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Rostock Mit Baseball-Schläger zum Auswärtsspiel

Von Thomas Volgmann | 24.08.2010, 12:57 Uhr

Der FC Hansa Rostock bekommt sein Fan-Pro blem einfach nicht in den Griff.

Gut gemeinte Anti-Gewalt-Aktionen des Drittligisten wie "Nur unsere Herzen schlagen" wurden am Wochenende wieder durch Ausschreitungen prügelnder Hooligans vor dem Spiel gegen Werder Bremen II torpediert. Die Reaktionen gestern waren entsprechend scharf.

"Ich habe für die Ausschreitungen überhaupt kein Verständnis", sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Er sieht vor allem den Fußballklub in der Pflicht. Caffier: "Solche Gewalt am Rande von Fußballspielen zu verhindern, ist vorrangig Aufgabe des FC Hansa Rostock und seiner Verantwortlichen."

Der Hauptsponsor Veolia Umweltservice hatte bereits nach den schweren Ausschreitungen von Hansa-Fans in Düsseldorf im Frühjahr mit Rückzug gedroht. 14 Polizisten waren damals in der Düsseldorfer Altstadt verletzt, 159 Personen vorübergehend festgenommen worden. Zu dem Vorfall am Wochenende in Bremen sagte Veolia-Unternehmenssprecher Tobias M. Weitzel: "Wir erwarten vom Verein, dass er Strafanzeige gegen die Gewalttäter stellt und eine konsequente Strafverfolgung unterstützt." Der Verein habe die Verfolgung und Bestrafung von Gewalttätern bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen zugesichert. "Genau dies erwarten wir nun auch nach den Ausschreitungen in Bremen", so Weitzel. Mögliche Strafzahlungen wegen der Randale würden von der Sponsorensumme abgezogen.

Aber möglicherweise schlittert der FC Hansa im Fall Bremen knapp an einer Strafe des Deutschen Fußballbundes (DFB) vorbei. Stefan Brause, DFB-Sprecher für die dritte Liga, gegenüber unserer Redaktion: "Die Fan-Ausschreitungen in der Nacht zu Samstag stehen in keinem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Fußballspiel." Darum würden voraussichtlich keine Sanktionen des DFB folgen. "Dennoch nehmen wir den Vorfall sehr ernst und werden den Verein zur Stellungnahme auffordern." Nach Angaben des Bremer Polizeisprechers Gundmar Köster hatte die Polizei in der Nacht vor dem Drittliga-Spiel zwischen dem FC Hansa und Werder Bremen II 13 Rostocker Hooligans in Gewahrsam genommen, die sich mit etwa der gleichen Anzahl von Werder-Fans eine wilde Massenschlägerei geliefert haben sollen.

"Die Polizei stellte bei den Rostockern einen Baseballschläger und einen Schlaghandschuh sicher", berichtete der Polizeisprecher. Einer der Festgenommenen musste mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus.

Hansa-Vorstand Bernd Hofmann versuchte im Gespräch mit unserer Redaktion die Randale in Bremen herunterzuspielen: "Das war der erste Vorfall dieser Art seit Beginn der Saison." Man wolle in Rostock eine neue und gewaltfreie Fan-Kultur entwickeln und sei dabei auf einem guten Weg. "Rückschläge wird es da immer geben, man braucht einen langen Atem", sagte Hofmann.

Ein positives Beispiel: Hansa Rostock nimmt gemeinsam mit dem FC St. Pauli am Aktionstag gegen Rechtsextremismus "Hamburg und alle stehen auf!" am 4. September teil. Das teilte gestern der Leiter der Kampagne, Jörn Menge, mit. Er hofft, dass durch das Vorhaben beider Vereine, sich gegen Menschenverachtung und Rechtsextremismus zu positionieren, auch die Fanlager aufeinander zugingen und sich auf dem Heiligengeistfeld symbolisch die Hand reichen.