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FC Hansa Rostock Zurück aus einer anderen Fußballwelt

Von Andre Gericke | 20.11.2018, 17:37 Uhr

Hansa-Stürmer Cebio Soukou über seine Zeit bei der Nationalelf von Benin

Cebio Soukou ist wieder aufgetaucht. Der 26-jährige Stürmer des Drittligisten FC Hansa war über das Wochenende in einer "ganz anderen Fußballwelt". Zum Debüt für das Heimatland seines Vaters ist es allerdings nicht gekommen, weil Benin noch die notwendige Bestätigung seitens des Weltfußballverbandes (FIFA) fehlte. "Es ärgert mich schon, dass ich nicht gespielt habe. Letztlich lag es daran, dass der Verband nicht gewusst hat, ob es durch ist oder nicht. Ich sollte eigentlich spielen, wenn auch nicht von Anfang an, weil es mit der Sprache noch schwierig war", sagt Soukou, der anfangs gar nicht wusste, weshalb er draußen blieb: "Man hat es mir erst im Nachhinein gesagt."

Dennoch haben sich die Reisestrapazen von zweimal 15 Stunden mit Flügen über Berlin, Brüssel (Belgien) und Abidjan (Elfenbeinküste) für den Angreifer gelohnt. "Ich bin froh, dass ich die Reise machen durfte. Ich nehme nur Positives mit. Mit einem Einsatz wäre es natürlich noch schöner geworden. Es war gut, dass ich das Team kennengelernt habe. Alle waren unfassbar nett und haben mir geholfen. Und Reisestrapazen haben wir in Rostock auch, wenn wir vor den Auswärtsspielen mehrere Stunden im Bus sitzen. Ich werde es verkraften, weil es ja auch kaum Zeitverschiebung gibt", erklärt Cebio Soukou.

Die Qualität der Nationalelf von Benin im Vergleich zum deutschen Fußball einzuschätzen fällt ihm nicht leicht. "Das ist echt schwer. Es gibt große Schwankungen innerhalb der Mannschaft. Steve Mounie spielt in der englischen Premier League bei Huddersfield und Mickaël Poté kennt man unter anderem noch aus seiner Zeit in Dresden. Er hat in der vergangenen Saison noch in der Champions League gegen Dortmund getroffen. Ein ,Sechser' spielt in der 4. englischen Liga, hat seine Ausbildung aber bei Paris St. Germain in Frankreich genossen. Deswegen ist die Klasse schwer einzuschätzen, aber es ist schon professioneller Fußball", so Soukou. Vielmehr sei in Afrika das Problem, die Qualität auf den Platz zu bringen: "Die Bedingungen sind schon anders und die Plätze auch nicht vergleichbar mit denen in Deutschland."

Für den gebürtigen Bochumer war es der erste Besuch im Heimatland seines Vaters, der "extrem stolz auf mich ist. Meine ganze Familie hat sich sehr gefreut und mich auch im Hotel besucht. Fast die gesamte Familie meines Vaters lebt ja noch in Benin, außer einige Cousins und Cousinen, die in Frankreich studieren", verrät Cebio Soukou, der gestern bereits wieder mit den Hanseaten trainiert: "Ich habe natürlich schon ein bisschen gemerkt, dass ich am Montag einige Stunden unterwegs war. Zudem haben wir in Afrika bei 40 Grad Celsius trainiert. Dagegen ist es jetzt hier in Rostock schon ziemlich kalt. Das ist ein Unterschied, der mir aber nichts ausmacht."

Mit seinen Gedanken ist der Kicker schon beim Freitagabend-Spiel in Lotte. "Ich hatte jetzt eine Weile kein Spiel mehr und bin froh, dass es am Freitag wieder um etwas geht", sagt Soukou. Er erwartet eine schwierige Aufgabe. "Es ist zwar eine Floskel, aber in dieser Liga kann man gegen jeden verlieren, aber auch gewinnen. Lotte ist immer unangenehm, doch wir haben die Qualität, dort zu gewinnen, wenn wir alles abrufen, was wir können", so der sechsfache Saisontorschütze. Der vorübergehend mögliche Sprung auf Platz zwei interessiert ihn nur am Rande. "Dafür kann man sich nichts kaufen, auch von der Herbstmeisterschaft nicht. Die Saison ist noch verdammt lang, es gibt noch viele Spiele und englische Wochen", so Soukou, der glaubt, dass den FC Hansa mittlerweile jeder auf dem Zettel hat: "Es war super, was wir in den vergangenen Wochen hinbekommen haben, und die Serie spricht für sich. Es gibt keinen mehr, der uns nicht wahrnimmt. Wir sollten jetzt die Winterpause im Blick haben, und wenn wir aus den fünf Spielen bis dahin noch neun, zehn Punkte holen, wäre es super. Dann würden wir in einer guten Ausgangsposition überwintern."