden fertigen, die vier rohbaufertigen Schiffe und ein Ausbildungsschiff jemals ihre Auftraggeber erreichen, ist unklar. Das Exportverbot wurde von der Bundesregierung zunächst bis Ende März 2020 verlängert.

Die Belegschaft der zur Bremer Lürssen-Gruppe gehörenden Werft, die IG Metall und viele Politiker hoffen auf eine Übernahme der Boote durch die Deutsche Marine, den Zoll oder die Bundespolizei. Insgesamt umfasste der Auftrag 35 Patrouillenboote. 15 waren im Herbst 2018 bereits ausgeliefert worden. Die IG Metall fordert von den deutschen Behörden, die Boote zu übernehmen und sie zur Menschenrettung im Mittelmeer einzusetzen.

Für die 300 Beschäftigten der Werft hat sich die Situation trotz des Exportverbots verbessert. Die Kurzarbeit wegen des Produktionsstopps für die Patrouillenboote ist beendet. «Dank einer Verschiebung von Arbeitspaketen innerhalb der Unternehmensgruppe konnte (...) die Kurzarbeit bereits im Juni weitgehend kompensiert werden», sagte ein Firmensprecher.

Auf der Warnemünder Werft wurde am Sonntag dagegen in bester Stimmung gefeiert. Der Chef von MV Werften, Peter Fetten, kündigte an, dass das Mittelschiff der neuen «Global Dream» am 22. November ausgedockt und von Warnemünde nach Wismar geschleppt werden soll. Dort werden Bug und Heck sowie die Aufbauten montiert. «Wir müssen den Termin schaffen, wir können ihn schaffen, wir werden ihn schaffen», sagte Fetten.

Das Mittelschiff besteht aus 160 Blöcken, sogenannten Großsektionen. «Davon haben wir bereits 128 zusammengebaut, beziehungsweise sind im Dock», sagte Werftensprecher Stefan Sprunk. 2021 soll das 342 Meter lange und über 46 Meter breite Schiff in See stechen. Es wird eines der größten Kreuzfahrtschiffe sein, das weltweit je gebaut wurde. Es ist für den asiatischen Markt konzipiert und kann bis zu 9500 Passagiere aufnehmen.

Der Transfer des 220 Meter lange Mittelschiffs mit seinen 20 Decks verspricht, ein Riesenspektakel zu werden. Ältere Werftarbeiter erinnerten an den August 2001, als die riesige Bohrinsel «Stena Don» von Warnemünde in Richtung Norwegen geschleppt wurde. Tausende Schaulustige verfolgten damals das Geschehen. Ein Feuerlöschboot verabschiedete den Koloss mit hohen Wasserfontänen.

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