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Hansa Rostock Hansa steigt nach 4:5 bei Union ab

Von Peter Richter | 29.04.2012, 08:45 Uhr

Die letzte Hoffnung ist erloschen: Der FC Hansa steigt nach dem gestrigen 4:5 (3:3) in einem denkwürdigen, einmaligen Duell beim 1.

FC Union Berlin aus der 2. Fußball-Bundesliga ab. Im Vergleich zum 0:3 beim FC St. Pauli gab Trainer Wolf diesmal Gusche, Semmer und Wiemann den Vorzug anstelle von Blum, Pannewitz und Starke.


Es war für die Gäste ein, wie die „Berliner Zeitung“ schrieb, „absolutes Endspiel“. Hansa musste – abhängig von Aachen gegen Karlsruhe (1:0) – wenigstens einen Zähler holen. Rostock, angetreten in einem kompakten 4-3-3-System, wollte vor allem erst mal hinten die Null halten, spekulierte mehr darauf, zum Ende hin zuzuschlagen. Doch es kam ganz anders. Im Handumdrehen lagen die Hanseaten unverhofft 2:0 vorn. Unions Silvio hatte nach einer Ecke per Kopf für Holst unfreiwillig aufgelegt, der mit straffem Volleyschuss traf (3.). Dann zog Semmer nach bösem Ballverlust der Unioner sofort ab, der Berliner Parensen fälschte unhaltbar ab (10.).


Nach ungefähr einer Viertelstunde jedoch legten die Gastgeber ihre Fehlerhaftigkeiten ab und drehten innerhalb von nur 18 Minuten den Rückstand in eine eigene Führung. Die ersten beiden Gegentore nahmen bei Pelzer ihren Anfang. Das 1:2 leitete er mit seinem dritten Fehlpass kurz hintereinander ein und kam im Endeffekt zu spät gegen den Schützen Silvio (17.). Dann verursachte er mit einem Foul an Silvio einen Freistoß, den Mattuschka passgenau Parensen auf den Kopf löffelte – 2:2 (26.). Schließlich brachte Keeper Hahnel im Strafraum Silvio zu Fall, Mattuschka verwandelte sicher zum 3:2 für die Wuhlheider (28.).
Aber die Gäste waren fest entschlossen, ihre letzte Chance beim Schopfe zu packen. Sie kamen zurück: Ecke des für den verletzten Peitz eingewechselten Blum, schulmäßiger Kopfball von Gusche – 3:3 (32.). Was für ein Wahnsinns-Spiel. Zur Pause lag die Kogge noch gut auf Kurs, zumal Karlsruhe in Aachen zurücklag.


Doch der Ist-Stand verschob sich nach Wiederanpfiff leider nur allzu schnell zurück auf Abstieg. Janecka verursachte mit einer kung-fu-artigen Rettungsaktion einen Freistoß. Alles rechnete mit einer hohen Hereingabe von Mattuschka, der indes schob die Kugel flach Richtung Strafraumgrenze, von wo Ede unbehelligt einschießen konnte (47.).


Und was machten die Weiß-Blauen, gaben sie jetzt auf? Weit gefehlt – die orientierten sich sofort wieder nach vorn und schafften erneut den Ausgleich: Blum fasste sich auf der linken Seite ein Herz und drückte ab, Glinker im Union-Tor konnte den Ball nicht festhalten, und Mintál, von dem bis dahin nicht viel zu sehen war, staubte ab – 4:4 (54.).


Nach und nach gelang es den Mecklenburgern, einen gewissen Druck Richtung Berliner Strafraum zu erzeugen. Janecka (60./über das Tor) und Blum (70./zögerte zu lange, Schuss abgeblockt) besaßen Möglichkeiten zur Führung. 4:4 – ein solches Ergebnis gab es für die Ostseestädter in der 2. Bundesliga vorher nur am 20. November 2006 in Karlsruhe nach 0:3- und 1:4-Rückstand. Diesmal blieb es nicht bei acht Treffern. Die 69. Minute: Hahnel hat beim Abwehrversuch Pech, die Kugel trudelt an den Pfosten, Göhlert ist zur Stelle – 5:4 für Union. Doch Hansa stürmt weiter! Mintál und Starke behindern sich gegenseitig (71.). Weilandt bringt den Ball beim Konter sauber rüber zu Starke, doch er scheitert am stark reagierenden Glinker (73.). Noch in der Nachspielzeit hätte der Ausgleich fallen können, aber auch Mintál kam aus Nahdistanz nicht an Glinker vorbei.

Trainer-Urteile:
Uwe Neuhaus
(Union Berlin): Das war ein total verrücktes Spiel. Bevor wir überhaupt angefangen haben, stand es schon 0:2. Am Ende hatten wir das Quäntchen Glück auf unserer Seite. Ich drücke den Rostockern die Daumen, dass sie schnell wieder die 2. Liga erreichen.

Wolfgang Wolf (Rostock): Der Abstieg tut tierisch weh. Wir sind für unsere Verhältnisse sehr früh in Führung gegangen, schenkten aber zu leichtfertig die Tore her. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles probiert. Ein 5:5 wäre das gerechte Ergebnis gewesen.