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Rostock Vollmann lässt Dampf ab: "Drei Tage sind wir erst mal alle betroffen"

Von Peter Richter | 23.09.2011, 06:55 Uhr

Die beim FC Hansa obligatorische Pressekonferenz vor jedem Punktspiel war gestern so gut wie zu Ende, da kam die Frage: Wie er, Trainer Peter Vollmann, die Personalie Ralf Rangnick, der beim Bundesligisten FC Schalke 04 wegen eines Erschöpfungssyndroms kurzfristig seinen Rücktritt erklärt hatte, beurteile.

Dies hatte einen regelrechten Vortrag des Fußball-Lehrers zur Folge: "Jetzt sind wir erst mal alle betroffen, und irgendwann steht einer auf und sagt: Vielleicht hat der noch irgendwas anderes im Hinterkopf gehabt. Dann kommen die Ersten und fragen: Ist da noch was anderes, hat er private Probleme, vielleicht will er zu Inter, wer weiß, was dahinter steckt. Und dann sagt jeder, das kann doch nicht so normal sein. Der verdient soviel Geld, der ist doch durch, dem kann doch nichts passieren. Und dann gibt es die ersten, die die Sache wieder ganz anders beurteilen und Dinge gefunden haben, dass er eventuell doch einen anderen Grund hatte zurückzutreten."

Vollmann nahm die Gelegenheit wahr, sich mal richtig Luft zu machen (Er selbst nannte es im Nachhinein "Situationsbeschreibung".): "Jede Offenheit ist verboten. Man darf nichts zugeben, weil einem das Wort im Munde umgedreht wird. Gibst du was nach draußen an Ehrlichkeit, wird dir daraus ein Strick gedreht. Und dann stehen irgendwelche Leute hinterm Zaun und sagen, du bist ein Weichei. Ich habe Situationen erlebt, wo man erschöpft ist, wo bei deiner Entlassung Häme da ist, offen geklatscht wird. Ich kann Ihnen versichern: Psychische Dinge haben nichts mit Geld zu tun. Als ich bei einem Club gearbeitet habe (dessen Namen wir auf Bitte von Peter Vollmann verschweigen - d. Red.), musste ich eine meiner Töchter vier Wochen aus der Schule nehmen, weil sie bespuckt wurde. Wissen Sie, was der Lehrer mir geraten hat? Da gibt es nur eins - schnell wegziehen! Aktuell läuft, wie ich erfahren habe, bei einem Radiosender schon eine Umfrage, ob ich noch der richtige Mann für Hansa bin. Wenn ich denen jetzt kein Interview mehr gebe, wird es heißen: Der ist aber unsouverän. Doch ich bin ja lediglich ein Beispiel. Man braucht sich nur den Fall Manuel Neuer ansehen. Mehr Respektlosigkeit gibt es nicht."

TEASER-FOTO: Redaktion