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FC Hansa Rostock Da geht man schon enttäuscht nach Hause

Von Peter Richter | 14.04.2019, 14:36 Uhr

Eine schwache zweite Halbzeit führt zum 1:2 gegen Jena. Es war die erste Heimniederlage gegen die Thüringer seit 1992.

Seit Dezember 1992 hatte der FC Hansa kein Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena mehr verloren, nun ist es am Sonnabend mit dem 1:2 (1:1) in der 3. Fußball-Liga wieder passiert.

Mit dem einstigen Mittelfeld-Malocher Timo Lange war ein Mitwirkender vom damaligen 0:1 unter den 16 087 Zuschauern im Ostseestadion. Sein Urteil: „Die erste Halbzeit verlief noch einigermaßen abwechslungsreich, aber die zweite war nichts. Da geht man auch angesichts der tollen Kulisse schon enttäuscht nach Hause, zumal ja gerade wieder ein kleine Euphorie aufgekommen war.“

Es bleibt beim Wechsel zwischen Hui und Pfui, bei der fehlenden Konstanz als das große Problem in der Saison 2018/19. Oder um es mit den Worten von Trainer Jens Härtel zu sagen: „Es reicht nicht, immer nur phasenweise ans Limit zu gehen.“

Im Vergleich zum 1:1 bei Fortuna Köln diesmal Breier und Cros an Stelle von Hilßner und Scherff in der Start-Elf. Diese geriet früh in Rückstand: Hüsing ausnahmsweise mal nicht Sieger im Kopfball-Duell, gleich mit Folgen: Der Ex-Rostocker Manfred Starke steht blank, spielt sofort ab zu Wolfram – 0:1 (5.).

Der Rückstand schien die Mecklenburger nicht groß zu tangieren: Ahlschwede hat die Ruhe, hat die Übersicht, Nutznießer ist in der Mitte Breier – 1:1 (9.). „Danach war Hansa 30 Minuten absolut spielbestimmend“, gestand später Gäste-Trainer Kwasniok. Doch weder Soukou (28./nach starker Vorlage von Öztürk) noch Biankadi (34./ Vorarbeit Soukou) bekamen den Ball richtig unter Kontrolle, und als plötzlich nach einer Ecke Öztürk im Jenaer Fünf-Meter-Raum völlig frei stand, war er davon offenbar zu überrascht (35.).

Bei kaum drei Grad plus und sibirisch kaltem Wind kam der eingewechselte Scherff der Führung nahe (70.). Er war da wohl, bevor er abschließen konnte, gefoult worden (Referee Brütting pfiff nicht), und musste kurz darauf verletzt raus.

Aber damit nicht genug: Die Gastgeber ließen sich lehrbuchhaft auskontern. Ausgerechnet Starke schloss ab zum 1:2 (76.) und klemmte sich den Jubel. „Rostock ist immer noch meine zweite Heimat, und ich drücke Hansa auch immer die Daumen – es sei denn, wir spielen gegeneinander“, gab er nach dem Abpfiff zu Protokoll.

Für die Weiß-Blauen endete eine „Erfolgsserie“ von sieben Spielen ohne Niederlage (von denen freilich vier nur je einen Punkt erbrachten).

Das sagt Trainer Jens Härtel

Das war die schlechteste zweite Halbzeit, die wir gespielt haben, seit ich hier bin. Davon bin ich sehr enttäuscht, weil wir uns in der Pause viel vorgenommen hatten, aber nichts davon umsetzen konnten. Dass wir dann in eine Kontersituation geraten und sogar noch verlieren, setzt dem die Krone auf. Die zweite Halbzeit ist mir ein bisschen unerklärlich. Insgesamt geht Jena völlig verdient als Sieger vom Platz. Wir haben viele Dinge, die wichtig sind in dieser Liga, nicht auf den Platz gebracht. Nach dem 0:1 kamen wir gut zurück, hatten die Partie im Griff, agierten aber schlampig: Da wird der Außenrist genommen statt schnörkellos zu spielen. In der zweiten Hälfte attackierte Jena früher, wir hatten nicht mehr die Ruhephasen am Ball. Die Mannschaft wirkte physisch nicht so frisch wie zuletzt. Heute war sie nicht in der Lage, das Spiel noch zu drehen. Ich kann gut verstehen, dass die Zuschauer sauer sind. Diese Niederlage gilt es schnell abzuschütteln. Am Mittwoch im Landespokal beim FC Mecklenburg Schwerin werden wir wieder ein anderes Gesicht zeigen.