Ein Angebot des medienhaus nord

FC Hansa Rostock Galgenhumor und zweite Chancen

Von Sebastian Lindner | 06.12.2019, 16:28 Uhr

Am Sonnabend ab 14 Uhr im Spiel beim KFC Uerdingen wird Trainer Jens Härtel kaum personelle Veränderungen vornehmen.

Wenn Hansa am Sonnabend ab 14 Uhr in Düsseldorf gegen den KFC Uerdingen antritt, stehen die Sterne für ein Fußballfest nicht gerade gut.

Da wäre einerseits die traurige Kulisse von wahrscheinlich nicht mal 5000 Zuschauern in einer Arena, die Platz für mehr als das Zehnfache bietet.

Da wäre der letzte Platz der Uerdinger in der Fairness-Tabelle mit vier Feldverweisen, was eher auf Hausmannskost denn Gourmethäppchen hindeutet (immerhin: Hansa ist noch ohne Platzverweis).

Und da wären nicht zuletzt zwei schwache Offensivreihen. Mit Hansa (20 Tore) und Uerdingen (18) stehen sich zwei der vier Teams der 3. Liga gegenüber, die am seltensten das Tor treffen.

„In Kaiserslautern haben wir keine Chancen vergeben – weil wir keine hatten“, so Hansa-Coach Jens Härtel in einem Anflug von Galgenhumor. Gegen Würzburg ließ der FCH dafür reihenweise Hochkaräter aus. „Wir müssen die Stürmer im Training in die Abschlusssituationen bringen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie dann auch im Spiel treffen“, versucht der Trainer zu erklären und seinen Angreifern das Knipsen wieder beizubringen.

Beim KFC Uerdingen dürfte das erneut der Job von Pascal Breier werden, da seine Konkurrenten nur sehr verhalten Druck machen.

„Sechs Veränderungen wird es nicht wieder geben“, so Härtel, der sich ansonsten aber kaum in die Karten schauen lassen wollte.

Auch im Mittelfeld gibt es wenig Anlass beziehungsweise kaum Alternativen, etwas im Vergleich zum Würzburg-Spiel zu verändern. Einzig Lukas Scherff wackelt. Der gerade erst wieder genesene Flügelspieler hatte unter der Woche mit einem grippalen Infekt zu kämpfen. Falls es nicht reicht, steht Aaron Opoku bereit.

Die größte Auswahl hat Härtel derzeit in der Abwehr. Und dort auch am ehesten Bedarf. Auch wenn es gegen Würzburg das dritte Zu-Null-Spiel der Saison gab: Rückkehrer Nico Rieble hatte wieder einige Wackler im Spiel. „Natürlich kann es von Vorteil sein, wenn man eine gewisse Konstanz in der Mannschaft erreicht. Aber es darf kein Freifahrtschein sein. Leistungen müssen bestätigt werden.“

In der Regel gab Härtel seinen Leuten zumindest immer eine Chance, Wiedergutmachung zu betreiben, wenn es mal nicht klappte. Deswegen dürfte Rieble wohl noch mal starten.

Der Hansa-Coach warnt vor allem vor den Standardqualitäten der Uerdinger, die zuletzt gegen Chemnitz 1:1 spielten: „Voriges Jahr war das noch ihre Schwäche.“

Allerdings sind einige Spezialisten nicht dabei. Kevin Großkreutz als potenzieller Standardschütze fehlt gesperrt, Kapitän Jan Kirchhoff als Verwerter möglicherweise verletzt.

Eine weitere Stärke der Gastgeber seien laut Härtel die „jungen, schnellen Flügelspieler“. Franck Evina, 19 Jahre, ist ein Beispiel.

Mögliche Start-Elf: Kolke – Ahlschwede, Sonnenberg, Rieble, Neidhart – Öztürk, Pepic – Omladic, Vollmann, Scherff – Breier

Dr. Riem Hussein pfeift: Die 39-jährige Apothekerin aus Bad Harzburg hat Frauen-WM- und -EM-Erfahrung. Sie pfeift Hansa nach dem 1:3 beim VfB Stuttgart II (2015) zum zweiten Mal.

Hansas Gegner: KFC Uerdingen

Als Bayer Uerdingen Mitte der 90-er Jahre noch Bundesligist war, begann der Abstieg des seitdem unter „Krefelder Fußball-Club Uerdingen“ firmierenden Vereins mit dem Absprung des namensgebenden Sponsors. Bis 2009 wurde der KFC bis in die Verbandsliga durchgereicht. 2016 stieg der russische Investor Michail Ponomarew ein mit dem Ziel, Uerdingen in den Profi-Fußball zurückzuführen. Mittlerweile spielt der KFC in seiner zweiten Drittliga-Saison, hinkt aber den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Und das trotz zahlreicher Spieler mit Bundesliga-Erfahrung, zum Beispiel Großkreutz, Kirchhoff oder der Ex-Hanseaten Assani Lukimya und Christian Dorda. Größtes Problem ist die Offensive. Nur Jena erzielte weniger Treffer als Uerdingen. Bester Torschütze ist Tom Boere, der bisher sechsmal traf.